31:28 gegen Aalborg: Zebras eilen mit viel Tempo zum Sieg

Champions League
Donnerstag, 18.11.2021 // 20:49 Uhr

Tempo, Klasse, Spannung - das EHF Champions League-Spitzenspiel zwischen dem Deutschen Meister THW Kiel und dem dänischen Titelträger Aalborg Handbold hielt, was es versprochen hatte. Am Ende von 60 intensiven Minuten gewannen die Zebras am Donnerstagabend in der Kieler Wunderino Arena vor 6233 begeisterten Fans verdient mit 31:28 (17:14) und schlossen damit in der extrem ausgeglichenen Gruppe A mit 11:3 Punkten zu Spitzenreiter Montpellier HB. Beste Kieler Torschützen waren der hinten wie vorn überragende Hendrik Pekeler und der sichere Niclas Ekberg mit jeweils sieben Treffern. Sander Sagosen, der über weite Strecken der Partie stark Regie führte, traf sechsmal. Für die Gäste war Linksaußen Buster Juul-Lassen 8/6 Mal erfolgreich.

Ekberg und Landin machen den Deckel drauf

Kapitän Duvnjak beglückwünschte Hendrik Pekeler zu seiner überragenden Vorstellung

200 Fans waren dem dänischen Meister nach Kiel gefolgt, durften auch bis kurz vor dem Abpfiff der beiden kroatischen Unparteiischen Matija Gubica und Boris Milosevic nach einer zwischenzeitlichen Kieler Sechs-Tore-Führung tatsächlich noch auf Zählbares hoffen. Die letzten Minuten standen beim engen Stand von 28:27 (55.) dann aber ganz im Zeichen zweier Skandinavier im weißen Kieler Dress - beide mit dem Vornahmen Nic(k)las: Rechtsaußen Ekberg und Torhüter Landin. Nachdem Sander Sagosen zum 29:27 getroffen hatte, parierte Landin grandios gegen den völlig frei vor ihm auftauchenden Kristian Björnsen, im Gegenzug traf Ekberg nervenstark von der Rechtsaußenposition zum 30:27. Das riss die Zuschauer von den Sitzen! Die Vor-Entscheidung in einem hochklassigen Spitzenspiel fiel also erst nach 56 Minuten.

Aalborgs Trainer lobt "super Atmosphäre"

Tempo machen - auch wenn's weh tut: Steffen Weinhold

Dann war Landin zweimal in Folge gegen Buster Juul-Lassen und den ehemaligen Kieler Aron Palmarsson zur Stelle, und nachdem Juul-Lassen die Dänen dann auf 28:30 herangebracht hatte, die Aalborger in Zeitnot eine Wurffalle für Kiels schwedischen Rechtsaußen zimmerten, nutzte Ekberg diese Chance eiskalt, schmetterte den Ball ins linke obere Eck: die endgültige Entscheidung, die Fans in Schwarz-Weiß waren total begeistert. "Großartig", befand später selbst Aalborgs Trainer Stefan Madsen, "die Kieler Fans haben für eine super Atmosphäre gesorgt."

Couragierte Leistung der Zebras

Dieses Spitzenspiel war kein Zuckerschlecken: Nikola Bilyk traf zweimal

Aalborg ist vielen Menschen ein Begriff durch das "Wasser des Lebens" geworden, besser bekannt als Aalborger Aquavit. Die viertgrößte Stadt Dänemarks befindet sich allerdings auf bestem Wege, auch in der Handball-Welt eine bedeutende Marke zu werden, hat sich in den vergangenen Spielzeiten enorm verstärkt und schaffte schon beim vergangenen EHF Final4 den Einzug ins Finale. Berauschend war die Leistung der Skandinavien-Auswahl von Trainer Stefan Madsen am Donnerstag allerdings nur phasenweise. Was vor allem an der couragierten Leistung der Zebras lag, die zuletzt in der Liga Schritt für Schritt in die Spur zurückgefunden haben, jetzt auch in der Königsklasse gewohnte Klasse zeigten und über weite Strecken überzeugten. 

