Zebras verlieren nach großartigem Kampf in Veszprem

Champions League
Sonntag, 08.10.2017 // 18:56 Uhr

Nach einem bravourösen und selbstbewussten Kampf hat es am Ende für den THW Kiel beim Tabellenführer Telekom Veszprem nicht zu einem Sieg gereicht: Im Veszpremer Hexenkessel hielten die Kieler lange mit dem ungarischen Starensemble mit und gingen sogar mit einer 15:12-Führung in die Kabine. Am Ende reichten die Kräfte gegen den seit mehr als acht Monaten zu Hause ungeschlagenen Tabellenführer der "VELUX EHF Champions League"-Gruppe B dann nicht mehr, und die erfahrenen Gastgeber jubelten gemeinsam mit mehr als 5.000 frenetischen Fans über einen hart erkämpften 26:24 (12:15)-Erfolg gegen den THW Kiel. Trotz der Niederlage können die "Zebras", die in Ungarn von einem überragenden, achtfachen Torschützen Steffen Weinhold angeführt wurden, aber viel Positives aus der Partie mit in die kommenden Partien nehmen.

THW beginnt mit viel Tempo

Die Kieler waren als Außenseiter zum ungeschlagenen Tabellenführer der Gruppe B in der VELUX EHF Champions League gereist, fingen aber um einiges konzentrierter und gewissenhafter an als in den vergangenen Spielen. Vor allem Steffen Weinhold drückte der Partie seinen Stempel auf. Der Rückraumrechte traf in der 6. Minute humor- und ansatzlos zum 4:2, kurz darauf hielt Andreas Wolff einen freien Wurf von Veszprems Kreisläufer Andreas Nilsson. Im Gegenzug erhöhte Christian Dissinger die Führung auf 5:2. Das Duell Wolff gegen Nilsson entschied der Kieler Schlussmann klar für sich, der Schwede kam bis zum Schlusspfiff mit keinem Wurf am Kieler Torhüter vorbei, ebenso wenig am später eingewechselten Niklas Landin.

Zebras vier Tore vorn

Bereits nach etwas mehr als neun Minuten - und vier Toren Rückstand - nahm Veszprems Trainer Ljubomir Vranjes eine erste Auszeit, doch blieben die Bemühungen der Ungarn erst einmal vergebens. Erst tankte Miha Zarabec sich beherzt durch die im weiteren Verlauf immer stärker zupackende Abwehr, kurz darauf vergab der ungarische Superstar Laszlo Nagy gegen Andreas Wolff (13. Minute). In der 16 .Minute schalteten die Kieler nach einem Stürmerfoul vom Ex-Zebra Momir Ilic an Rene Toft Hansen schnell um, und Nikola Bilyk versenkte den Gegenstoß zum 10:6 aus Kieler Sicht. Allerdings nahmen die beiden russischen Referees im kompletten Spiel durch ihre Auslegung der Stürmerfoul-Regelung viel Schwung aus diesem sehenswerten Duell auf Augenhöhe. 

Kieler Führung zur Pause

Die Ungarn kamen nun aber besser in die Begegnung herein, stellten sich mit ihrer zupackenden Abwehr den Kieler Angriffen mit Erfolg entgegen. In der 20. Minute zirkelte Gasper Marguc den Ball von Rechtsaußen an Wolff vorbei ins Tor und brachte sein Team damit zum 10:10-Ausgleich. Doch die "Zebras" ließen sich davon keinesfalls verunsichern. Sie hielten voll dagegen, erarbeiteten sich mit ihrem leidenschaftlichen Einsatz wieder Vorteile und zogen zur Pause auf 15:12 davon. Die letzte Aktion im ersten Durchgang brachte den THW-Fans in Veszprem und vor den Fernsehern einen kleinen Schockmoment: Kreisläufer Patrick Wiencek war vor seinem Treffer zum Pausenstand von der Veszpremer Abwehr ordentlich in die Mangel genommen worden und blieb mit blutender Nase liegen. Nach einer kurzen Behandlung auf dem Feld richtete sich Wiencek wieder auf, streckte als Symbol für den Kampfgeist des gesamten THW-Teams den Daumen hoch.

Veszprem legt vor - Kiel legt nach

Zeigten sich in der ersten Halbzeit Veszprems Rückraumspieler als die Haupt-Torschützen, so waren es im zweiten Durchgang die Außen, die sich gegen die sonst stark agierende Kieler Abwehr durchsetzen konnten. Vor allem Linksaußen Dejan Manaskov bewies sich besonders treffsicher, am Ende konnte sich schnelle Mazedonier vier Mal in die Torschützenliste eintragen. Die Zebras kamen zunächst schwer wieder aus der Kabine: Nach 33 Minuten glich Veszprem zum 15:15 aus, doch die Kieler ließen sich davon nicht verunsichern und auch durch den ohrenbetäubenden Lärm der Veszpremer Anhänger nicht aus dem Konzept bringen. Die Ungarn legten nach der 17:16-Führung des THW (36.) aber vor, doch der THW zog nach: Zarabec traf zum 20:20 (44.), der überragende Steffen Weinhold netzte zum 23:23 (56.) ein.  

