Auf Wiedersehen, Christian!

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Freitag, 15.08.2014 // 22:37 Uhr

Mit einer kurzweiligen Sportshow hat sich Christian Zeitz nach elf unglaublich erfolgreichen Jahren in Kiel von den Handballfans an der Förde verabschiedet. Seine „CZ20“-Auswahl mit vielen ehemaligen THW-Stars um die Welthandballer Nikola Karabatic, Thierry Omeyer, Daniel Narcisse und Henning Fritz besiegte die „Zebras“ mit 22:19 (13:11). Doch das Ergebnis war an diesem Abend Nebensache: Vielmehr verabschiedete sich Kiel mit vielen Einspielern von seinem Publikumsliebling, der fortan für MKB Veszprem auf Torejagd gehen wird. 

Klimmzug-Challenge mit dem "Meister"

Klimmzug-Challenge: Christian Zeitz unterlag seinem "Meister" Ole Viken.

Für die Partie der "CZ20" gegen den THW hatten sich die Spieler des Rekordmeisters und die Verantwortlichen des THW Kiel einige schöne Zwischensequenzen ausgedacht So trat Zeitz bei der Klimmzug-Challenge gegen seinen Fitness-Mentor Ole Viken an (Zeitz: "Mein Meister"), der das Rennen locker für sich entschied. In einer Quizrunde beantwortete Zeitz locker ein paar Fragen aus seiner Zeit beim THW. Und auch auf dem Feld gab es allerhand interessantes zu erleben: Kurzerhand beorderte Gislason Frank Ettwein auf die Platte. 

Verstärkung durch Frank Ettwein

Überraschungsgast: Frank Ettwein sagte Christian Zeitz auf seine Art Tschüss.

Der ehemalige Spieler von HBW Balingen-Weilstetten gehörte zu den sportlich unangenehmsten Gegenspielern von Christian Zeitz in der DKB Handball-Bundesliga. Dementsprechend groß war die Verblüffung bei dem Linkshänder, als Ettwein zu Beginn der zweiten Hälfte im THW-Trikot mit der Nummer 99 auf die Platte kam. Der Besuch von Ettwein war eine Idee, die aus dem Kreis der THW-Mannschaft kam. In den Tagen vor dem „Unser Norden“-Cup war Ettweins Auftritt das wohl am Besten gehütete Geheimnis in Kiel. Nur ganz wenige Mitarbeiter und Spieler des Rekordmeisters waren eingeweiht, und Ettwein machte sich erst warm, als das Abschiedsspiel bereits lief. „Ich dachte erst, da möchte mich jemand auf den Arm nehmen, als ein Dominik Klein bei mir anrief und mich zu Zeitzis Abschiedsspiel einlud. Das ist eine große Ehre, bei diesem Event dabei zu sein.“

Besonderer Tag für Tristan Gräber

Gewinner Tristan Gräber (Nummer 5) erzielte drei Tore bei seinem Einsatz im THW-Trikot.

Ein ganz besonderer Tag dürfte dieser 15. August auch für Tristan Gräber gewesen sein: Der 19-Jährige aus Wissem (Westerwald) hatte von seinen Eltern zu Weihnachten ein Training mit dem THW Kiel geschenkt bekommen. Diese einmalige Aktion hatte der Rekordmeister für die „Handball hilft“-Versteigerung zugunsten der Deutschen Krebshilfe angeboten – und kurzerhand das Paket erweitert. Erst am Freitagnachmittag erfuhr Tristan Gräber und die Familie, dass er nicht für ein Training nach Kiel gekommen war, sondern am Abend als Teil des THW Kiel auf der Platte der „Sparkassen-Arena“ stehen und damit dichter als jeder anderer am Geschehen sein würde. „Das ist eine Überraschung, die ich jetzt erst einmal verkraften muss“, sagte Gräber, nachdem er von THW-Pressesprecher Christian Robohm das Trikot mit der Nummer 5 erhalten hatte. Dieser versuchte, den jungen Handballer mit einem Augenzwinkern zu beruhigen: „Wir sind doch beinahe unter uns.“ Am Abend dann wechselte THW-Trainer Alfred Gislason Gräber nach der Pause ein. Dieser bedankte sich vor 10.285 Zuschauern mit drei Toren und für das Vertrauen. „Das waren Minuten wie im Traum“, sagte Gräber, der dann gemeinsam mit der Mannschaft, Hanne Pries und den Fans „Ein Hoch auf Dich“ für Zeitz sang.

