Heim-Niederlage in der Königsklasse: THW Kiel verliert gegen Celje

Champions League
Sonntag, 12.11.2017 // 16:06 Uhr

Die "Zebras" haben in der Gruppenphase der VELUX EHF Champions League zwei wichtige Punkte verloren: Sonntagabend kassierte der THW Kiel gegen RK Celje Pivovarna Lasko eine verdiente 26:29 (15:14)-Niederlage. Dabei verpassten es die Kieler mehrfach, eine Drei-Tore-Führung weiter auszubauen. Mit zunehmender Spielzeit stiegen der Druck auf die Heimmannschaft und die Fehlerquote. Zehn Minuten vor dem Ende gingen die Gäste erstmals in Führung und gaben diese bis zur Schlusssirene nicht mehr aus der Hand. Celje hatte in Torhüter Urban Lesjak, der 15 Würfe parierte, und im achtfachen Torschützen Jaka Malus seine besten Akteure, auf Kieler Seite traf Niclas Ekberg (6/4) am häufigsten. Mit fünf Treffern nach der Pause hielt Christian Zeitz seine Mannschaft im Spiel, konnte den ersten Sieg der Slowenen in Kiel überhaupt aber auch nicht verhindern.

Fehler brechen sich ihren Bann

Kein Durchkommen: Miha Zarabec

Eine schlechte Nachrichten hatten die 8.700 Kieler Fans und Trainer Alfred Gislason bereits vor dem Anpfiff zu verkraften: Neben Kapitän Domagoj Duvnjak und Raul Santos nahm auch Steffen Weinhold auf der Tribüne hinter dem Tor Platz: Ein Muskelfaserriss in der Wade, erlitten beim Sieg in Stuttgart, wird den Linkshänder noch länger außer Gefecht setzen. Trotzdem starteten die Kieler mit viel Schwung in die Partie, was anfangs auch an einem gegen seine alten Mannschaftskameraden aufdrehenden Miha Zarabec lag: Er vollendete mit seinem zweiten Treffer zur 5:2-Führung (8.). Die "Zebras" schienen früh in der Spur zu sein, zumal sie immer eine Antwort auf Celjes Vorstöße hatten: Nikola Bilyk traf fast von der Außenlinie zum 6:3, Patrick Wiencek mit einem Anwurf ins leere Tor zum 7:4. Doch dann brachen sich die Fehler ihren Bann: Bilyk warf überhastet am leeren Tor vorbei, zudem wurde Lesjak im Kasten der Celjer regelrecht warm geworfen. Die Folge für die ihre Angriffe lange ausspielenden und geduldig auf ihre Chance wartenden Gäste war der Ausgleich durch Dujshebaev (16.).

Knappe Halbzeitführung

Niclas Ekberg war bester THW-Torschütze

Der THW reagierte stark: Zarabec bediente den an den Kreis eingelaufenen Ekberg zum 9:8, der Kieler Haupttorschütze legte vom Siebenmeterstrich nach, und als Niklas Landin über das gesamte Feld in den aufgrund einer Unterzahl-Situation leeren Kasten der Slowenen traf, war beim 11:8 die zumindest optische Dominanz der "Zebras" auch wieder auf dem Videowürfel in Zahlen ausgedrückt. Doch wieder ließ der THW den Gast zurück in die Partie, musste nach einer dreifach ausgelassenen Chance von Marko Vujin den 10:11-Anschluss durch den 21-jährigen Malus hinnehmen. Doch wieder gelang es den Schwarz-Weißen in Überzahl, zurück zu schlagen: Vujin traf mit Wucht, Dahmke nach einem Zeitz-Steal ins leere Tor. Und spätestens bei Ekbergs Monster-Dreher zum 14:11 drei Minuten vor dem Pausenpfiff schien eine deutliche Halbzeitführung im Bereich des Möglichen. Doch erneut sorgte Celje für einen Stimmungsdämpfer: Malus traf per Strafwurf, Razgor klaute einen Nilsson-Pass, was Jurecic mit dem 13:14 veredelte, dann hiel Lesjak einen Vujin-Wurf, und der 19-jährige Vujovic sorgte abgebrüht für den Ausgleich. Immerhin: Nilsson traf zum 15:14.