Zebras unterliegen knapp

Mit ihrem selbstbewussten Spiel brachten die Kieler den Favoriten an den Rand einer Niederlage. Dass es letztlich nicht zum Happyend reichte, war zum einen der großen Abgezocktheit der Gastgeber geschuldet. Auf der anderen Seite machten die Zebras unter dem Dauerdruck der Gastgeber und ihrer Fans nun einige Flüchtigkeitsfehler - eine Drei-Tore-Führung von Veszprem war die Folge. Als Niclas Ekberg beim Stand von 23:25 mit dem einzigen Kieler Strafwurf scheiterte, war die Partie entschieden. Doch auch angesichts der dritten Niederlage im vierten Gruppenspiel gaben die Zebras nicht auf, verkürzten durch Wiencek noch einmal zum 24:26-Endstand. Am Ende hatten sie sich für einen couragierten Auftritt beim Titelaspiranten nicht belohnt, dürften aber aus diesem Spiel einiges an Selbstbewusstsein für die kommenden Aufgaben mit nach Hause nehmen.

Zwei Heimspiele stehen an: Göppingen und Flensburg

Am Montag kehren die "Zebras" von der bisher längsten Auswärtstour der Saison zurück nach Kiel. Dann bleiben ihnen noch drei Tage, um sich auf die kommenden Heim-Aufgaben vorzubereiten. Am Donnerstag empfängt der Rekordmeister den Altmeister Frisch Auf! Göppingen zum Duell in der Sparkassen-Arena, für die Partie gibt es noch Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter der Hotline 01806 30 02 34 (0,20 Euro/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 Euro/Anruf aus dem deutschen Mobilfunknetz) und im Online-Ticket-Shop des THW Kiel. Die Göppinger sind unter ihrem neuen Trainer Dr. Rolf Brack wieder auf Kurs, rangen zuletzt der SG Flensburg-Handewitt, am kommenden Sonntag nächster Königsklassen-Gegner der Zebras (jetzt noch Tickets sichern!), ein Unentschieden ab. Weiter geht's mit zwei schweren Heimspielen, Kiel!

Statistik:VELUX EHF Champions League, 4. Spieltag: Telekom Veszprem - THW Kiel: 26:24 (12:15)

Telekom Veszprem: Mikler (17.-60., 9 Paraden), Alilovic ( (1.-16., 2 Paraden); Manaskov (4), Schuch, Ilic (6), Gajic (4), Tönnesen, Nilsson, Nagy (3), Ugalde, Marguc (1), Terzic, Blagotinsek, Sulic (2), Jamali (1); Lekai (5) Trainer: Vranjes

THW Kiel: Landin (41.-60. und 1 Siebenmeter, 6/1 Paraden), Wolff (1.-40, 11 Paraden); Firnhaber (n.e.), Toft Hansen, Weinhold (8), Dissinger, (1), Wiencek (3), Ekberg (3), Zeitz, Frend Öfors, Rahmel, Dahmke, Zarabec (3), Vujin (1), Bilyk (3), Nilsson (2); Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Evgeny Zotin / Nikolay Volodkov (RUS)
Zeitstrafen: Veszprem: 3 (2x Terzic (34.,44.), Blagotinsek (43.)) / THW: 1 (Nilsson (43.))
Siebenmeter: Veszprem 2/1 (Landin hält Ilic (22.)) / THW: 1/0 (Ekberg scheitert (59.))
Spielfilm: 0:1 (2.), 2:3 (5.), 3:7 (9.), 5:9 (14.), 9:10 (20.), 10:10 (24.), 10:12 (26.), 12:12 (28.), 12:15;
14:15 (32.), 15:15 (33.), 15:16 (34.), 16:17 (36.), 18:17 (38.), 20:20, 21:20 (45.), 23:21 (53.), 23:23 (56.) 25:23 (58.), 26:23, 25:24 (60.)
Zuschauer: 5.019 (ausverkauf) (Veszprem-Arena, Veszprem (HUN)

Stimmen zum Spiel:

THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: Insgesamt war das ein starker Auftritt. Schade, dass es für uns nicht für etwas Zählbares in Veszprem gereicht hat. Aber auf dieser Leistung kann man aufbauen. Kleinigkeiten haben am Ende gegen diesen abgezockten Gegner entschieden.

Alfred Gislason, THW-Trainer, in den KN: Die Mannschaft hat zusammen gekämpft, Andi war in der ersten Halbzeit sehr gut, die Deckung auch. Leider konnten wir nach der Pause aus dem linken Rückraum keinen Druck mehr entwickeln. Verwandelt Niclas den Siebenmeter in der Schlussphase, wäre Veszprém noch einmal richtig unter Druck.

Ljubomir Vranjes, Veszprém-Coach, in den KN: Diese Punkte in der eigenen Halle sind wichtig, denn in der Champions League schlägt man keinen Gegner so einfach. Natürlich hat der THW zwei der besten Torhüter der Welt, aber 17 Fehlwürfe sind zu viel. Wir hatten 60 Minuten lang Probleme mit Steffen Weinhold.

Momir Ilic, Ex-Zebra von Telekom Veszprém, in den KN: Heute haben Kleinigkeiten entschieden, zum Beispiel der verworfene Siebenmeter am Ende. Aber ich wusste, dass der THW bald wieder erstarken würde, weiß, wie in Kiel gearbeitet wird. Darum war ich vor dem Spiel etwas ängstlich.

 

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