Dank an Trainer, Fans und Mitspieler

Gute Stimmung: Die ehemaligen Zebras des Teams "CZ20" hatten sichtliche Spaß an ihrem Auftritt in Kiel

Um 21.48 Uhr wurde unter dem Hallendach das Trikot von Christian Zeitz entrollt – durch Stefan Lövgren und Klaus-Dieter Petersen. Ein Moment, in dem man selbst bei Zeitz ein Tränchen in den Augen vermuten konnte. Der Linkshänder bedankte sich mit launigen Worten bei der Mannschaft, den Fans und vor allem seinen ehemaligen Trainern Noka Serdarusic und Alfred Gislason: „Sie hatten es nicht immer leicht mit mir, aber ich auch nicht mit ihnen.“ Bei den Fans bedankte sich Zeitz für die Unterstützung „auch in schlechten Zeiten, wenn ich den Ball in den vierten Rang oder drei Meter am Tor vorbei geworfen habe. Aber das lag immer an schlechtem Harz oder noch schlechteren Anspielen.“ Mit den Worten: „Ich hoffe, wir sehen uns in Köln“, verabschiedete sich der Linskhänder in Richtung Veszprem.

Kieler Nachrichten: Den Kaffeewart ein letztes Mal festgemacht

Riesen-Andrang: Rund 150 Meter lang war die Schlange derjenigen, die von Christian Zeitz ein Autogramm ergattern wollten.

Kiel. Das Abschiedsspiel von Christian Zeitz, der den THW Kiel nach elf Jahren und 19 Titeln Richtung Veszprem verließ, war keine fünf Minuten alt, da wurde es unterbrochen. Zeitz, ein Ex-Zebra, das sich im Kraftraum richtig zu Hause fühlt, musste in einem Klimmzug-Contest gegen seinen „Meister“ (Zeitz) Ole Viken antreten, den Ex-Krafttrainer des THW. Der Wettkampf endete remis, der Norweger ließ nicht alle Muskeln spielen.

Das Team „CZ 20“ startete mit einer 13:11-Führung in die zweite Halbzeit, die nach nur drei Minuten eine Auszeit erlebte. Alfred Gislason schnappte sich das Mikrofon, um die Seinen für ihre lasche Einstellung in der Deckung zu rügen. „Kann denn hier keiner richtig gegen Zeitz decken?“ Filip Jicha hatte eine Idee, eine, auf die Zeitz nicht vorbereitet war. Er hatte Stars wie Stefan Lövgren, Nikola Karabatic und Viktor Szilagyi eingeladen, doch diese 17. Minute gehörte Frank Ettwein. Wer? Ettwein spielte zwölf Jahre für den Bundesligisten Balingen-Weilstetten, deren Betreuer er nun ist. Der Kfz-Mechaniker galt als härtester Abwehrspieler der Liga und lieferte sich als Linksaußen herzhafte Duelle mit Zeitz. Bei jeder Zeitstrafe, die der 1,74 m große Handball-Terrier erhielt, wurde in Balingen „Who let the dogs out“ von Baha Men gespielt– ein Lied, das oft erklang. Auch gestern: Der 36-Jährige kam mit der „99“ von der Tribüne, und Zeitz fasste sich an den Kopf. Er wusste, sein Abschied könnte schmerzhaft werden. Wurde er nicht, nett wurde es. Hanne Pries („Tiffany“) hatte „Ein Hoch auf Uns“ umgedichtet, das die Fans und die THW-Mannschaft für ihn sangen: „Wer macht uns jetzt den Kaffeewart? Wer hat Deinen Blick und ist so enthaart?“ Das Spiel? „CZ 20“ gewann 22:19 (13:11).

