KN: Zebras fliegen ins Viertelfinale

Champions League
Montag, 02.04.2018 // 14:23 Uhr

Szeged. Schon im offiziellen EHF-Vorschauheft zum Achtelfinalrückspiel war von "Szegeds Nemesis" die Rede. Und der THW Kiel entpuppte sich erneut als größter Albtraum der Pick-Handballer: Zum dritten Mal in den letzten vier Spielzeiten schalteten die Zebras die Ungarn in der K.o.-Runde der Champions League aus. Am Ostersonntag verlor der THW zwar mit 27:28 (13:12, siehe THW-Spielbericht), nach dem 29:22 im Hinspiel aber zogen die Zebras ins Viertelfinale ein.

Die wohl schönste Niederlage der Saison

Die 3200-Zuschauer-Hölle "Városi Sportscarnok" in Szeged lieferte diesem K.o.-Spiel von Beginn an einen mehr als passenden Rahmen, eine "geile Atmosphäre", wie THW-Trainer Alfred Gislason nach der Partie schwärmte. In diesem ohrenbetäubenden Hexenkessel ließ sich das Kieler Spiel gut an. Torhüter Niklas Landin war sofort da, parierte hinter einer beweglichen 6:0-Deckung mit Patrick Wiencek und Domagoj Duvnjak im Mittelblock stark. In der Offensive nahm THW-Spielmacher Miha Zarabec das Zepter in die Hand (Gislason: "Er hat das Spiel sehr gut geleitet") und setzte seine Nebenleute gekonnt in Szene.

Wiencek, mit insgesamt neun Treffern bester Torschütze und einmal mehr überragender Arbeiter auf Kieler Seite, veredelte am Kreis den ersten Kieler Angriff, doch Szeged konnte sich erstmals absetzen. Marko Vujin scheiterte per Siebenmeter an Marin Sego, wenig später leuchtete ein 5:2 auf der Anzeigetafel auf. So hatte Szeged sich das gedacht - aber der THW kämpfte sich zurück, nach elf Minuten traf Ole Rahmel per Tempogegenstoß zum 5:5. Dieses Hin und Her sollte exemplarisch für die gesamte Partie werden, die der THW beinahe gänzlich unter Kontrolle hatte.

Beide Teams kämpften um jeden Zentimeter, und die Zebras waren nicht bereit, auch nur einen Schritt zurückzuweichen, nach 20 Minuten stand es 9:9. Zwar schlichen sich beim THW einige kleine Probleme ein, hin und wieder fehlte die zündende Idee gegen eine sehr offensive Deckung der Ungarn. Doch auch ein 9:11- und 10:12-Rückstand brachte die Zebras nicht aus dem Konzept. Der starke Nikola Bilyk setzte Einläufer Ole Rahmel perfekt am Kreis in Szene - 11:12 (28.). Mit seinem vierten Tor erzielte Vujin gar die 13:12-Halbzeitführung.

Nach einer kurzen hektischen Phase mit drei Zeitstrafen innerhalb von vier Minuten (Duvnjak, Banhidi, Bilyk) legte Szeged wieder vor, nach dem 19:17 (38.) witterten die Ungarn ihre Chance. Gislason reagierte mit einer Auszeit, Bilyk anschließend mit einer Zehn-Meter-Granate nach dem letzten Pass im angezeigten Zeitspiel zum 18:19. Kurz darauf lag Szeged wieder drei Tore vorn (21:18/42.). Ein Ende des Hin und Her war nicht in Sicht.

In den entscheidenden Momenten war der THW einfach voll da: Lukas Nilsson auf Bilyk am Kreis - 20:21 (44.), Nilsson fängt einen langen Ball ab, Wiencek trifft im Gegenstoß - 23:24 (49.), Zarabec mit toller Einzelaktion - 24:25 (51.). Eine kurze Schrecksekunde gab es für die Kieler nur noch, als Torhüter Landin mit dem zum Kempatrick eingesprungenen Srsen zusammenstieß. Der Däne konnte trotz Kieferschmerzen weitermachen und hatte das Tor mit einer seiner insgesamt 16 Paraden verhindert; Wiencek machte mit dem 25:25 (53.) alles klar.

