Der Klassiker: THW trifft Sonntag auf Barcelona

Champions League
Freitag, 03.03.2017 // 11:55 Uhr

Erst treffen der THW Kiel und der FC Barcelona Lassa fünf Jahre nicht aufeinander, jetzt begegnen sich beide Klubs zum vierten Mal binnen elf Monaten: Der Klassiker zum Heim-Abschluss der Gruppenphase in der VELUX EHF Champions League elektrisiert die Fans. Seit Monaten ist die Sparkassen-Arena mit 10.285 Fans ausverkauft, wie gewohnt wird Sky Sport die Partie ab 19:45 Uhr live übertragen. über Spielstände informiert der Liveticker auf der THW-Homepage.

Tomas: "Ziel ist der Gruppensieg"

Kapitän und Vereinsidol: Victor Tomas

Der FC Barcelona steht derzeit an der Tabellenspitze der Gruppe A und will den Platz, der die direkte Qualifikation für das Viertelfinale bedeutet, natürlich nach Kräften verteidigen. Victor Tomas, seit 2004 bei den Katalanen und Kapitän der Blau-Roten, gibt den Gruppensieg als erstes Zwischenziel aus: "Wenn wir dadurch das Achtelfinale überspringen, hätten alle Spieler zwei Wochenenden mehr Zeit zur Erholung, um richtig fit für die entscheidende Saisonphase zu werden. Wir werden deshalb alles versuchen, um am Ende oben zu stehen." Doch das spricht deutlich gegen die Pläne, die die Hausherren für Sonntag haben, denn der THW Kiel will die ärgerliche wie enttäuschende Niederlage gegen den BSV Bjerringbro-Silkeborg mit einem engagierten Auftritt vergessen machen.

 

Barcelona ist Tabellenführer

Spaniens Abonnementmeister darf sich keinen Ausrutscher in den letzten beiden Spielen der Vorrunde mehr erlauben. Zwei Punkte haben Filip Jicha, der im August 2016 zu den Katalanen wechselte, und Co. Vorsprung vor Paris Saint-Germain. Die zwei Zähler, die die Franzosen hier in der Kieler Sparkassen-Arena beim 27:28 verloren haben, sind noch nicht wieder aufgeholt. "Wir sind Erster, und das stärkt unser Selbstbewusstsein", sagt Kreisläufer Viran Morros. Der THW Kiel, der den Rekordsieger im vergangenen Jahr in der Runde der beste Acht aus dem Wettbewerb warf und eine Woche nach dem Klassiker zum Abschluss der Gruppenphase in Paris antreten muss, könnte also zum Zünglein an der Waage werden.

Klassiker im europäischen Handball

Das Beste kommt wie immer zum Schluss: Im letzten Vorrunden-Heimspiel der Königsklasse empfangen die "Zebras" am Sonntag den Giganten FC Barcelona. 22 Mal trafen beide Teams bisher international aufeinander - so häufig wie keine anderen Teams in Europa. Mit einer gewonnenen Partie mehr als der THW Kiel haben die Katalanen, die in dieser Saison "la decima", ihren zehnten Königsklassen-Titel anstreben, in der Statistik nur hauchdünn die Nase vorn (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv). "Wir wollen uns mit einer tollen Leistung für die Unterstützung unserer Fans in der durchwachsenen Gruppenphase bedanken", sagt THW-Kapitän Domagojj Duvnjak. "Der FC Barcelona ist momentan das Maß der Dinge in Europa. Mit unseren Zuschauern im Rücken wollen wir ihm einen heißen Tanz liefern."

Barca dominiert die spanische Liga

Trotz der Tabellenführung bezeichnen die Katalanen die aktuelle Phase als eine des Umbruchs, während sie für THW-Trainer Alfred Gislason einer der großen Titelfavoriten sind: "Barca hat viele erfahrene Spieler und kann sich ganz auf die Königsklasse konzentrieren." Denn in der heimischen "Liga Asobal" ist die Mannschaft von Trainer Xavi Pascual konkurrenzlos: Die bis heute letzte Niederlage in einem Punktspiel im eigenen Land gab es am 18. Mai 2013 nach einem 31:33 bei Naturhouse La Rioja. Danach folgten bis heute 110 Spiele ohne Punktverlust. Durch die unglaubliche Dominanz in der Liga bekommen junge Leute wie Dika Mem, Lasse Andersson oder Ex-THW-Spieler Wael Jallouz von Pascual ihre Einsatzzeiten und können sich ohne großen Druck entwickeln.

"Köln wäre die Belohnung"

Stars wie Raul Entrerrios, Víctor Tomas oder Cedric Sorhaindo genießen auf der anderen Seite die Zeit, sich zu erholen. Denn das große Ziel ist Köln: "Dort zu spielen und diese geniale Atmosphäre zu erleben, ist die schönste Belohnung einer Saison, die du dir vorstellen kannst", sagt Tomas, der selbst ein wenig verwundert ist, wie stark der FC Barcelona bereits in dieser Saison auftritt: "Uns war klar, dass wir zu diesem Zeitpunkt einige Punkte auf dem Konto haben würden. Und es ist unser Selbstverständnis, die Heimspiele im Palau Blaugrana zu gewinnen. Was mich aber sehr überrascht hat, waren unsere superstarken Auswärtsauftritte zum Beispiel in Veszprem, Flensburg oder Plock, die man so nicht vorhersagen konnte." 