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 16.08.2014)

Kieler Nachrichten: Zeitz: Ich nehme das Beste aus Kiel mit

Ein ungewöhnlich gelassen wirkender Christian Zeitz verabschiedete sich am Freitag nach elf Jahren und 19 Titeln vom THW Kiel. Der erfolgreichste deutsche Handballer, der einen Drei-Jahres-Vertrag bei MKB Veszprem unterschrieben hat, besiegte mit seiner Weltauswahl „CZ20“ in der Kieler Arena die aktuelle Zebraherde mit 22:19 (13:11). „So wie ich den Verein kenne, müssen die Jungs jetzt morgen zum Straftraining“, sagte der 33-Jährige, dessen Trikot unter der Hallendecke verewigt wurde.

Tatsächlich trafen sich die Besiegten, die am Sonnabend einen freien Tag haben sollten, zum Auslaufen. Allerdings war nicht „CZ20“ der Grund, sondern die in der zweiten Halbzeit peinliche Leistung im Spiel davor. Nach einer 16:9-Führung zur Pause verlor der THW seine Generalprobe vor dem Supercup gegen Berlin (Morgen, 20.15 Uhr, Stuttgart) noch mit 28:31 gegen Paris St. Germain. Als die Ex-Kollegen liefen, saß Zeitz im Flieger. „Ich nehme das Beste aus Kiel mit“, sagte er bei seiner Verabschiedung zu seiner Freundin Katharina, die ihn an den Plattensee begleitet.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 18.08.2014)

Kieler Nachrichten: Für eine Halbzeit ein Zebra

Kiel. Nach dem Abschiedsspiel von Christian Zeitz, der mit seinem „CZ20“ am Freitag vor 10285 Zuschauern Handballmeister THW Kiel in eigener Halle mit 22:19 besiegte, konnte Tristan Gräber noch immer nicht fassen, dass er für eine Halbzeit ein Zebra gewesen war und drei Tore geworfen hatte. „Das war überwältigend“, sagte er, der zwei Trophäen mitnahm: Schweißbänder seines Kurzzeit-Kapitäns Filip Jicha.Der 19-Jährige aus Wissen (Westerwald) war mit seiner Familie im Glauben angereist, mit den Profis trainieren zu dürfen. Seine Eltern hatten das Erlebnis bei der Aktion „Handball Hilft“ zugunsten der Krebshilfe ersteigert. „Bei uns in der Region ist es mit Handball schwierig“, erklärte Vater Mathias (48), der seinen Sohn für Auswahltrainings bis ins 70 Kilometer entfernte Koblenz fahren muss. „Und dann bekommen wir immer zu hören, dass er zu klein und schmächtig ist.“ In der A-Jugend des TuS Ferndorf schnupperte der 1,75 Meter große Linkshänder ein Jahr lang Bundesliga-Luft. Nun spielt er für den RSVE Siegen in der Verbandsliga.

