KN: Souveränes Spektakel

DHB-Pokal
Montag, 21.08.2017 // 09:24 Uhr

Spenge. Mit zwei konzentrierten Vorstellungen und deutlichen Siegen hat sich Pokalsieger THW Kiel beim Erstrundenturnier im ostwestfälischen Spenge durchgesetzt. Nachdem am Sonnabend der gastgebende Oberligist in seinem Spiel des Jahrzehnts mit 19:36 (11:19) unterlegen war, stellte auch Zweitligist Dessau-Roßlauer HV beim 36:23 (20:12) für die Zebras auf dem Weg ins Achtelfinale keine echte Hürde dar.

THW steht im Achtelfinale

Drei Minuten vor dem Ende des Finales am Sonntag standen die rund 1000 Besucher in der Spenger Sporthalle auf, klatschten und jubelten für den THW und auch den DRHV, erfreuten sich an diesem Wochenende, an diesem Handballfest, das es in der 15 000-Einwohner-Stadt bei weitem nicht alle Tage gibt. In allen drei Spielen machte das Publikum, in das sich auch kleine Fangruppen aus Kiel und Dessau gemischt hatten, tolle Pokalstimmung. Auch die THW-Profis waren zufrieden, mit der Stimmung in der Halle und vor allem mit ihrer Leistung.

Der Finalgegner Dessau-Roßlau galt als größter möglicher Stolperstein in diesem Turnier, als körperlich starker und harter Gegner. Doch der THW ließ die Anhaltiner von Beginn an abprallen, die Kieler Deckung um den nach Augenverletzung zurückgekehrten Patrick Wiencek und Christian Dissinger im Mittelblock und verstärkt durch Routinier Christian Zeitz stand solide, war beweglich und arbeitete viel gegen die sich manchmal schier unendlich aneinander reihenden Dessauer Kreuzungen im Rückraum. Wie schon im Halbfinale gegen Spenge ließen die Zebras ihren Gegner in den ersten fünf bis zehn Minuten noch mithalten, ehe sie davonzogen. Dessau kam auch in der Folge immer mal wieder leicht heran, aber nie so richtig auf Tuchfühlung. Mit schnellen Gegenstößen und guten Kreisanspielen baute der THW seinen Vorsprung schubweise aus. Von 5:3 auf 8:3 (12.) zum Beispiel oder von 14:11 auf 20:12 in den letzten sechs Minuten der ersten Halbzeit.

Diese starke Phase kurz vor dem Seitenwechsel hatte auch Torhüter Niklas Landin mit zu verantworten, der in der 24. Minute eingewechselt wurde. Andreas Wolff, der im Halbfinale mit 21/1 Paraden eine bärenstarke Leistung gezeigt hatte, agierte im Finale etwas unglücklich - zunächst, denn als der Europameister in der 53. Minute wieder auf die Platte zurückkehrte, besserte er seine Bilanz deutlich auf, trug dazu bei, den Vorsprung bis zum Endergebnis von 36:23 weiter auszubauen. Das Wechselkonzept von THW-Coach Alfred Gislason ging nicht nur auf der Torhüterposition voll auf. Während beider Partien tauschte der Isländer sein Personal durch, gab den vier Außen in beiden Spielen jeweils eine Halbzeit, rotierte auch im Rückraum und verteilte so die Belastung zweier Spiele in zwei Tagen. Und während hinten die Abwehr gut stand, lief vorne der Kieler Angriff wie geschmiert. Viele einfache Tore über Gegenstoß und zweite Welle ebneten den insgesamt doch verhältnismäßig lockeren Weg ins Pokal-Achtelfinale, den Miha Zarabec mit dem 36:23 per Gegenstoß-Kempa-Tor auf Anspiel von Ole Rahmel irgendwie sinnbildlich abschloss.