Zeitstrafen-Festival in einem fairen Spiel

Führte überragend Regie und traf sechsmal: Sander Sagosen

Doch von Beginn an: Die Abwehr mit dem Mittelblock Patrick Wiencek/Hendrik Pekeler packte entschlossen zu, ließ sich zu Beginn auch nicht durch die kleinlichen Pfiffe des kroatischen Schiri-Gespannes Gubica/Milosevic verwirren, die bereits nach 15 Minuten die fünfte Zeitstrafe gegen die Zebras verhängt hatten - zumeist wegen kaum wahrnehmbaren Haltens. Für die eine oder andere Zeitstrafe ernteten die Schiedsrichter daher nur Kopfschütteln, für andere laute Pfiffe des Kieler Publikums. Die schnelle 2:0-Gästeführung steckte das Team von Trainer Filip Jicha problemlos weg, machte aus dem 2:4, das Jakobsen in der 6. Minute erzielte, innerhalb von 90 Sekunden ein eigenes 5:4. Für den 3:0-Lauf waren Hendrik Pekeler, Sander Sagosen und Niclas Ekberg verantwortlich. Kiels erste Zwei-Tore-Führung erzielten dann Sagosen nach starkem Wackler und Steffen Weinhold, der einen Stemmer an Aalborgs bis dahin starkem Torhüter Simon Gade vorbei zum 7:5 ins Netz schmetterte. 

Starker Kieler Schlussspurt

An Domagoj Duvnjak war auch für Ex-Zebra Aron Palmarsson kein Vorbeikommen

Doch die Gäste blieben dran, vertrauten auf eine bewegliche Abwehr, die eine feste Stütze allerdings schon nach zwei Minuten verlor: Abwehrchef Rene Antonsen knickte bei seiner ersten spektakulären Aktion im eigenen Kreis um, hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den rechten Knöchel, humpelte in den Armen zweier Kameraden in die Kabine und wurde von THW-Mannschaftsarzt Dr. Detlev Brandecker versorgt. Die Partie war für ihn allerdings beendet. Von den Zuschauerrängen sah er schließlich einen THW, der ab der 20. Minute sein Spiel fand. In der Abwehr, angeführt von seinem überragenden Kapitän Domagoj Duvnjak, wurden die Grundlagen gelegt, und mit einem 3:0-Lauf von 10:11 auf 13:11 gestellt. Ein weiteres 3:0 durch Ekberg, Sagosen und Harald Reinkind ließ die Zebras bis zur 29. Minute auf 16:12 enteilen, mit 17:14 wurden die Seiten gewechselt. Nur drei Gegentore in acht Minuten hatten das Pendel in Richtung Schwarz-Weiß ausschlagen lassen.

Spannung in der Schlussphase

Gut gelaunt: Niclas Ekberg

Den Schwung der letzten Minuten aus der ersten Halbzeit nahmen die Zebras dann auch mit in die zweite Hälfte, setzten sich durch Magnus Landin und Duvnjak auf 19:14 ab. Es ging es hin und her, zumeist mit Vorteilen für den THW. Steffen Weinhold traf in der 44. Minute zum 25:19 - die erste Sechs-Tore-Führung. Als Hendrik Pekeler eine blitzschnelle Ballstafette dann sechs Minuten später zum 28:22 verwandelte, wurden auf den Rängen gefeiert. Doch die Dänen blieben hellwach, nutzten THW-Fehler und unglückliche Holztreffer entschlossen aus und sorgten mit einem 5:0-Lauf zum 27:28 in der 55. Minute doch noch einmal für Spannung. Dann kam die Schlussphase mit den Antworten des THW-Duos Niklas Landin und Niclas Ekberg - Jubel nach einem intensiven Match und einem ganz wichtigen Sieg.

Schweres Auswärtsspiel in Göppingen

Vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch in Aalborg (18:45 Uhr, live bei DAZN und im Free-TV bei ServusTV Deutschland), bei dem der THW Kiel von rund 250 schwarz-weißen Fans unterstützt werden wird, steht für die Zebras die ebenso schwere Reise nach Göppingen an: Am Sonntag empfängt Frisch Auf! den Rekordmeister zum Kampf um eminent wichtige Punkte in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga. Die Gastgeber, die auf die akustische Unterstützung der "Hölle Süd" genannten EWS Arena bauen, sind auch in dieser Saison extrem heimstark und rangen unter anderem der SG Flensburg-Handewitt einen Zähler ab. Anpfiff für die Partie in Süddeutschland ist am Sonntag um 16 Uhr, Sky überträgt wie gewohnt live. Weiter geht's in Göppingen, Kiel!