THW verpasst erneut Führungs-Ausbau

Fünf Treffer nach der Pause: Christian Zeitz

Nach dem Wechsel setzte der THW auf Andreas Wolff zwischen den Pfosten, zudem durfte Christian Zeitz auch im Angriff ran. Und der Kieler Routinier wurde zur Lebensversicherung für die "Zebras", den zunehmend auch das Glück abhanden kam. Nach Nilssons Pfostenwurf zum Auftakt der zweiten Hälfte jagte Zeitz den Ball in Unterzahl mit 101 km/h in den Winkel, musste dann aber fassungslos mit ansehen, wie sein nächster Wurf vom linken Innenpfosten an die Lattenunterkante und von dort an den rechten Innenpfosten und zurück ins Feld sprang. Doch davon ließ sich der Linskhänder nicht beirren, traf um den Abwehrspieler herum zum 18:16, und nach einem grandiosen Eins-gegen-Eins auch zum 20:17 (40.). Wieder aber verpasste es der THW, nachzulegen: In Überzahl traf Beciri frei vom Kreis per Heber, auf der anderen Seite hielt Lesjak einen Ekberg-Wurf, was Vujovic zum 19:20-Anschluss für Celje nutzte. Vujin erhöhte, doch dann ging es schnell: Christian Dissinger hatte für zwei Minuten pausieren müssen, was Kodrin und Vujovic nach einem gehaltenen Nilsson-Wurf mit dem 21:21 bestraften. Noch einmal legte Zeitz mit 102 km/h vor, doch dann wurde es bitter.

Fehler verhindern Aufholjagd

Igor Anic erzielte gegen sein ehemaliges Team vier Tore

Stück für Stück verschwand das Kieler Selbstbewusstsein, Dissinger jagte den Ball über das Tor, Lesjak schwang sich gegen Bilyk und zweimal Dahmke zum Matchwinner auf, und auf der anderen Seite wartete Celje clever auf ihre Möglichkeiten, die Beciri mit einem Dreher, Razgor bei angedrohtem Zeitspiel und ausgerechnet Ex-Zebra Igor Anic verwerteten: Sieben Minuten vor dem Ende führten die Gäste mit 26:23, die Kieler Aufholjagd durch Tofts Anschluss und Wolffs Parade gegen Kodrin wurde dann allerdings jäh von einem weiteren Fehlpass gestoppt, während Anic auf der anderen Seite das Glück auf seiner Seite hatte und einen Abpraller zum 27:24 verwertete. Fünf Minuten vor dem Ende standen die "Zebras" vor einer Heim-Niederlage, die sie gegen abgezockt agierende Gäste auch in den Schlussminuten nicht mehr verhindern konnten - am Ende verließ der THW enttäuscht das Feld nach einer unnötigen Niederlage, während die jungen "Pink Panthers" des RK Celje, bei denen der gerade erst 17-jährige Domen Makuc ebenfalls zum Einsatz kam, ausgelassen einen historischen Tag feierten: den ersten Sieg überhaupt in der Kieler Sparkassen-Arena.

Donnerstag Heimspiel gegen Lemgo

Bester Torschütze in Pink: Jaka Malus

Für die Kieler geht der Marathon-Monat November am Donnerstag mit einem Heimspiel in der DKB Handball-Bundesliga weiter: Um 19 Uhr empfangen sie den wiedererstarkten TBV Lemgo in der Sparkassen-Arena. Die Ostwestfalen, im vergangenen Jahr lange Zeit tief im Abstiegskampf verstrickt, sind aktuell viel besser in die Saison gekommen und verloren bisher nur vier Partien. Dabei leisteten sie unter anderem den Rhein-Neckar Löwen (24:26) und der SG Flensburg-Handewitt (22:25) erbitterten Widerstand, ehe sich am Ende die Favoriten doch noch durchkämpfen konnten. Allerdings hatte auch der TBV am Wochenende einen Rückschlag zu verkraften, als man gegen GWD Minden im Derby lediglich ein Unentschieden holten. Für die Partie gibt es noch Eintrittskarten (ab 14,50 Euro) an allen bekannten Vorverkaufsstellen, in Kiel zum Beispiel im Ticketcenter der Arena, bei CITTI und famila, sowie im Online-Ticketshop des THW Kiel. Auf geht's in die Arena, Kiel!

