Klarer Sieg: THW gewinnt das Spitzenspiel gegen GOG

EHF-Pokal
Sonntag, 24.02.2019 // 17:10 Uhr

Die "Zebras" haben das Spitzenspiel der EHF-Cup-Vorrundengruppe D klar gewonnen: Gegen den Tabellenführer der dänischen Liga, GOG, brannten die Kieler am Sonntagnachmittag ein Tempo-Feuerwerk ab und gewannen klar mit 37:23 (19:10). Vor 8618 begeisterten Fans in der Sparkassen-Arena waren Niclas Ekberg (10/6) und Rune Dahmke (9) die erfolgreichsten Torschützen des THW Kiel. Eine ganz starke Vorstellung bot auch THW-Kapitän Niklas Landin gegen den Club, bei dem er einst seine Profi-Karriere startete: 18 Würfe hielt der Weltmeister und ebnete damit den Weg für einen tollen Handball-Nachmittag in Schwarz-Weiß. 

Klasse Stimmung in der Sparkassen-Arena

Tempo im Rückraum: Bilyk traf vier Mal

Mehr als 8600 Fans, darunter gut 300 Dänen, sorgten bereits vor dem Anpfiff für eine großartige Stimmung in der Sparkassen-Arena. THW-Trainer Alfred Gislason setzte im Vergleich zum Gummersbach-Spiel auf Niklas Landin im Tor, Rune Dahmke auf der linken Außenbahn und das Rechtshänder-Duo Lukas Nilsson/Nikola Bilyk. Kapitän Domagoj Duvnjak, den seit der WM Adduktoren-Probleme plagen, konnte 60 Minuten geschont werden, auch Viel-Spieler Magnus Landin bekam ein wenig Erholung auf der Bank. Auf dem Feld legten die "Zebras" hingegen gleich los wie die sprichwörtliche Feuerwehr: Bilyk, Ekberg nach einem Steal von Hendrik Pekeler und mit einem 100-km/h-Strahl von der Strafwurf-Linie brachten den THW Kiel früh mit 3:0 in Führung. Die Gäste zeigten indes, dass auch sie sich einiges vorgenommen hatten. Mit schnellem Spiel nutzten sie die Kieler Fehler, verkürzten vor allem durch den starken isländischen Außen Odinn Rikhardsson auf 3:4 und 4:5. Ein Doppelschlag von Ekberg und Dahmke brachte die "Zebras" beim 7:4 erneut mit drei Toren in Führung.

THW drückt aufs Tempo

Sieben Tore in Durchgang eins: Niclas Ekberg

Die Kieler drückten nun vermehrt auf die Tempo-Tube, zogen die GOG-Abwehr durch schnelle Kreuzungen auseinander und waren im Abschluss sicher. Das sorgte für entspannte Mienen - selbst bei Alfred Gislason, der den Ball nach einem Pass ins Aus schnell ins Spiel bringen wollte, mit seinem "Pass" aber Harald Reinkind verfehlte. Für diesen "technischen Fehler" entschuldigte sich der Coach postwendend - und sah, dass Bilyk, Ekberg, Nilsson und Wiencek - nach fantastischem Ein-Kontakt-Pass von Reinkind, das Ergebnis trotzdem auf 11:5 schraubten (16.). Als Jakobsen dann einen Strafwurf ganz dicht über Landins Kopf verwandelte, sorgte das beim dänischen THW-Keeper für ordentlich Betriebstemperatur.

Neun-Tore-Pausenführung

Großartig aufgelegt: Niklas Landin

Und das bekam GOG zu spüren: Landin zog dem Angriffsspiel der Dänen bis zum Seitenwechseln die Zähne. Auch die zweite Auszeit von GOG-Trainer Nikolej Krickau nach 20 Minuten änderte daran nichts. Wie ein Uhrwerk drehten die Kieler weiter an der Ergebnisschraube und begeisterten ihre Fans mit tollen Kombinationen und spektakulären Toren wie bei Bilyks Dreher zum 14:7, Ekbergs Strafwurf-Heber zum 17:9, Nilssons Steals mit anschließendem Gegenstoß zum 18:9 und Dahmkes Flugshow zum 19:9. Wenn nicht Mikkelsen im GOG-Tor einen guten Einstand gefeiert hätte, die THW-Halbzeitführung wäre wohl noch höher als das 19:10 ausgefallen. 

Party in Schwarz-Weiß

Die zweite Hälfte startete mit einem furiosen Rückraum-Kracher von Harald Reinkind, und dann wurde es richtig rasant: Es folgten 150 Sekunden, die den Gästen von GOG wahrscheinlich wie eine Ewigkeit vorkamen. Denn die Kieler ließen einen Gegenstoß-ICE auf Höchsttempo in Richtung Gudme-Kasten abfahren. Parade Landin, Dahmke. Technischer Fehler GOG, Dahmke. Steal Reinkind, Ekberg. Steal Ekberg, Dahmke. Parade Landin, Ekberg. Fünf Tore in 150 Sekunden - der Wahnsinn riss die Fans von den Sitzen, La Ola kreiste, und spätestens jetzt - beim 25:11 - wurde der Nachmittag zu einer großen Party in Schwarz-Weiß. Da spielte Miha Zarabec mit Pekeler Doppelpass (28:14), da hielt Landin einen Pujol-Wurf fest und Wiencek traf ins leere Tor (30:15, 45.), da kegelte Steffen Weinhold den Ball zum 31:16 ins Tor, da traf Ekberg zum zehnten Mal (32:17), da legte Bilyk den Ball mit feinem Händchen hinter dem Rücken auf Dahmke ab (33:19), da knallte Ole Rahmel den Ball zum 34:20 in die Maschen. Bei diesem Vorsprung blieb es bis zum Schluss, weil Mikkelsen ab und an den Party-Crasher spielte. Am Ende aber hatte der THW Kiel seine Ambitionen auf den Gruppensieg deutlich unter beweis gestellt - und wurde dafür zurecht von den Fans gefeiert.

