Leidenschaft pur: Zebras erkämpfen sich Remis gegen Barcelona

Champions League
Sonntag, 05.03.2017 // 21:30 Uhr

Der THW Kiel hat dem großen Titelfavoriten FC Barcelona die Stirn geboten: Am Sonntagabend holten leidenschaftlich kämpfende Zebras in einem großartigen "Match of the week" gegen den Rekordsieger der VELUX EHF Champions League verdient einen Punkt. Überragend beim 27:27 (13:15): Marko Vujin. Der Linkshänder erzielte sechs seiner insgesamt acht Tore im zweiten Durchgang und glänzte auch als Anspieler. Gemeinsam mit Niclas Ekberg war Vujin erfolgreichster Torschütze einer geschlossen auftretenden Kieler Mannschaft, die die 10.285 Fans in der ausverkauften Sparkassen-Arena von den Sitzen riss.

Bilyk trifft zum Ausgleich

Harte Arbeit: Patrick Wiencek musste am Kreis eine Menge einstecken

Der THW ackerte - und wieder war es der überragende Vujin, der traf: 26:26 - der Auftakt zu einer dramatischen Schlussphase, die die Fans mit einer La Ola begrüßten. 72 Sekunden vor dem Ende wurden Vujin zu unrecht "Schritte" gepfiffen, die Katalanen spielten den folgenden Angriff geduldig aus. Timothey N'Guessan netzte 17 Sekunden vor dem Abpfiff ein - das Ende aller Kieler Träume von einem Erfolgserlebnis gegen den Titelfavoriten? Nein. Nikola Bilyk fasste sich ein Herz, spurtete nach der Schnellen Mitte quer über das Feld und traf im Fallen zum umjubelten Ausgleich - Riesenjubel in der Arena: Dieses Unentschieden fühlte sich nach 60 dramatischen wie leidenschaftlich geführten Minuten beinahe wie ein Sieg an.

Gästen gehört die Anfangsphase

Niklas Landin startete mit seinen Paraden die Aufholjagd

Es war wie immer, wenn sich der spanische und der deutsche Rekordmeister auf dem Handballfeld treffen: Die Sparkassen-Arena ausverkauft, eine lautstarke Begrüßung für die beiden "Ehemaligen" Filip Jicha und Wael Jallouz sowie zwei Mannschaften, die unbedingt den Sieg wollten. Es war angerichtet für das Top-Spiel der Vorrunden-Gruppe A - und das sah zunächst die Gäste klar vorn. Mit einer starken Defensive setzten sie den THW Kiel unter Druck, und die "Zebras" machten Fehler. Auf 5:1 zogen die Katalanen nach Jichas Steal und den Gegenstoßtreffer von Dika Mem davon. Dann sorgten Torhüter Niklas Landin und Trainer Alfred Gislason für die Initialzündung: Landin hielt Lazarovs Siebenmeter, und Gislason brachte mit Lukas Nilsson Feuer in den Kieler Rückraum. Der Schwede fackelte nicht lange und traf zum 2:5, dann wurde er zum - allerdings unfreiwilligen - Vorlagengeber für Ekberg, der den von Perez de Vargas nach vorn abgewehrten Nilsson-Wurf zum 3:5 verwandelte. Dann hielt Landin gegen Rivera den zweiten Siebenmeter, was Vujin zum 4:5 nutzte.