Auch aufgrund solch toll herausgespielter Tore waren nicht nur die Kieler, sondern auch die Spenger glücklich über dieses Wochenende. Der heimische TuS nämlich hatte sich im Halbfinale gegen den Über-Goliath achtbar aus der Affäre gezogen, durfte sich über das Gislason-Lob „talentierte Truppe“ freuen und bot den 1100 Fans ein tolles Handballspiel. Doch wie Dessau im Finale musste Spenge die Kieler Überlegenheit anerkennen. „Der THW hat uns gezeigt, wie man ruhig und geduldig spielt, das können wir uns gut abgucken“, sagte Spenges Trainer Heiko Holtmann nach der Partie. Für den Amateurpokalsieger war das Abenteuer DHB-Pokal nach dem Kieler 36:19 beendet, der THW hingegen wartet gespannt die Auslosung der Achtelfinalspiele ab. Die soll nach aktueller Planung im Rahmen des Supercups in Stuttgart (Mi., 19 Uhr) stattfinden, die Partien sind für 17./18. Oktober angesetzt.

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 21.08.2017)

Stimmen zum Pokal-Wochenende

THW-Trainer Alfred Gislason: Im Pokal kann viel schiefgehen, daher mussten wir konzentriert sein. Gegen Spenge war ich sehr zufrieden, auch wenn sie uns zu oft überrascht haben. Ich habe mich sehr gefreut, dass Patrick Wiencek im Halbfinale schon wieder spielen konnte. Im Finale hatte Dessau am Anfang zu viel Respekt. Unsere Abwehr war ordentlich, in der zweiten Halbzeit noch etwas besser, und mit Niklas Landin kam auch eine gute Torhüterleistung ins Spiel. Unser Angriff lief gut.

Niclas Ekberg, THW-Rechtsaußen: Wir haben unsere Generalprobe bestanden, das waren gute Ergebnisse und ein schönes Wochenende. Die Stimmung war toll, in so einer kleinen Halle ist es immer schön, wenn es voll ist, das macht Spaß. Wir haben gut gestanden und unsere Chancen genutzt, gegen Dessau haben wir auch die meisten freien Bälle reingemacht. Der Supercup und die Saison können kommen - ein paar Kleinigkeiten fehlen natürlich noch, aber das wird immer besser.

Nikola Bilyk, THW-Rückraumspieler: Das waren gute Spiele, im Finale 13 Tore Differenz und nur 23 Tore kassiert, das ist ein gutes Ergebnis. Wir haben noch einige Sachen ausprobieren können, daher denke ich, dass wir bereit für die Saison sind. Die Belastung mit zwei Spielen in zwei Tagen war auch überschaubar, jeder hat seine Spielanteile bekommen. Und die Stimmung hier war ein gutes Warm-up für unsere Arena. Es war ein cooles Turnier in einer vollen Halle, das hat Spaß gemacht.

Uwe Jungandreas, Trainer Dessau-Roßlauer HV: Kiel war sehr konzentriert und sehr motiviert, so kommt dann das Ergebnis zustande. Wir hatten uns natürlich etwas vorgenommen, haben aber schnell gemerkt, dass heute nichts zu holen ist. Der Respekt war am Anfang zu groß, das Tempo zu gering. In der zweiten Halbzeit haben wir phasenweise gut gespielt, hinten raus konnten wir dem Druck aber einfach nicht mehr standhalten. Mit ein bisschen mehr Kaltschnäuzigkeit hätten wir ein besseres Ergebnis holen können.

Leon Prüßner, Linksaußen TuS Spenge: Das Spiel gegen den THW war cool, ein echt schönes Erlebnis, das hat man ja nicht alle Tage. Und in den ersten fünf Minuten konnten wir sogar ganz gut mithalten, aber dann hat man die Weltklasse der Kieler gesehen. Wir sind unter 20 Toren Differenz geblieben, das ist gut, aber wir wollten auch mindestens 20 Tore machen, das hat nicht geklappt – aber da steht halt auch ein Andi Wolff im Tor. Es hat in der vollen Halle Spaß gemacht, und es hat uns auch weitergebracht.

 

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