Dass ihm ein Einsatz für den THW im Abschiedsspiel von Zeitz bevorstand, erfuhr Tristan erst, als er zum ersten Mal im Kieler Handball-Tempel stand. Pressesprecher Christian Robohm drückte ihm plötzlich das Trikot mit der Nummer fünf in die Hand. Während Mutter Birgit (48) Freudentränen in den Augen hatte, wurde er blass um die Nase. „Das ist wie ein Schock. Ich kann mich noch gar nicht richtig freuen“, sagte er. Sechseinhalb Stunden später saß er zwischen Welthandballer Domagoj Duvnjak und Rune Dahmke auf der Bank. „Da haben mir die Knie geschlottert.“ In der zweiten Halbzeit durfte er auf die Platte. „Ich habe mir gedacht, bevor es richtig peinlich wird und alle über den Kleinen lachen, versuche ich wenigstens selbstbewusst zu wirken.“ Und als er dann zwischen Legenden wie Stefan Lövgren, „Pitti“ Petersen, Nikola Karabatic und Daniel Narcisse auf dem Feld stand, wirkte er plötzlich ganz cool. „Die Mannschaft hat mich sofort super in ihr Spiel einbezogen.“ Nur 20 Sekunden nach seiner Einwechslung traf er gegen niemand Geringeren als Thierry Omeyer. Wie befreit breitete er die Arme aus, als wollte er abheben vor Freude. Eine Szene, die sich gleich im nächsten Angriff wiederholte. Nun war er mittendrin, traf noch ein drittes Mal gegen Peter Gentzel und legte Dominik Klein einen Kempa auf. „Das hat er richtig gut gemacht“, lobte Klein nach dem Spiel. „Man hat ihm die Nervosität gar nicht angemerkt.“ Ganz zufrieden war Tristan jedoch nicht. „Den Dreher gegen Omeyer hätte ich gerne reingemacht!“, ärgerte er sich. „Dafür hat er sich gleich entschuldigt und gesagt, dass er keine Chance gehabt hätte, wenn ich ihn noch ein bisschen länger gemacht hätte“, erzählte Tristan, der nach dem Spiel und dem Zeitz-Abschied sogar in die Kabine durfte. „Da habe ich gleich ein Selfie gemacht und an meine Freunde geschickt.“ Trotz des kurzen Höhenflugs bleibt er Realist. „Natürlich möchte ich so weit kommen wie möglich. Aber wenn Schluss ist, ist Schluss.“ Immerhin hat er schon jetzt erreicht, wovon viele träumen: Er hat für den THW gespielt.

(von Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 18.08.2014)

Kieler Nachrichten: Sprüche zum Abschied

Andreas Palicka, der sechs Jahre lang ein Mannschaftskollege war:

Ich vermisse beim Lauftraining Deinen dicken A...., den hatte ich sonst immer direkt vor der Nase.

Trainer Alfred Gislason über den ungekrönten König der Steals:

Es stimmt, Du hast sehr viele Bälle geklaut, aber Du bist auch an sehr vielen vorbeigelaufen....

Marcus Ahlm (Urlaub), der im Sommer 2003 mit Zeitz beim THW Kiel begann, in einer Videobotschaft zum Thema „Effektivität“:

Ich habe von Christian gelernt, erst das Shampoo in die Haare zu machen und dann unter die Dusche zu gehen - so geht es schneller.

Aron Palmarsson, der im Juli 2015 ebenfalls nach Veszprem wechselt:

Wir sehen uns bald...(Pause, Augenzwinkern) ...in der Champions League!

Zeitz über den Ex-Manager Uwe Schwenker, der mit „Uwe-Uwe“-Sprechchören gefeiert wurde:

Ich danke Uwe für den Mut, mich zum THW geholt zu haben...

Zeitz über Noka Serdarusic und Alfred Gislason:

....und ich bedanke mich bei meinen Trainern. Sie hatten es nicht immer leicht mit mir, aber ich auch nicht mit ihnen.

Ex-Zebra Johan Petersson, einer der Stars im Zeitz-Team „CZ20“:

Was Nettes? Er ist ein völlig ausgeflippter Typ, aber ich liebe ihn.

Zeitz zu Filip Jicha, dem Kapitän des THW Kiel:

Filip, mein Freund, die Schale und den DHB-Pokal kannst Du gerne haben, aber um den Titel in der Champions League wirst Du hart kämpfen müssen.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 18.08.2014)

 

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