Zebras mit unglücklicher Niederlage in Barcelona

Champions League
Samstag, 01.10.2016 // 21:00 Uhr

Der THW Kiel hat seine Auswärts-Premiere in der VELUX EHF Champions League unglücklich verloren: Beim Rekord-Champion FC Barcelona machten die "Zebras" ein Riesen-Spiel, verloren dann aber in der Schlussphase, in der sie nach einer Vielzahl an Zeitstrafen permanent in Unterzahl agieren mussten, den Faden. Am Ende einer dramatischen zweiten Halbzeit reichte es für die Schwarz-Weißen, für die Domagoj Duvnjak mit sieben Treffern ein überragendes Spiel ablieferte, nicht mehr zum Ausgleich: Durch das 25:26 (13:10) gab es die ersten Minuspunkte der noch jungen Königsklassen-Saison.

Zebras mit starkem Beginn

Eine Halbzeit lang lief es für die "Zebras" im berüchtigten Palau Blaugrana glänzend. Die spanischen Zuschauer waren angesichts einer aggressiv und auf schnellen Beinen verteidigenden Zebraherde und eines variablen Angriffspiels des THW zwischenzeitlich verstummt, während sich die rund 50 mitgereisten Kieler unter dem Hallendach lautstark bemerkbar machten. Ohne Christian Dissinger und Rune Dahmke hatten die Kieler von Beginn an in Führung gelegen, sich auch nicht von einigen merkwürdigen Entscheidungen des Unparteiischen-Gespanns Krstic/Ljubic, wie zum Beispiel die erste Zeitstrafe gegen Rene Toft Hansen, das sofortige Anzeigen des passiven Spiels nach Abbruch der zweiten Welle oder die provozierten THW-Stürmerfouls, aus der Ruhe bringen lassen. Motor der ersten Minuten: Kapitän Duvnjak, der beim 4:3 bereits seinen dritten Treffer erzielte.

Zeitstrafen-Hagel in den Schlussminuten

Und auch der Däne zeigte sofort seine Extraklasse, kaufte sich freie Bälle von Andersson und Rivera. Allerdings: Auch Perez schnappte sich einen freien Wurf von Wiencek, und dann wurde es richtig unglücklich: Toft Hansen bekam seine dritte Zeitstrafe (54.). Erst nagelte Zeitz eine Hüft-Granate an die Latte, dann bekam er im Angriff ein Stürmerfoul gepfiffen, ehe Zeitz hinten ebenfalls Zwei Minuten erhielt (56.). In permanenter Unterzahl holte Ekberg einen Siebenmeter heraus, den Vujin jedoch über das Tor statt zur Führung setzte. Im Gegenzug bedankte sich Tomas mit dem 24:23. Doch der THW blieb dran: Bilyk glich aus. Kurz, nachdem die Zebras wieder vollzählig waren, erhielt Wiencek nun auch eine Zeitstrafe wegen eines Trikots-Zupfers gegen Syprzak. Bis 20 Sekunden vor Schluss sollten die "Zebras" mit einem Feldspieler weniger agieren müssen und dies stets mit dem Tausch des Torhüters zu kompensieren versuchen.

Monsterparade von Wolff

Marko Vujin zeigte dann beim 6:4, was in seinem Arm steckt. Eine Granate, die Eindruck machte. Doch nachdem Patrick Wiencek ein Tor nicht anerkannt worden war, entfachte Tomas den Hexenkessel: 6:7, und kurz darauf hatte der Barca-Kapitän beim Tempogegenstoß die Chance, auszugleichen. Doch da stand Andreas Wolff: Mit einer wahren Monsterparade, der Raul Santos das 8:6 folgen ließ, startete der Kieler Keeper seine stärkste Phase - zehn Bälle sollte Wolff bis zum Seitenwechsel entschärft haben und trug so einen großen Anteil daran, dass die "Zebras" beim 11:8 (18.) durch Niclas Ekberg erstmals mit drei Toren in Führung gehen konnten. 

Kieler verpassen höhere Führung

Danach wurde es richtig hektisch: Sechs Minuten lang konnten weder Wolff noch der überragende Barca-Torhüter Perez de Vargas bezwungen werden, beide Teams nahmen sich eine Vielzahl unvorbereiteter Würfe. Tomas war es, der dann den Torbann brach - doch die Kieler blieben weiter vorn. Sie verpassten es allerdings, einen größeren Vorsprung als eben diese drei Treffer mit in die Pause zu nehmen, weil sie nach Vujins grandiosem Eins-gegen-Eins zum 13:9 gegen den sprunggewaltigen Mem nicht aufpassten und den letzten Angriff äußerst unglücklich abschlossen: Santos holte nach einem missglückten Kempa-Pass auf Duvnjak den Ball aus dem Aus und gab diesen nicht sofort frei. Die Konsequenz: Die Kieler mussten die 13:10-Halbzeitführung zu Beginn des zweiten Durchgangs zwei Minuten lang in Unterzahl verteidigen.

