Großer Kampf: Knappe Hinspiel-Niederlage gegen die Löwen

Champions League
Mittwoch, 22.03.2017 // 19:30 Uhr

Der THW Kiel hat das Achtelfinal-Hinspiel in der "VELUX EHF Champions League" gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 24:25 (10:12) verloren. Allerdings bot die ersatzgeschwächte junge Zebraherde, die auf ihre Routiniers Domagoj Duvnjak und Rene Toft Hansen verzichten musste, den Rhein-Neckar Löwen einen leidenschaftlichen Kampf, der sie am Ende nach einem zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand wieder bis auf ein Tor heranbrachte. Die Motoren des Spiels: Youngster Nikola Bilyk (7 Treffer) und ein Rückkehrer: Steffen Weinhold erzielte nach mehr als dreimonatiger Verletzungspause fünf Tore. 

Landin erstmals Kapitän

Während die Löwen mit "voller Kapelle" nach Kiel reisten, musste THW-Trainer Alfred Gislason schon vor der Partie zwei Hiobsbotschaften verkraften: Neben Abwehrchef Rene Toft Hansen (Adduktoren-Probleme) musste auch Kapitän Domagoj Duvnjak passen: Eine chronische Überlastung der Patellasehne im linken Knie wird bei dem Kroaten auch in den kommenden Wochen maximal Kurzeinsätze zulassen. Während Gislason den jungen Sebastian Firnhaber in den Kader berief, führte erstmals Torhüter Niklas Landin die "Zebras" in die nicht ganz ausverkaufte Sparkassen-Arena.

Weinhold feiert sein Comeback

Rune Dahmke störte auf der Spitze der offensiven Abwehr die Löwen-Angriffe

Für eine Überraschung hatte Gislason von Beginn an gesorgt: Er ließ Rune Dahmke als Spitze einer neu einstudierten 5-1-Deckung die Laufwege von Löwen-Regisseur Andy Schmid einengen. Dahmke ackerte, störte, spritzte in die Pässe und war so ein steter Unruheherd für die Mannheimer Angriffe. Vorne lief es zunächst ebenfalls rund: Dahmke traf zum 1:1 und holte den Siebenmeter heraus, mit dem Niclas Ekberg beim 4:3 die erste Kieler Führung erzielte (8.). Allerdings: Es sollte auch die letzte gewesen sein, was in der ersten Hälfte maßgeblich mit einem ehemaligen Kieler zu tun hatte: Andreas Palicka schwang sich wieder zu großer Form auf, hielt unter anderem gleich vier Würfe von Christian Zeitz und entschärfte auch freie Bälle von Wiencek, Dahmke und Ekberg. Die Folge: Die Löwen zogen auf 9:6 davon (18.). Gislason reagierte, brachte unter dem riesigen Jubel der Fans Steffen Weinhold, für den eine mehr als dreimonatige Leidenszeit nach seinem Syndesmose-Riss im Heimspiel gegen den SC Magdeburg am 11. Dezember endete.

Zwei-Tore-Rückstand zur Halbzeit

Doch Weinhold kam ausgerechnet in einer Phase, in der sowohl das schwache Schiedsrichter-Gespann aus Barcelona als auch beide Mannschaften mit unglaublicher Hektik agierten. Eine Zeitstrafe für Dahmke ebnete den Löwen dann den Weg zur Vier-Tore-Führung: Mit Glück überwand Schmid den gut haltenden Landin mit einem Wembley-Tor zum 10:7. Palicka hielt einen Vuijn-Wurf und kurz darauf einen Gegenstoß von Niclas Ekberg, wofür sich Gudjon Valur Sigurdsson mit dem 11:7 bedankte. Zudem bekam Patrick Wiencek, der seinen 28. Geburtstag auf dem Feld "feierte" bei einem Abwehrversuch einen Schlag auf die nach einem Trainingsunfall genähte Oberlippe, die fortan mehr der eines Boxers denn eines Handballers glich. Doch Wiencek biss wie die anderen Zebras auf die Zähne - und Steffen Weinhold startete mit seinem Premieren-Tor 2017 die Aufholjagd bis zum Pausentee: Vujin traf mit einem abgefälschten Wurf zum 9:12, ehe Zeitz den 10:12-Halbzeitstand erzielte. 