EHF Champions League, 7. Spieltag: THW Kiel - Aalborg Handbold: 31:28 (17:14)

THW Kiel: Landin (1.-60., 15 Paraden), Quenstedt (3 Siebenmeter, 1/1 Parade); Ehrig (n.e.), Duvnjak (1), Sagosen (6), Reinkind (1), M. Landin (3), Weinhold (3), Wiencek, Ekberg (7/3), Ciudad (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec, Horak, Bilyk (2), Pekeler (7); Trainer: Jicha
Aalborg Handbold: Gade (1.-43., 8 Paraden), Aggefors (43.-60., 4 Paraden, 1 Tor); Jakobsen (3), Samuelsson, Palmarsson (2), Barthold (2), Claar (4), Sandell (3), Laesö, Hermansen, Holst Jensen, Larsen, Björnsen (3), Möllgaard (3), Antonsen, Juul-Lassen (8/6); Trainer: Madsen 

Schiedsrichter: Matija Gubica / Boris Milosevic (CRO)
Zeitstrafen: THW: 6 (Wiencek (4.), Pekeler (7.), Zarabec (13.), Duvnjak (15.), Sagosen (16.), Reinkind (50.)) / Aalborg: 6 (Antonsen (2.), Laesö (13.), Björnsen (29.), Claar (46.), Möllgaard (53.), Sandell (55.))
Siebenmeter: THW: 3/3 / Aalborg: 7/6 (Quenstedt hält Juul-Lassen (35.), der den Nachwurf verwandelt)
Spielfilm: 0:2 (2.), 2:4 (5.), 5:4 (7.), 5:5, 7:5 (10.), 7:7 (13.), 8:9 (18.), 10:11 (22.), 13:11 (25.), 16:12 (28.), 17:14;
19:14 (33.), 20:15, 20:17 (36.), 22:19 (40.), 25:19 (43.), 28:22 (49.), 28:27 (55.), 30:27 (56.), 31:28.
Zuschauer: 6233 (Wunderino Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel

THW-Trainer Filip Jicha: Wir sind sehr zufrieden, dass wir dieses wichtige Spiel gewonnen haben. Meine Spieler haben in den letzten Wochen überragend gearbeitet im Training, heute haben wir es geschafft, dass auch auf das Spielfeld zu übertragen. Natürlich haben wir auch viele einfache Fehler gemacht, aber das ist bei diesem Tempo, mit dem wir heute gespielt haben, auch vollkommen normal. Aber wir haben zusammengearbeitet, und hinter der Abwehr stand ein starker Niklas Landin. Das heute war insgesamt ein EHF Champions League-Spitzenspiel auf dem höchsten Level - und Aalborg war ein richtig starker Gegner. Jetzt freue ich mich auf unsere nächsten Herausforderungen und darauf, die Aalborger schon nächste Woche wiederzusehen. Mein Dank gilt heute jedem einzelnen Zuschauer, der in der Halle war!

Aalborgs Trainer Stefan Madsen: Glückwunsch an den THW Kiel zu diesem verdienten Sieg. Kiel hat sehr gut gespielt. Und nach einer schwierigen Phase ist der THW Kiel wieder zurück in der Spur. Wir hatten darauf gehofft, heute die zwei Punkte mitzunehmen. Ich bin enttäuscht, dass das nicht geklappt hat. Auch, weil wir die Chance zum Sieg hatten. Aber wenn du in Kiel gewinnen willst, musst du im Angriff effektiver sein. Wir hatten heute große Probleme, den Ball an Niklas Landin vorbeizubringen. Aber ich bin froh, dass wir uns schon in ein paar Tagen wiedersehen. 

THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg: Das war heute ein sehr wichtiges Spiel - auch aus psychologischer Sicht. Wir haben heute sehr solide gespielt, auch wenn wir ein paar Fehler gemacht haben. Aber auf diesem Hochgeschwindigkeits-Level ist das auch nicht ungewöhnlich. Diese zwei Punkte zu holen war großartig! 

Aalborgs Kreisläufer Benjamin Jakobsen: Nach dem Geisterspiel im vergangenen Jahr war es heute eine große Freude, wieder vor Zuschauern hier zu spielen. Wir waren heute schnell in einer schwierigen Situation - vor allem in der Abwehr, nachdem Jesper Nielsen krank zu Hause bleiben musste und Rene Antonsen früh verletzt ausschied. Aber wir haben das gelöst, haben alles versucht, was ging. Aber dann hat Niclas Landin heute auch einfach gut gespielt...