Donnerstag Auswärtsspiel bei der MT Melsungen

Jubel über den klaren Sieg: Harald Reinkind

Auch nach dem Spitzenspiel der Gruppe D bleibt den Kielern nur wenig Zeit zum Verschnaufen, denn bereits am Donnerstag stehen die Zebras in der DKB Handball-Bundesliga vor einer weiteren großen Herausforderung: Die MT Melsungen empfängt den Rekordmeister, der in der vergangenen Saison in Kassel eine klare Niederlage erlitten hatte. Am darauf folgenden Sonntag setzt sich dann eine lange schwarz-weiße Karawane in Richtung Dänemark in Bewegung: Dann empfängt GOG die Zebras zum EHF-Cup-Rückspiel, und die "weiße Wand" wird ihre Mannschaft mit rund 500 Fans in Dänemark unterstützen. Weiter geht's, Kiel!

Statistik: EHF-Cup, Gruppenphase, 3. Spieltag, 24.02.19: THW Kiel - GOG (DEN): 37:23 (19:10)

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 18 Paraden), Wolff (n.e.); Duvnjak (n.e.), Reinkind (3), M. Landin, Firnhaber (1), Weinhold (3), Wiencek (2), Ekberg (10/6), Rahmel (1), Dahmke (9), Zarabec (1), Vujin (n.e.), Bilyk (4), Pekeler (1), Nilsson (2); Trainer: Gislason

GOG: Erevik (1.-24., 3 Paraden), Mikkelsen (24.-60. und 1 Siebenmeter, 13 Paraden); Rikhardsson (5), Lindenchrone (4), Andersen, Pujol (2), Cieslak, Jörgensen, Laerke (4), Bergendahl, Hald Eriksen (1), Gidsel (1), Jakobsen (4/2), Hansen, Möller, Clausen (1); Trainer: Krickau

Schiedsrichter: Karim Gasmi / Raouf Gasmi
Strafzeiten: THW: 2 (Dahmke (56.), Firnhaber (59.)) / GOG: 5 (Clausen (13.), Laerke (15.), Bergendahl (44.), 2x Hald Eriksen (51., 58.))
Siebenmeter: THW: 6/6 / GOG: 3/2 (Jakobsen überweg (18.))
Spielfilm: 3:0 (6.), 3:2 (6.), 4:3, 5:4 (9.), 7:4 (10.), 7:5, 11:5 (16.), 13:6 (19.), 16:7 (24.), 16:9, 19:9 (28.), 19:10;
 20:10, 20:11 (33.), 25:11 (36.), 28:14 (40.), 30:15 (45.), 32:17 (49.), 34:20 (53.), 35:23 (57.), 37:23. 
Zuschauer: 8618 (Sparkassen-Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Wir hatten großen Respekt vor GOG mit dieser jungen, extrem talentierten Mannschaft. Zudem wussten wir, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen, um weiter im Rennen um Platz eins in der Gruppe zu bleiben. Ich bin sehr zufrieden, wie meine Mannschaft diese Aufgabe gelöst hat. Ich war richtig glücklich darüber, wie wir gestartet sind. Wir standen gut in der Abwehr, hatten einen starken Landin im Tor und haben im Angriff einen schnellen Handball gespielt, um die starke GOG-Defensive nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Heute sind viele Dinge gut gelaufen.

GOG-Trainer Nikolej Krickau: Glückwunsch an den THW Kiel, wir haben großen Respekt vor dieser Leistung heute. Der THW Kiel ist in beiden Halbzeiten sehr gut gestartet und hat damit großen Druck ausgeübt. Unsere Mannschaft hatte dann zuviel Respekt, und dann verliert man hier in Kiel hoch. 

GOG-Torhüter Ole Erevik: Glückwunsch an den THW Kiel zu diesem großartigen Spiel. Wir hatten die Hoffnung, hier heute etwas mitnehmen zu können. Aber dafür hätten wir an unserem oberen Limit spielen müssen, das haben wir heute in keinster Weise getan. Wir hatten große Probleme und haben es dem THW Kiel zu leicht gemacht. Vor allem im Angriff haben wir zu viele Fehler gemacht und den THW damit zu Gegenstößen eingeladen.

THW-Torhüter Niklas Landin: Es war von unserer Seite ein gutes Spiel. Vor allem hat es mich gefreut, dass diejenigen Spieler, die zuletzt nur wenig Einsatzzeit hatten, heute sofort in die Partie gefunden und auf einem sehr hohen Niveau gespielt haben. Wenn wir in Odense genauso auftreten wie heute, wenn wir genauso dem Spiel unseren Stempel aufdrücken können, dann gewinnen wir dort. Ich freue mich auf die Tour, auch weil uns so viele Fans dort unterstützen werden.