24:22 gegen Berlin: THW Kiel steht im Finale!

DHB-Pokal
Samstag, 06.04.2019 // 20:00 Uhr

Der THW Kiel steht im Finale um den DHB-Pokal! Am Samstagabend besiegten die Zebras die Füchse Berlin mit 24:22 (13:7) und buchten damit das Endspiel-Ticket. Nach einer brillanten ersten Hälfte wurde das Semifinale gegen die Hauptstädter doch noch zu einem echten Krimi: In der Schlussphase verkürzten die Berliner auf 20:21, mussten dann aber den leidenschaftlich kämpfenden Zebras um ihre überragende Kapitäne Niklas Landin (15 Paraden) und Domagoj Duvnjak (6 Tore) zum Finaleinzug gratulieren. Im Endspiel treffen die Kieler am Sonntag um 15:10 Uhr auf den SC Magdeburg, der seinerseits einen Halbfinal-Thriller mit 30:29 gegen die TSV Hannover-Burgdorf gewann.

Intensives Ringen

Starker Auftritt: Miha Zarabec traf fünf Mal

Die Partie begann, wie es eigentlich alle erwartet hatten: Extrem köprlich. Das bekamen in den ersten Minuten vor allem Kapitän Domagoj Duvnjak, der einen Schlag ins Gesicht von Marsenic wegstecken musste, und Steffen Weinhold zu spüren. Aber auch die Kieler Abwehr packte zu - nach elf Minuten stand es deshalb torarm 4:4 ausgeglichen. Mit einem 115-km/h-Hammer unter die Latte leitete Miha Zarabec die bis dato stärkste Phase der Kieler ein, die in der 15. Minute in Unterzahl erstmals mit zwei Treffern in Führung gehen konnten: Nikola Bilyk jagte den Ball von Halbrechts durch die Beine von Silvio Heinevetter.Und als der starke Zarabec kurz darauf wieder eine Fackel auf das Berliner Tor abfeuerte, Koch nur die Latte traf und Ekberg den Gegenstoß zum 9:5 verwandelte, stand die "weiße Wand" - und Berlin nahm eine Auszeit.

Furiose erste Halbzeit

Körperlich ging es zwischen den beiden Rivalen zu

 Weil Niklas Landin weiterhin seine Klasse zeigte - im ersten Durchgang hielt er mehr als 50 Prozent der gegnerischen Würfe - ließen sich die Kieler auch von dieser kurzen Pause nicht beirren. Besser noch: Duvnjak verlud Heinevetter zum 10:5 und düpierte den Nationaltorhüter dann gleich noch zum 11:5 - die Zebras waren im Flow und spielten phasenweise wie im Rausch. Nach Zarabec' frechem Leger in Unterzahl zum 12:6 ließen Magnus Landin und Niclas Ekberg dann den schönsten Treffer des Tages folgen: Per Kempatrick erzielte der Schwede das 13:7 - die vielen THW-Fans im weiten Rund feierten diesen grandiosen Zwischenspurt mit lauten Gesängen und einem lautstarken Duell mit den SCM-Anhängern. Die Frage, wer denn nun in Hamburg regiere, blieb zunächst aber ungeklärt. Ärgerlich war aus schwarz-weißer Sicht nur, dass der THW Kiel noch das 13:7 kassierte und der inzwischen für Heinevetter zwischen die Pfosten gekommene Semisch den finalen Wurf von Bilyk abwehrte.

Berlin ist wieder dran

Im zweiten Durchgang wurde es dann noch einmal richtig spannend - auch, weil Hendrik Pekeler nach 35 Minuten und Videobeweis eine harte Rote Karte kassierte. Sechs Minuten später war dann auch Domagoj Duvnjak mit zwei Zeitstrafen belastet, Gislason musste in der Abwehr umbauen. Und das Zeitstrafen-Festival brachte Unruhe ins Kieler Spiel: Sukzessiv arbeiteten sich die Berliner heran, nutzten die sich auftuenden Lücken im neuformierten Kieler Deckungsverband. Und so wurde es wieder ein richtiges Kampfspiel - auch, weil Drux' in bester Wembley-Manier vor der Linie landende Wurf zum 16:19 zählte, und auch, weil nach Ekbergs 20:16 (51.) den Zebras Fehler unterliefen, die die Hauptstäder konsequent nutzten. Beim 21:20 durch Wiedes Kempa-Tor war die Begegnung wieder vollkommen offen, da waren noch fünf Minuten zu spielen.

Finale!

Und in diese packten die Zebras noch einmal alle Leidenschaft und die letzten Körner: Patrick Wiencek, von einer Magen-Darm-Grippe geschwächt, bis nach einer Oberschenkel-Blessur auf die Zähne, die "weiße Wand" machte richtig Dampf, und der Kapitän nahm das Heft des Handelns in die Hand: Duvnjak bediente Magnus Landin, der  mit mit einem fantastischen Dreher zum 22:20 traf, dann parierte sein Bruder einen Wurf von Zachrisson. Diese Vorlage verwerte Duvnjak mit einem Schlagwurf Marke "Weltklasse" zum 23:20, ehe der Kapitän hinten den Ball herausspitzelte und Patrick Wiencek ins verwaiste Berliner Tor zum 24:20 traf. 2:03 Minuten vor dem Schlusspfiff war dieses Halbfinale entschieden - die beiden Marsenic-Treffer kamen zu spät. Der THW Kiel steht im Finale des REWE Final Four!