Gäste gehen mit sechs Toren in Führung

Kam mit Wucht: Lukas Nilsson

Aus der Pause kamen die "Zebras" mit Schwung: Lukas Nilsson stellte mit einem wuchtigen Durchbruch den Anschluss her, doch eben dieser Schwung verleitete die "Zebras" auch zu falschen Entscheidung, überhasteten Würfen und Pässen, die zur Beute der aggressiven Löwen-Abehr wurden. Die Konsequenz von drei von Fehlern gespickten Minuten war ein 4:0-Lauf der Löwen, den Gislason mit einer Auszeit zu stoppen versuchte. Wieder war es Nilsson, der mit Wucht zum 12:16 traf, doch die Löwen reagierten mit der Schnellen Mitte prompt und abgeklärt. Auch nach dem Wackler des immer präsenter werdenden Regisseur Nikola Bilyk zum 13:17: Du Rietz traf bei angedrohtem Zeitspiel zum 18:13, ein abgefangener Pass auf Außen führte zum Gegenstoß durch Guardiola: 19:13 für die Gäste, eine klare Angelegenheit schien sich anzubahnen.

Drei Spiele in einer Woche

Zupackende Defensive: Sebastian Firnhaber und Nikola Bilyk im Zweikampf mit Hendrik Pekeler

Die Entscheidung über den Viertelfinal-Einzug fällt nun am kommenden Donnerstag: Um 19 Uhr empfangen die Löwen den THW Kiel zum Rückspiel, Sky Sport wird auch diese Partie live übertragen. Und nach der furiosen Aufholjagd der Schlussviertelstunde reisen die "Zebras" lediglich mit einem Ein-Tore-Rückstand nach Mannheim. Ein Zwei-Tore-Sieg oder ein Ein-Tore-Erfolg mit mehr als 25 erzielten Auswärtstoren würden den "Zebras" doch noch den Viertelfinaleinzug bringen. THW-Fans, die ihre Zebras dort unterstützen möchten, können sich online Tickets für den Gästeblock 412 sichern (hier direkt online bestellen). Zuvor müssen die Kieler allerdings noch nach Hannover reisen: Am Sonntag (15 Uhr, live auf Sport1) geht es in der TUI-Arena bei der TSV Hannover-Burgdorf um wichtige Bundesliga-Punkte. Auch für dieses Spiel gibt es noch Tickets im Gästeblock O19 (jetzt buchen). Das nächste Heimspiel der "Zebras" findet erst im April statt: Am 2.4. will der THW, in der wegen des Achtelfinal-Rückspiels verlegten Partie, gegen den TVB 1898 Stuttgart (15 Uhr, jetzt Tickets sichern!) zwei wichtige Liga-Punkte holen. Auf geht's, Kiel!

Zebras nehmen Herz in die Hand

Überragender Regisseur: Nikola Bilyk war mit sieben Treffern erfolgreichstes Zebra

Auch, weil die "Zebras" einfach keinen Weg zum Tor mehr fanden. Palicka parierte Wiencek und Zeitz, der anschließend gleich zweimal im Löwen-Block hängen blieb, ehe Nilsson nach einem ungeahndeten Stoß über das Tor zirkelte. Doch urplötzlich fingen sich die Kieler, bei denen nun auch Sebastian Firnhaber in der Deckung mit seinen Nebenleuten um jeden Zentimeter kämpfte. Nach Petterssons 20:14 und Andy Schmids präzisem Wurf zum 21:16 (43.) starteten die "Zebras" aus einer zupackenden Abwehr die Schlussoffensive, die aber auch immer wieder durch überhastete Entscheidungen des Kieler Angriffs ausgebremst wurde. Dennoch: Die "Zebras" nahmen das Herz in die Hand, trafen durch Dissinger, Bilyk und Ekberg drei Mal in Folge zum 19:21, trieben die Löwen mehrfach ins angedrohte Zeitspiel - doch Schmid und Du Rietz trafen trotzdem.

Weinholds Dreierpack

Furioses Comeback: Steffen Weinhold erzielte gegen die Löwen fünf Treffer

Wieder lagen die Kieler mit vier Toren hinten - jetzt schlug die große Stunde des Steffen Weinhold, der eigentlich nur wenige Minuten Spiel-Luft schnuppern sollte: Sein Knickwurf zum 20:23 war der Weckruf, dann setzte er zum 21:23 ein. Erneut wurde Nilsson beim Torwurf ohne Konsequenz gefoult, doch dieses Mal gelangte der THW wieder in Ballbesitz: Weinhold zum Dritten, 22:23 (57.). Zum Ausgleich kam es jedoch nicht mehr, weil Wiencek seine zweite umstrittene Zeitstrafe kassierte und Schmid den gewonnenen Raum zum 24:22 nutzte. Bilyk traf, im Gegenzug machte Pekeler den Sieg der Löwen klar, ehe Ekberg einen in der Endabrechnung vielleicht noch ganz wichtigen Treffer zum 24:25-Endstand erzielen konnte.

 

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