29:23 gegen die Löwen: THW gewinnt Klaus-Miesner-Turnier

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Sonntag, 10.08.2014 // 18:55 Uhr

Der THW Kiel hat das 25. Internationale Klaus-Miesner-Gedenkturnier um den "Harz-Energie-Cup" gewonnen. Bei ihrer ersten Teilnahme beim traditionellen Vorbereitungsturnier in Ilsenburg besiegten die "Zebras" am Sonntagnachmittag im Endspiel die Rhein-Neckar Löwen mit 29:23 (14:8).

Sjöstrand bester Torhüter

Johan Sjöstrand wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt.

Tags zuvor hatten sich die Kieler in der Vorrunde mit 32:30 (19:14) gegen den Bergischen HC sowie mit 34:29 (17:14) gegen den dänischen Spitzenclub Skjern Handbold durchgesetzt.

THW-Keeper Johan Sjöstrand wurde als Torhüter des Turniers ausgezeichnet. Zum besten Spieler des Wochenendes wurde Löwen-Regisseur Andy Schmid gekürt, erfolgreichster Torschütze war Magdeburgs Rechtsaußen Robert Weber, der insgesamt 30 Treffer markierte. 

Endspiel ohne Patrick Wiencek

Im Endspiel musste Alfred Gislason auf Kreisläufer Patrick Wiencek verzichten, dessen Wunde nach einem Zusammenprall im Spiel gegen Skjern genäht werden musste. So startete dieses Mal Rene Toft Hansen zusammen mit Filip Jicha im Mittelblock, flankiert von den beiden Neuzugängen Steffen Weinhold und Domagoj Duvnjak, der zudem im Angriff die Spielmacherrolle übernahm. Und der THW begann stark, auch dank zweier Paraden Johan Sjöstrands gegen Andy Schmid und Kim Ekdahl du Rietz legten Jicha und Duvnjak ein 2:0 vor.

Löwen gehen in Führung

Doch die Löwen, die zunächst auf ihre Neuzugänge verzichteten und dem THW eine 5:1-Deckung mit dem vorgezogenen Uwe Gensheimer entgegen stellten, drehten danach auf: Nach einem Kieler Ballverlust im Angriff traf Bjyrte Myrhol im Gegenstoß zum 3:2 für die Manheimer - erstmals im Turnierverlauf lagen die "Zebras" damit zurück. Nach zwei weiteren Missverständnissen im Aufbauspiel sorgten Myrhol und Groetzki bis zur neunten Minute sogar für das 5:3 aus Sicht des Vizemeisters.

Kiel am Drücker

Neuzugang Steffen Weinhold spielte ein starkes Finale und erzielte vier Tore.

Allerdings: Die Kieler steigerten sich nun ihrerseits, insbesondere die Abwehr stand beizeiten schon wieder meisterlich. Nur noch drei Gegentore sollte diese bis zum Pausenpfiff zulassen, was auch am glänzend aufgelegten Sjöstrand lag. Türöffner waren aber auch zwei Zeitstrafen gegen die Rhein-Neckar Löwen gegen Ekdahl du Rietz und Myrhol. Jicha sorgte mit einem Doppelschlag für den 5:5-Ausgleich, und obwohl Niklas Landin einen Siebenmeter von Joan Canellas sowie zwei Würfe Christian Sprengers parierte, waren die Kieler nun am Drücker. 

Löwen mit 6:0-Lauf

Filip Jicha präsentierte nach dem 29:23 im Finale gegen die Rhein-Neckar Löwen den großen Sieger-Pokal.

Im zweiten Durchgang durfte dann auch Marko Vujin mitmischen, und der Torschützenkönig der vergangenen Saison erzielte sogleich die ersten beiden Kieler Tore zum 16:9. Dann allerdings mussten binnen weniger Sekunden sowohl Toft Hansen als auch Duvnjak für zwei Minuten auf die Bank, die Löwen witterten in doppelter Überzahl wieder Morgenluft. Mit einem 6:0-Lauf binnen sechs Minuten stellte die Mannschaft von Trainer Nikolaj Jacobsen den Anschluss her. Doch wie der Turnierverlauf bereits zeigte, agiert der THW trtz müder Beine immer dann am konzentriertesten, wenn die Partie zu kippen droht. Canellas bediente Palmarsson, der vom Kreis das wichtige 17:15 erzielte. Und der Isländer legte sogleich nach: Nachdem Andreas Palicka einen Mensah-Wurf an den Pfosten lenkte, erhöhte Palmarsson energisch per zweiter Welle auf 18:15, ehe der von Canelles bediente Ekberg per Gegenstoß das Ergebnis gar auf 19:15 stellte. Doch damit nicht genug: Palicka blieb auch gegen Ekdahl du Rietz sowie mit einer phänomenalen Fußabwehr bei einem Schmid-Siebenmeter Sieger und ebnete somit den Weg für eine 22:16-Führung durch Vujins dritten Treffer.