Am Sonntag gegen Magdeburg

Dort treffen die Kieler am Sonntag auf den SC Magdeburg, der sich im ersten Halbfinale mit einem Last-Second-Tor durch Christian O'Sullivan und dank des 16-fachen Torschützen Michael Damgaard mit 30:29 durchsetzte. Die Magdeburger, die in diesem Jahr beide Bundesliga-Partien gegen den THW Kiel gewannen, schauten das Halbfinale des THW Kiel bereits im Hotel. Anpfiff ist um 15:10 Uhr, die ARD-Sportschau überträgt die Partie live im Free-TV. Kieler Fans, die nicht als "weiße Wand" die Zebras in der ausverkauften Barclaycard-Arena unterstützen können, haben eine klasse Alternative in der Landeshauptstadt: Die Forstbaumschule lädt zum Public Viewing ein. Es ist Final-Zeit - auf geht's, Kiel!

Statistik: DHB-Pokal, Halbfinale, 06.04.19: THW Kiel - Füchse Berlin: 24:22 (13:7)

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 15 Paraden), Wolff (1 Siebenmeter, keine Parade); Duvnjak (6), Reinkind, M. Landin (2), Firnhaber, Weinhold (3), Wiencek (1), Ekberg (6/1), Rahmel (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec (5), Bilyk (1), Pekeler, Nilsson; Trainer: Gislason

Füchse Berlin: Heinevetter (1.-24.,  41.-60., 7 Paraden), Semisch (24.-40., 2 Paraden); Wiede (6), Elisson (2), Holm (2), Struck, Mandalinic, Gojun, Lindberg (3/2), Zachrisson (1), Simak (1), Schmidt, Reißky, Koch, Marsenic (4), Drux (3); Trainer: Petkovic

Schiedsrichter:
Strafzeiten: THW: 6 (2x Pekeler (7., 25.), Duvnjak (14., 41.), Bilyk (34.), Firnhaber (54.)) / Füchse: 5 (2x Marsenic (7., 32.), Gojun (38., 46.), Lindberg (56.))
Rote Karte: Pekeler (grobes Foulspiel, (35.))
Siebenmeter: THW: 1/1 / Füchse: 3/2 (Lindberg gegen Wolff vorbei (41.))
Spielfilm: 0:1, 2:1 (2.), 3:2 (8.), 4:4 (11.), 7:4 (16.), 7:5, 11:5 (24.), 11:6, 13:6 (27.), 13:7 (30.);
14:7, 15:8 (32.), 16:10 (37.), 16:12 (38.), 18:12 (40.), 18:14 (45.), 19:14, 19:16 (50.), 20:16, 20:19 (54.), 21:20 (55.), 24:20 (58), 24:22 (60.). 
Zuschauer: 13.200 (ausverkauft) (Barclaycard-Arena, Hamburg)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft, wir haben verdient gewonnen. Besonders in der ersten Hälfte war das von uns ein überragender Handball in Abwehr und Angriff. In der zweiten Halbzeit haben wir dann nach der roten Karte ein wenig die Linie verloren. Ich habe mir die Szene angeschaut - für mich war das nicht Rot. Peke macht eine normale Bewegung, um sich aus der Klammer zu lösen. 
zum Finale: Magdeburg hat eine sehr gute Mannschaft. Sie hatten ein bisschen Glück, das Finale zu erreichen. Wir müssen sehr gute 60 Minuten hinlegen - und wir müssen alles sehr viel besser machen als beim letzten Mal gegen den SCM.

Füchse-Trainer Velimir Petkovic: Glückwunsch an den THW Kiel. Wir haben ziemlich ordentlich gespielt, aber wir haben auch viele freie Würfe nicht genutzt. In der zweiten Hälfte waren wir besser im Spiel, und uns hat dann auch der Torwart geholfen. Bei der Roten Karte war mir sofort klar, dass Peke diese bekommen muss - auch ohne Wiederholung.

Viktor Szilagyi, Sportlicher Leiter THW Kiel: Wir sind unglaublich zufrieden, das Finale erreicht zu haben. Es war ein überragendes Spiel von unserer Mannschaft. Niklas war da, wenn mal einer durch die Abwehr gekommen ist. In der zweiten Hälfte haben wir dann durch die vielen Zeitstrafen den Zugriff verloren. "Dule" hat dann bei 21:20 überragend reagiert und die Führung übernommen.

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning: Glückwunsch an Alfred. Ich fand die Schiedsrichter exzellent. Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, den Videobeweis auf einem iPad zu gucken. Landin hat das überragend gemacht - er hat uns keinen Spaß gemacht heute. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann viel besser gelöst. Es war ein verdienter Sieg für den THW Kiel, aber für uns war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Auftritt macht Hoffnung und Mut für die Liga.