Barca zur Pause vorn

Wael Jallouz traf vier Mal in der ersten Halbzeit

Der THW war wieder dran - und mit jeder gelungenen Aktion stieg das Selbstbewusstsein der "Zebras" und der Lärmpegel in der Halle. Allerdings hatten die Schwarz-Weißen auch Rückschläge zu verkraften: Christian Zeitz' Kopf prallte unglücklich mit dem Hinterkopf des im ersten Durchgang starken Wael Jallouz zusammen, für den Linkshänder war die Partie damit beendet. Zudem kassierte Domagoj Duvnjak vom schwachen isländischen Schiedsrichtergespann Eliasson/Palsson früh seine zweite Zwei-Minuten-Strafe. Die Isländer sorgten zudem für ein Novum, als sie Lazarovs Siebenmetertor wegen Verstoßes gegen die Drei-Sekunden-Regel die Gültigkeit versagten (26.), was Ekberg im Gegenstoß zum 11:12-Anschluss zusätzlich bestrafte. Die Katalanen zeigten eine starke Partie, doch die Kieler ließen sich nicht abschütteln. Die Arena kochte, feuerte längst den THW mit stehenden Ovationen an. Doch Barcelona blieb cool, nutzte die sich bietenden Lücken konsequent und ging mit einem 15:13 in die Halbzeit.

Noch zwei Partien bis zur Pause

Ganz stark: Niclas Ekberg netzte acht Mal ein

Bis zur Länderspielpause haben die Kieler nun noch zwei weitere schwere Partien vor der Brust - und weiter geht es im Wechsel zwischen DKB Handball-Bundesliga und VELUX EHF Champions League: Am Mittwoch empfangen die "Zebras" um 19 Uhr den Altmeister VfL Gummersbach in der Sparkassen-Arena. Die Partie wird nicht live im Fernsehen gezeigt, es gibt aber noch einige Tickets für das Spiel (jetzt direkt Karte kaufen!). Danach muss der THW reisen: Am kommenden Sonntag trifft er in Paris auf den Top-Favoriten Paris Saint-Germain. Anwurf im Stade Pierre de Coubertin ist um 17 Uhr, Sky Sport überträgt live. Weiter geht's, Kiel!

Hexenkessel brodelt

Leidenschaft pur: Lukas Nilsson machte ein starkes Spiel

Die zweite Halbzeit begann hektisch: Beide Mannschaften machten Fehler und ließen ihre Chancen liegen, bis Rene Toft Hansen einen Abpraller mit einem Hechtsprung ergatterte, und Raul Santos mit einem furiosen Gegenstoß-Dreher die Torflaute in der 34. Minute beendete. Allerdings: Der Ausgleich wollte dem THW einfach nicht gelingen, immer wieder verstolperten die Kieler ihre Möglichkeiten zum Remis. Barca zog wieder davon. Auf 17:14, 20:17. Immer mehr rückte nun Vujin in den Mittelpunkt: Der Serbe traf zum 17:18 und 18:20, blieb danach mit einem Krampf zurück, den Perez de Vargas löste. Dann bediente Vujin Patrick Wiencek am Kreis zum 19:20, was Barcelona mit dem 22:20 durch Lazarov beantwortete. Doch der THW war am Drücker. Bilyk bediente Ekberg zum 21:22, den ersten Ausgleich seit dem 1:1 machte der junge Österreicher dann selbst: Sein 101 km/h-Wurf riss die Fans aus den Sitzen, jetzt war der Hexenkessel endgültig am Brodeln.

THW dreht das Spiel

Überragend: Marko Vujin traf acht Mal und glänzte auch als Anspieler

Tomas räumte Ekberg beim Versuch, im Nachwurf einen Siebenmeter zu verwandeln, ab. Zeitstrafe für den Barca-Kapitän, und Vujin jagte den anschließenden Strafwurf zur ersten Kieler Führung in die Maschen. Dann zeigte Andreas Wolff gegen den freien Syprzak seine ganze Klasse, und Vujin traf zum 24:22. Zehn Minuten vor dem Ende hatten die "Zebras" das Spiel gedreht - auch, weil sie um jeden Ball fighteten. So verhinderte Ekberg einen Kempatreffer mit einer spektakulären Abwehraktion, während Vujin vorn mit 103 km/h den Ball unter die Latte jagte. Doch irgendwie, so schien es, sollte es auch dieses Mal nicht klappen. Lazarov verwandelte Siebenmeter Nummer acht für die Katalanen, Perez de Vargas parierte Santos' Gegenstoß, und Jesper Nöddesbo traf zum Ausgleich, und Lazarov hatte bei seinem Lattenunterkanten-Tor zum 26:25 auch das Glück auf seiner Seite.

 

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