THW dreht wieder auf

Begehrte Sieger: Viele Fans und Medienvertreter wollten nach dem Schlusspfiff die Zebras fotografieren.

Jacobsen nahm acht Minuten vor Schluss seine letzte Auszeit und brachte für die folgenden Angriffe einen siebten Feldspieler. Tatsächlich fanden die Löwen nun wieder Lücken in der Kieler Abwehr, und nachdem Kleins Versuch, per schneller Mitte in den leeren Kasten zu werfen, geblockt wurde und Palmarssons Sprungwurf über den Kasten flog, hatte Groetzki mit drei Treffern wieder auf 21:24 verkürzen können. Doch Jicha nach traumhaften Anspiel Duvnjaks und Weinhold sorgten per Doppelschlag schließlich für die Entscheidung zugunsten des THW, und nachdem Duvnjak aus der eigenen Spielhälfte ins leere Tor traf und Palmarsson den Schlusspunkt setzte, konnten die "Zebras" ihren ersten kleinen Titel der Saison feiern.

Komfortable Kieler Pausenführung

Gensheimer gelang aus dem Rückrum noch das 6:5 aus Löwensicht, dann aber legten insbesondere Canellas, der starke Weinhold und der umsichtige Aron Palmarsson los: Nachdem Sjöstrand glänzend gegen Alexander Petersson, Myrhol und Mads Mensah Larsen zur Stelle war, sorgte Weinhold in der 23. Minute beim 9:6 für die erste Drei-Tore-Führung. Diese hatte auch noch Bestand, als die erste Halbzeit in die letzte Spielminute einbog, nachdem Mensah zum 8:11-Anschluss einnetzte. Diese letzte Minute aber hatte es noch einmal in sich für die "Zebras": Nach einem Pfostenkracher Canellas' setzte Niclas Ekberg aus spitzem Winkel zum 12:8 nach, anschließend nutzten Klein und erneut Ekberg zwei Ballverluste der Löwen im Aufbauspiel aus, um doch noch eine komfortable Pausenführung herauszuwerfen.

Statistik: 10.08.14, So., 15.00: THW Kiel - Rhein-Neckar Löwen: 29:23 (14:8)

THW Kiel: Sjöstrand (1.-40., 11 Paraden), Palicka (40.-60., 6/1 Paraden), Sonne (n.e.); Duvnjak (2), Ranke, Toft Hansen, Sprenger, Weinhold (4), Ekberg (4), Canellas (2/2), Dahmke, Palmarsson (4), Klein (4), Jicha (4), Vujin (5); Trainer: Gislason

Rhein-Neckar Löwen: Landin (1.-52., 10/1 Paraden), Rutschmann (52.-60.); Schmid (3/1), Gensheimer (3/1), Kneer, Sigurmannsson (2), Myrhol (3), Mensah (5), Groetzki (4), Reinkind, Guardiola, Petersson (1), Ekdahl du Rietz (2), Schmidt (n.e.); Trainer: Jacobsen

Zeitstrafen: THW: 3 (2x Toft Hansen (35., 55.), Duvnjak (35.)); RNL: 6 (2x Ekdahl du Rietz (10., 41.), 2x Myrhol (13., 17.), Gensheimer (22.), Petersson (36.))

Siebenmeter: THW: 3/2 (Landin hält Canellas (12.)); RNL: 4/2 (Gensheimer an den Pfosten (20.), Palicka hält Schmid (49.))

Spielfilm: 1. Hz.: 2:0 (4.), 2:3, 3:3, 3:5 (9.), 5:5, 5:6 (13.), 9:6 (23.), 9:7, 11:7 (28.), 11:8, 14:8;

2. Hz.: 15:8, 15:9, 16:9 (34.), 16:15 (40.), 19:15 (45.), 19:16, 22:16 (51.), 22:17, 23:17, 23:18, 24:18, 24:21 (55.), 26:21, 26:22, 28:22, 28:23, 29:23.