Schiedsrichter aus Island

Im Hinspiel gegen Kiel hatten die Katalanen allerdings das Glück auf ihrer Seite, gewannen nach einem leidenschaftlichen Kieler Auftritt nur hauchdünn mit 26:25 (siehe Spielbericht). Am Sonntag wollen die "Zebras" dem hohen Favoriten auch zu Hause die Stirn bieten: "Solche Spiele sind immer ein Höhepunkt im Laufe einer langen Saison", sagt Rune Dahmke. "Wir werden alles dafür tun, gemeinsam mit unseren Fans den FC Barcelona richtig zu ärgern." Sky Sport zeigt das Spiel live und geht um 19:15 Uhr auf Sendung. Mit Sky Ticket (skyticket.de) können auch alle Handballfans, die keine Sky-Kunden sind, mit flexiblen Tages-, Wochen- und Monatstickets ohne Vertragsbindung ab 9,99 Euro live dabei sein. Geleitet wird die Begegnung, zu der die Fans des deutschen Rekordmeisters wegen des verkaufsoffenen Sonntags und die zu erwartende lange Parkplatzsuche rechtzeitig anreisen sollten, von Jonas Eliasson und Anton Palsson aus Island, die Aufsicht führt der EHF-Delegierte Tomo Vodopivec aus Slowenien. Auf geht's, Kiel!

KN: Handball-Classico Nummer 23

Kiel/Barcelona. Es ist der "Classico" des europäischen Handballs: THW Kiel gegen FC Barcelona. Ein Duell, aus dem Legenden geboren werden. 22-mal standen sich der deutsche Rekordmeister und die Katalanen bisher gegenüber, allein 15-mal in einem Finalspiel eines Europapokalwettbewerbs. Doch so klar wie vor dem letzten Vorrunden-Heimspiel der aktuellen Saison am Sonntag (19.45 Uhr, Sparkassen-Arena) waren die Vorzeichen selten. Keine Spur von Augenhöhe: Die Spanier um die ehemaligen Zebras Filip Jicha und Wael Jallouz führen die Gruppe A mit 22 Punkten an, der THW liegt mit elf Punkten auf Rang fünf. "Es wird super schwer, für Barcelona geht es um den Gruppensieg und damit den direkten Einzug in das Viertelfinale", sagt THW-Trainer Alfred Gislason.

Schon das Hinspiel, das der FC im Palau Blaugrana mit 26:25 für sich entschied, hatte all das Drama, das diesen Klassiker ausmacht. Gonzalo Perez de Vargas (17 Paraden) und Andreas Wolff (16) im Tor schenkten sich nichts, Domagoj Duvnjak zeigte ein Weltklasse-Dirigat, hielt das Zebra-Orchester zur Pause (13:10) und bis zum 17:14 (40.) lange auf der Siegerstraße, ehe es in der Schlussphase hektisch wurde, den slowenischen Unparteiischen die Partie entglitt, der THW nicht belohnt wurde. "Wir waren die bessere Mannschaft, aber dennoch sind wir jetzt ganz berechtigt nur Fünfter", so Gislason. Gleich nach dem Aufeinandertreffen im Oktober machte sich Zebra-Trotz breit, sagte Routinier Christian Zeitz: "Ich freue mich auf das Rückspiel. Mal sehen, ob die Schiedsrichter da auch so pfeifen."

März 2017, die Katalanen wollen direkt in die Runde der letzten Acht. Paris oder Barcelona, nur der Gruppensieger erspart sich die Zwischenstation Achtelfinale. Und der FC will noch mehr, träumt von "La Decima", dem zehnten Landesmeister-Titel in der Vereinsgeschichte. Das würde auch der ohnehin mega-imposanten Karriere von Filip Jicha zusätzlichen Glanz verleihen. "Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern und einer jungen, starken, wilden Generation", sagt der 34-jährige Tscheche und schwärmt vom "Teamspirit" im Team von Xavi Pascual. Das bezieht heute sein Quartier an der Förde im Hotel Atlantic, absolviert am Sonntagmorgen eine letzte Trainingseinheit in der Sparkassen-Arena und brachte sich mit einem 38:28 gegen BM Benidorm in der Liga Asobal schon einmal in Laune.

Mit vier Treffern beteiligte sich Jicha am Torreigen. Der ehemalige Zebra-Kapitän steht nach seiner dritten Operation seit seinem Wechsel 2015 nach Spanien wieder auf dem Feld. "Ich kann meine Erfahrung, meine Übersicht und meine Leidenschaft für die Mannschaft einbringen. Aber den explosiven Filip Jicha in Schwarz-Weiß, den wird es nicht mehr geben." Die aktuelle Ergebniskrise des THW Kiel verfolgt Jicha genau: "Der THW Kiel befindet sich in einem Umbruch. Ich leide und freue mich immer noch mit den Kielern." Zu behaupten, der THW sei nicht mehr Weltklasse, hält Jicha für "nicht fair". "Seit der perfekten Saison 2011/2012 wurde der Verein komplett umstrukturiert. Da müssen alle viel Geduld haben, auch die Fans, die natürlich am meisten leiden mit ihrem Lieblingsverein. Es kommen auch wieder sehr gute Zeiten. Wenn nicht in Kiel, wo sonst?" Am Sonntag jedenfalls müsse "alles klappen", wollen die Spanier gewinnen. "Das war damals so, und das ist immer so", sagt Jicha, für den die Rückkehr in die Kieler Arena "eine Riesensache" ist.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 04.03.2017)

 

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