Sonntag NDR-Sportclub, Mittwoch Spitzenspiel

Am Sonntag reisen die Kieler via Hamburg zurück nach Kiel. Torhüter Andreas Wolff macht vor der Ankunft in den heimischen eigenen vier Wänden allerdings noch einen Abstecher nach Hamburg-Lokstedt: Ab 22:30 Uhr ist Wolff zu Gast im NDR-Sportclub und wird sich den Fragen von Alexander Bommes stellen. Am Dienstag gehen dann alle "Zebras" wieder auf Tour: Mit dem "AK Touristik"-Mannschaftsbus "KI-EL 1" reisen die THW-Handballer in die Hauptstadt, wo am Mittwoch um 19 Uhr das Spitzenspiel der DKB Handball-Bundesliga bei den Füchsen Berlin angepfiffen wird. Sport1 überträgt diese Partie live. Auf geht's, Zebras! 

Zebra-Fehlstart

Das sollte nicht funktionieren. Nach dem schnellen Anschluss durch Entrerrios' Treffer nach 27 Sekunden vergab Wiencek einen Gegenstoß, Valero Rivera versenkte einen Siebenmeter, und nach Perez' Parade gegen Duvnjak setzte Tomas mit einem Dreher den Ausgleich - übrigens immer noch in Überzahl, weil kurz vor der Rückkehr von Santos auf das Feld Toft Hansen seine zweite Zeitstrafe kassiert hatte. Doch die Kieler kämpften sich in den zweiten Durchgang: Ekberg zeigte artistisches Potenzial, als er einen verunglückten Weinhold-Pass kurz vor der Linie im Flug fing und zum 14:13 einnetzte, Duvnjak startete seine One-Man-Fackel-Show mit dem 15:13, dem Ekberg nach Wienceks tollem Block sogar das 16:13 folgen ließ. 38 Minuten waren da gespielt, der THW hatte seinen Fehlstart in den zweiten Durchgang vergessen gemacht.

Barcas erste Führung

Doch die Katalanen hielten dagegen, setzten die Zebras mit einer starken Defensive immer mehr unter Druck und kamen zu Toren: Zwei Minuten später waren sie nach Riveras Gegenstoß wieder dran, einzig Duvnjak zeigte sich von der aggressiven Abwehrarbeit des FC Barcelona unbeeindruckt, jagte den Ball zum 18:16 und 20:19 (45.) ins Netz. Allerdings: Hinten ließen die Kieler nun mehr zu, gaben Barcelona den Raum, den sie für einfache Tore benötigten. Nach Nilssons 21:19 (47.) übernahmen die Katalanen das Ruder: Andersson und zweimal Syprzak erzielten beim 22:21 (50.) die erste Führung der Gastgeber überhaupt. Gislason reagierte, brachte Niklas Landin für Andreas Wolff.

Zebras kämpfen bis zur letzten Sekunde

Und das funktionierte. Weinhold glich die Barca-Führung durch Lazarov aus (59.), und nach Tomas' Treffer zum 26:25 blieben 30 Sekunden Zeit für den Ausgleich. Gislason setzte alles auf eine Karte, brachte den zusätzlichen Feldspieler, so dass die "Zebras" nach dem Auffüllen sogar mit sieben Angreifern das Unmögliche möglich machen wollten. Weinhold wurde freigespielt, der Linkshänder tankte sich durch und wurde durch gleich zwei Barca-Spieler im Kreis gestoppt. Doch statt es fälligen Siebenmeters gab es nur noch einen Freiwurf, mit dem Bilyk nach dem Ablauf der Zeit am zwölfarmigen Barca-Block scheiterte. Die junge Kieler Mannschaft war für ihren couragierten Auftritt nicht belohnt worden und zahlte am Ende eines spannenden Spiels ein wenig Lehrgeld - enttäuscht und ohne Punkte verließen sie den Palau Blaugrana. Allerdings mit dem Wissen, dem Gastgeber in dessen gefürchtetem Haus alles abverlangt und dem Rekord-Champion einen großartigen Kampf geliefert zu haben.

 

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