Klarer Pflichtsieg: THW mit Tempo im "kleinen" Finale

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Samstag, 19.08.2017 // 08:09 Uhr

Der THW Kiel hat sein erstes Pflichtspiel souverän gewonnen: Im DHB-Pokal besiegten die Kieler am Sonnabendabend den Oberligisten TuS Spenge im Duell des DHB-Pokalsiegers mit dem Amateur-Pokalgewinner klar mit 36:19. (19:11). Bester Torschütze vor 1.000 stimmungsvollen Zuschauern in Spenge war Niclas Ekberg mit 7/3. Im Finale des Erstrunden-Final-Fours treffen die Zebras am Sonntag (16 Uhr) auf den Dessau-Roßlauer HV. Der Zweitligist hatte sich gegen den VfL Potsdam klar mit 35:24 (18:12) durchgesetzt.

Spiel nach 15 Minuten entschieden

Auch in Spenge konnte sich der THW auf die Unterstützung seiner Fans verlassen

Als "Spiel des Jahrzehnts" hatten die Spenger die Partie gegen den Rekord-Pokalsieger tituliert - und so freute sich die handballverrückte Gemeinde riesig über den Besuch aus Kiel. Das bekamen die "Zebras" schon bei der Begrüßung zu spüren, als sie beinahe so euphorisch wie die Gastgeber bejubelt wurde. Eine klasse Pokalstimmung, der beide Mannschaften ein munteres Spiel folgen ließen. THW-Trainer Alfred Gislason begann zunächst nur mit einem Neuzugang, Miha Zarabec wirbelte von Beginn an. Das Ziel, einmal gegen den THW in Führung gehen zu können, erreichte der Amateur-Pokalsieger nicht: Zarabec mit Traumpass auf Dahmke und ein trockener Vujin-Wurf sorgten für das 2:0. Doch mit viel Einsatz und noch mehr Leidenschaft blieben die Spenger dran, auch weil Torhüter Kevin Becker einige Eins-gegen-Eins-Situationen für sich entscheiden konnte. Allerdings: Der Ausgleich sollte dem TuS auch nicht gelingen, weil Andreas Wolff immer wieder seine Klasse unter Beweis stellte. Zudem agierte die Kieler Abwehr mit Christian Dissinger und Sebastian Firnhaber im Mittelblock bissig. Die Konseuqenz: Mit einem rasanten 4:0-Zwischenspurt zog der THW von 9:5 (13.) auf 12:5 davon, das ungleiche Duell war nach einer Viertelstunde entschieden.

Szenenapplaus für die Zebras

Patrick Wiencek feierte sein Comeback nach der Augenverletzung

Trotzdem steckte der Viertligist nicht auf, kämpfte um jeden Ball und jede Bewegung auf der Anzeigentafel - frenetisch bejubelt von den eigenen Fans. Auf der anderen Seite machte der THW Tempo und zauberte, wie Nikola Bilyk mit seinem Traumpass auf Ekberg, der zum 13:6 traf. Oder mit dem rasanten Gegenstoß-Pass von Andreas Wolff auf den schwedischen Rechtsaußen, der mit dem Pausenpfiff zum 19:11 einnetzte. Nach dem Wechsel tauschte Gislason einmal mehr durch. Er brachte Patrick Wiencek, der nach wochenlanger Pause wegen seiner Augenverletzung erstmals wieder Wettkampfluft schnuppern durfte. Und er brachte mit Emil Frend Öfors und Ole Rahmel unter anderem ein neues Außen-Duo. Und beide machten ebenfalls Dampf, wenngleich auch der ein oder andere Wurf in den Armen des neuen TuS-Keepers Bastian Räber landete. Doch mit einem Doppelpack von Emil Frend Öfors wurde es deutlich: Beim 24:14 (37.) waren die "Zebras" erstmals mit zehn Toren enteilt, erhielten vielfach Szenenapplaus für ihr Spiel. Oder ein vielstimmiges Raunen, wenn Andreas Wolff wieder seine Beweglichkeit unter Beweis gestellt hatte, oder Lukas Nilsson, Dissinger oder Christian Zeitz mal wieder eine Fackel im Kasten versenkten. Am Ende hatte dieses Spiel nur Gewinner: Der THW kann am Sonntag mit einem Sieg gegen den Zweitligisten Dessau-Roßlauer HV in die nächste Pokalrunde einziehen, und die Gastgeber feierten eine starke Leistung in ihrem "Spiel des Jahrzehnts" gemeinsam mit ihren Fans,.

Gislason zufrieden mit dem Team

Erzielte fünf Tore: Emil Frend Öfors

THW-Trainer Alfred Gislason war nach der Partie zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: "Wir haben gut gespielt, sonst wäre die Partie noch länger offen geblieben. Spenge mit der talentierten Mannschaft hat uns vor allem im ersten Durchgang einige Male überrascht, das war schön anzusehen. Sehr gefreut habe ich mich, dass Patrick wieder spielen konnte. Mit ihm sieht unsere Abwehr anders aus." Sein Gegenüber Heiko Holtmann war der Stolz über die engagierte Leistung seiner Mannschaft gegen den Rekordpokalsieger deutlich anzumerken. "Wir haben phasenweise sehr gut gespielt, aber der THW hat uns gezeigt, wie man geduldig agiert und auf seine Chance wartet. Ich musste zum ersten Mal meine Mannschaft nicht auf einen Gegner einstellen, meine Jungs kannten Kiel sehr viel besser als die Kieler uns kannten. Es macht einfach Spaß, gegen diese Weltklasse-Mannschaft zu spielen!"

DHB-Pokal: TuS Spenge - THW Kiel: 19:36 (11:19)

THW Kiel: Landin (n.e.), Wolff (1.-60., 20/1 Paraden) ; Firnhaber (2), Weinhold (2), Dissinger (4), Wiencek, Ekberg (7/4), Zeitz (1), Frend Öfors (5), Rahmel (4), Dahmke (4), Zarabec, Vujin (1), Bilyk (2), Nilsson (4); Trainer: Gislason

TuS Spenge: Räber (31.-60., 8 Paraden), Becker (1.-30., 7 Paraden); Clausing (2), Kopschek (5/2), Reinsch (2), Wolff (1), van Zütphen (1), Brezina, Bracksiek (1), Tesch, Prüßner (2), Holland, Breuer (2), Gräfe (3); Trainer: Holtmann

Schiedsrichter: Hartmann/Schneider

Strafzeiten: TuS: 2 (Bracksieck (14.), Gräfe (50.)) / THW: 1 (Bilyk, (57.))
Siebenmeter: TuS: 3/2 (Wolff hält Kopschek (49.))/ THW: 3/3 
Spielfilm: 0:2 (2.), 1:2 (3.), 1:3, 3:4 (5.), 4:5, 4:8 (11.), 5:9, 5:12 (15.), 7:15 (20.), 9:17 (25.), 11:19;
11:20, 14:22 (36.), 14:24 (37.), 16:26 (46.), 16:31 (52.), 17:34 (56.), 19:36.
Zuschauer: 1000 (ausverkauft) (Großsporthalle, Spenge)

 

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