KN: THW vs. SG: Es ist wieder Derbyzeit

Champions League
Samstag, 14.10.2017 // 12:30 Uhr

Kiel. Das Bundesliga-Spiel gegen Göppingen abgehakt, voller Fokus auf Flensburg: Am Sonntag (18.30 Uhr, Gegnervorstellung im Vorbericht) empfängt der THW Kiel in der Handball-Champions-League die SG Flensburg-Handewitt zum ersten Landesderby der Saison. Für einige Protagonisten ist das ein neues Gefühl - abgesehen vom Testspiel in der Saisonvorbereitung -, für andere gewohnte, aber nicht weniger prickelnde Emotion. Allen aber ist klar: Das ist kein Spiel wie jedes andere.

Zebras in der Königsklasse gegen Flensburg

"Wir freuen uns auf das Spiel, auf eine volle Halle und eine tolle Atmosphäre wie bei jedem Derby", sagt Alfred Gislason. Dann ist es beim THW-Coach aber auch wieder vorbei mit der - für isländische Verhältnisse - Gefühlsduselei. "Wir brauchen mindestens die gleiche Leistung wie in Veszprém, um gegen Flensburg bestehen zu können." Rumms. Ein klarer Auftrag an die Mannschaft, die gegen Göppingen ihren Aufwärtstrend zwar insgesamt bestätigte, sich aber mit Problemen plagte und nicht vollends überzeugen konnte. "Flensburg wird ein ganz anderes Spiel", sagt Nikola Bilyk, mit 20 Lenzen nach der vergangenen Spielzeit und fünf Duellen schon ein alter Derby-Hase. "Das wird heißer, intensiver, härter. Wir müssen auf jeden Fall besser in die Partie starten als am Donnerstag" fügte der Österreicher hinzu, dem sein Coach bescheinigte, "schwer im Kommen" zu sein.

Der Blick auf die Tabelle der Champions-League-Gruppe B offenbart den vielleicht schon vorentscheidenden Charakter des Prestigeduells. Der THW rangiert nach vier Spielen auf dem vorletzten Platz, drei Punkte hinter der SG. Bei einer Niederlage wären es demnach fünf - die Kieler Karten für eine gute Ausgangsposition für das Achtelfinale nochmals schlechter. Zumal die punktgleichen Teams aus Aalborg und Celje den Kampf um die Runde der letzten 16 längst nicht aufgegeben haben. "Ich denke nicht viel über das Achtelfinale oder sogar das Final Four nach. Wir müssen unsere Spiele jetzt gewinnen und sehen, wofür das reicht", sagte THW-Kreisläufer René Toft Hansen. "Auch wenn es schwer ist: Wir dürfen nicht auf die Tabelle schauen."

Also weg von der Tabelle, hin zur Derby-Emotion. "Ein Derby ist immer besonders. Und noch besonderer ist das erste der Saison", sagt THW-Linkshänder Marko Vujin. "Wir müssen unsere Sache richtig gut machen, kämpfen und stark spielen." Die letzten Spiele, auch der teilweise rumpelige Erfolg gegen Frisch Auf sei gut für das Selbstvertrauen gewesen. "Wir sind viel besser in Tritt als noch vor ein paar Wochen. Wir sind immer noch in einer schwierigen Situation, aber ich habe schon oft zu den Jungs gesagt: Von hier aus können wir eine große Serie starten", erklärte der Serbe weiter.

Für eine große Serie braucht es große Siege in großen Spielen, das Derby bietet die perfekte Gelegenheit. "Am Abend schließt man langsam mit dem Bundesliga-Spiel ab, dann kommt die Vorfreude auf das Derby", sagte Ole Rahmel direkt nach dem Spiel am Donnerstag. Der Neuzugang erklärte, sich (natürlich) schon vor seiner Ankunft in Kiel mit Spielen wie dem Landesderby beschäftigt zu haben. "THW gegen SG ist eins der Spiele, die du in anderen Vereinen einfach nicht hast, das ist die Mutter aller Derbys", sagte der auf Norderney aufgewachsene Rechtsaußen. "Dafür musst du halt in Flensburg oder Kiel spielen - und ich spiele lieber in Kiel."

(Von Niklas schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 14.10.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

KN-Interview: Machulla: "Der THW Kiel ist immer der THW Kiel"

Kiel/Flensburg. Seit Saisonbeginn ist Maik Machulla Cheftrainer bei der SG Flensburg-Handewitt. Drei Fragen an den 40-jährigen Nachfolger von Ljubomir Vranjes.

Herr Machulla, Sie werden am Sonntag erstmals als Trainer bei einem Derby auf der Bank sitzen. Wie ist Ihr Gefühl?
Maik Machulla: Das ist ein tolles Gefühl, ich freue mich darauf. Es ist nochmal etwas anderes, in der Hauptverantwortung zu stehen, und darauf bin ich auch ein bisschen stolz.

Was macht das Derby zwischen Kiel und Flensburg so besonders?
Es ist einzigartig, dass zwei Klubs, zwischen denen eine so geringe räumliche Distanz liegt, konstant in der Weltspitze spielen. Die Rivalität ist daher groß, aber es ist auch immer fair – auch wenn man sich in den Spielen gegeneinander nichts schenkt. Es wird im Vorfeld immer viel über die Derbys geredet, die öffentliche Aufmerksamkeit ist sehr groß, auch das macht sie ganz besonders.

Ist dieses Derby anders, weil sowohl der THW als auch Sie schon einige Punkte verloren haben?
Nein, das glaube ich nicht. Der THW Kiel ist immer der THW Kiel - egal, wie die Leistungen in den Spielen vorher waren. Ihre Kurve zeigt nach oben, wir müssen in allen Mannschaftsteilen Top-Leistung bringen, um etwas mitzunehmen. Uns fehlt noch etwas die Konstanz. Dieses Spiel wird über Emotionen und Aggressivität entschieden, dafür müssen wir bereit sein.

(Aus den Kieler Nachrichten vom 14.10.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

 

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