Zuschauer: 1400 (ausverkauft) (Harzlandhalle, Ilsenburg)

Kieler Nachrichten: THW erschreckt die Konkurrenz

Ilsenburg. So schnell kann es gehen: Am Mittwoch gab Handballmeister THW Kiel die spektakuläre Verpflichtung von Niklas Landin zur kommenden Saison bekannt. Vier Tage später verlor der Torhüter der Rhein-Neckar Löwen vor 1400 Zuschauern in der ausverkauften Harzlandhalle von Ilsenburg im Finale des Klaus-Miesner-Turniers gegen seinen künftigen Arbeitgeber mit 23:29 (8:14).

Die Zebras deuteten im Duell mit dem Vizemeister phasenweise an, zu welchen Leistungen sie in der kommenden Saison fähig sind. Mit einer extrem sattelfesten Deckung, hinter der bis zur 40. Minute auch Johan Sjöstrand überragte, ließen sie den Löwen keine Chance. Als diese in der zweiten Halbzeit noch einmal Hoffnung schöpften, drehte Aron Palmarsson groß auf. Den Rest besorgte der eingewechselte Andreas Palicka.

Die traditionsreiche Veranstaltung im Harz hatten die Badener zuvor zweimal nacheinander gewonnen. Der THW nahm erstmals teil, weil es einen perfekten Abschluss für das Trainingslager in Osterburg (Altmark) bildete. Wegen schmerzender Beine und müder Köpfe ließ Trainer Alfred Gislason munter rotieren. Beim mühsamen Auftaktsieg gegen den Ligakonkurrenten Bergischer HC (32:30/19:14) am Sonnabend teilte er sein Team, ließ beide Hälften je eine Halbzeit spielen. Der erlesene Kader der Kieler ist derzeit das Thema Nummer eins in der Liga. Spötter schlugen dem THW angesichts der Termindichte bereits vor, gelegentlich zwei Spiele gleichzeitig zu bestreiten. Gegen den BHC war die Umsetzung dieser Idee erstmals zu besichtigen, furchterregend wirkte sie nicht.

Knapp sechs Stunden später war der THW gegen Skjern Handbold erneut über zweimal 30 Minuten gefordert. Diesmal ließ Gislason schon nach einer Viertelstunde rotieren. Nicht immer freiwillig: Patrick Wiencek schied mit einer tiefen Kopfwunde aus. Dr. Birgit Hoffmeyer, Mannschaftsärztin des SC Magdeburg, kümmerte sich um den Kreisläufer, der nicht mehr zum Einsatz kam und heute in Kiel noch einmal genauer untersucht wird. Die Zebras, gestützt auf den starken Palicka (18 Paraden), besiegten den dänischen Erstligisten auch ohne Wiencek souverän mit 34:29 (17:14).

Mit Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen, das wurde in Ilsenburg deutlich, hat die Liga an der Seitenlinie einen neuen Vulkan gewonnen. Ganz gelassen kommentierte er dagegen den Wechsel seines dänischen Landsmanns Landin. "Ich war selbst sechs Jahre lang beim THW", sagt er, "deshalb kann gerade ich ihn gut verstehen." Außerdem sei der Weg in die dänische Heimat dann nur noch 80 Kilometer lang.

Auch schon ein THW ohne Landin scheint die Konkurrenz zu erschrecken. "Ich hoffe nicht, dass es wieder eine 68:0-Saison geben wird", sagt Marc-Henrik Schmedt, Manager des SC Magdeburg. Vor zwei Jahren hatten die Zebras den Titel gewonnen, ohne einen einzigen Punkt abzugeben.

Filip Jicha reagiert gelassen auf Verbeugungen dieser Art. Der Kapitän der Kieler weiß, dass das Starensemble, in dem nicht jeder die gewohnten Einsatzzeiten erhalten wird, die Reifeprüfung noch vor sich hat. "Entscheidend wird sein, wie wir damit umgehen, wenn es einmal nicht läuft", sagt er. "Alle müssen bereit sein, alles für die Mannschaft zu opfern." Nur als Einheit, so Jicha, könne auch das neue THW-Team etwas bewegen und sich mit Titeln belohnen.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 11.08.2014)

Statistik: Ergebnisse Finaltag

Spiel um Platz 5: Bergischer HC - Orlen Wisla Plock (POL): 29:36 (17:16)

Spiel um Platz 3: Skjern Handbold (DEN) - SC Magdeburg: 31:29 (15:14)

Finale: THW Kiel - Rhein-Neckar Löwen: 29:23 (14:8)

 

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