Da hatte sich auch bei den frenetischsten Pick-Fans im Ultra-Block K die Erkenntnis durchgesetzt, dass für ihr Team hier nichts mehr ging. Der aufopferungsvolle Kampf bescherte Szeged immerhin einen Sieg, der THW aber buchte mit dem 27:28 das Viertelfinale gegen Titelverteidiger Vardar Skopje. Kein Wunder, dass Coach Gislason rundum zufrieden war. "Die Abwehr war sehr gut, Patrick Wiencek war phänomenal. Nikola Bilyk hat stark gespielt, und Marko Vujin hat nicht nur sechs Tore geworfen, sondern auch tolle Assists gegeben", hob er einige Eckpfeiler des Erfolges heraus. Und fasste dann zusammen: "Das war eine wirklich starke Leistung von allen."

Das Viertelfinalhinspiel in Kiel gegen den HC Vardar aus Skopje findet am 21./22. April statt, der Vorverkauf läuft seit Ostermontag online und ab heute an allen bekannten Vorverkaufsstellen (z. B. KN-Kundenhalle). Das Rückspiel in Mazedonien steigt eine Woche später.

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 03.04.2018, Foto: Sascha Klahn)

Stimmen zum Spiel - aus den Kieler Nachrichten:

Alfred Gislason, THW-Trainer, in den KN: Es war ein schwieriges Spiel. Wir hatten einige Momente, in denen wir ein bisschen unsere Nerven verloren haben. Wir konnten uns aber im ganzen Spiel auf Niklas Landin verlassen, der toll gehalten hat. Wir wussten, was in dieser Halle auf uns zukommt, das war eine ganz starke Leistung meiner Mannschaft, vor allem eine starke Charakterleistung.

Juan Carlos Pastor, Pick-Trainer, in den KN: Glückwunsch an Kiel, der Einzug ins Viertelfinale ist verdient. Wir haben mit neuen Formationen experimentiert, etwa mit dem siebten Feldspieler, aber es hat nicht funktioniert. Kiel hat sehr effektiv gespielt, Niklas Landin war der Matchwinner. Es steckt einfach in der Kieler DNA, jedes Spiel zu gewinnen, das müssen wir in Zukunft auch verinnerlichen.

Niklas Landin, THW-Torhüter, in den KN: Wir hatten uns vorgenommen, dieses Spiel zu gewinnen und nicht über das Gesamtergebnis nachzudenken. Es gab kleine Phasen, in denen wir ein paar Fehler gemacht haben, aber wir sind immer zurückgekommen. Das war ganz stark von unserer jungen Mannschaft, auch in dieser hitzigen Atmosphäre. Daher bin ich bin sehr zufrieden.

Stefan Sigurmansson, Pick-Linksaußen, in den KN: Wir haben in Kiel einfach schlecht gespielt, da lag das Problem, der Rückstand war zu groß. Heute haben wir gut gekämpft, aber insgesamt war der THW in zwei Spielen einfach besser als wir. Wir haben alles probiert, aber letztendlich hatten wir keine Chance, mehr als die drei Tore, die es zwischendurch waren, herauszuwerfen.

Steffen Weinhold, THW-Linkshänder, in den KN: Es war ein Hin und Her, aber es waren ja nie mehr als minus drei Tore. In manchen Phasen wollten wir ein schnelles Tor machen, haben aber gute Chancen liegengelassen – dann bist du im Rückzugsverhalten ungeordnet. Das ist uns ein, zwei Mal zu viel passiert. In der zweiten Hälfte haben wir ein bisschen Tempo rausgenommen, um kontrollierter zu spielen.

 

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