VELUX EHF Champions League, Statistik, 7. Spieltag, 12.11.17: THW Kiel - RK Celje Pivovarna Lasko: 26:29 (15:14)

THW Kiel: Landin (1.-30., 4/1 Paraden, 1 Tor), Wolff (31.-60.,6 Paraden) ; Firnhaber (n.e.), R. Toft Hansen (1), Dissinger, Wiencek (3), Ekberg (6/4), Zeitz (5), Frend Öfors, Rahmel, Dahmke (1), Zarabec (2), Vujin (3/1), Bilyk (2), Nilsson (2); Trainer: Gislason

RK Celje Pivovarna Lasko: Lesjak (1.-60., 15 Paraden), Dobaj (n.e.), Panjtar (1 Siebenmeter, 0 Paraden); Vujovic (5), Jurecic (1), Malus (8/4), Razgor (1), Suholeznik, Marguc (1), Groselj, Kodrin (3), Makuc, Anic (4), Dujshebaev (3), Beciri (3); Trainer: Tamse

Schiedsrichter: Peter Horvath / Balazs Marton (HUN)

Strafzeiten: THW: 2 (Toft Hansen (32.), Dissinger (44.)) / Celje: 5 (2x Kodrin (11., 59.), Groselj (20.), Dujshebaev (24.), Beciri (41.))

Siebenmeter: THW: 5/5 / Celje: 5/4 (Landin pariert Marguc (6.))

Spielfilm: 1:0, 2:1 (3.), 5:2 (8.), 6:3, 7:4 (12.), 7:7 (16.), 8:8, 11:8 (20.), 11:10 (23.), 13:10 (25.), 14:11 (27.), 14:14 (29.), 15:14;
16:15 (32.), 16:16, 18:17 (38.), 20:17 (40.), 20:19 (42.), 21:21 (45.), 22:21, 22:23 (49.), 23:23, 23:26 (54.), 24:27 (55.), 25:28 (58.), 26:29.

Zuschauer: 8.700 (Sparkassen-Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Glückwunsch an Celje, sie haben es verdient, dieses Spiel gewonnen zu haben. Celje hat sehr wenig Fehler gemacht, wir hingegen sehr viele. Außerdem haben wir zu oft die falschen Entscheidungen getroffen, zu viel verworfen, zu viele Fehlpässe produziert. Außerdem hatten wir heute auch große Probleme in unserer Abwehr, weswegen auch unsere Torhüter nicht wie gewohnt ins Spiel kamen.

Celjes Trainer Branko Tamse: Ich habe noch gar nicht realisiert, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Wir hatten eine Menge verletzter Spieler und haben wenig trainieren können. Ich habe heute mit dem jüngsten Team in der Geschichte des Clubs spielen lassen, es war ein hartes Match. Aber wir haben es immer wieder geschafft, nach Rückständen zurück zu kommen. Als wir am Ende in Führung lagen, haben wir es geschafft, zum ersten Mal überhaupt in Kiel zu gewinnen.

THW-Kapitän Niklas Landin: Wir haben viel zu viele Fehler gemacht. Das heute war eines unserer schlechtesten Spiele in dieser Saison.

Celjes Kreisläufer Igor Anic: Ich freue mich für meine Mannschaft und bin sehr stolz auf dieses junge Team. Einige meiner Mitspieler sind gerade einmal 17, und ich weiß, was ihnen ein Sieg in Kiel bedeutet. Auch für mich ist dieser sehr besonders, weil ich hier in Kiel die beste Zeit meines Lebens hatte. Wir haben heute gegen den besten Club der Welt Geschichte für Celje geschrieben.

 

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