KN: Maik Bolte hat seinen Traumjob gefunden

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Donnerstag, 23.10.2014 // 13:00 Uhr

Kiel. Maik Bolte fährt 2000 Kilometer im Monat, verlässt dabei nur selten die Stadtgrenzen Kiels und ist doch kein Taxifahrer – welchen Beruf übt der 46-Jährige also aus? Richtig, er ist Physiotherapeut des THW Kiel, der erste, der eine Festanstellung beim Handballmeister hat.

Bolte lebt seit dem 1. Februar einen Traum, der ihm bislang nur einen Wunsch nicht erfüllte. „Die Rahmenbedingungen sind eines Spitzenvereins unwürdig“, sagt er, der täglich zwischen den Trainingsstätten in Russee, Wellsee und Schönkirchen, der Arena und seiner Praxis pendelt. „Klubs wie der TV Großwallstadt oder der VfL Gummersbach sind zwar lange nicht so erfolgreich wie der THW, aber von deren Trainingsbedingungen sind wir Lichtjahre entfernt.“ Und sogar diese, so Bolte, könnten sich nicht im Ansatz mit denen der Fußball-Bundesliga messen. Bei Schalke 04 sei beispielsweise das komplette Trainingszentrum, Reha inklusive, in einer der Tribünen untergebracht. Er wäre schon damit zufrieden, wenn sein THW eines Tages eine einzige Anlaufstelle hätte. „Ich würde mir für uns alle, die wir für den Verein arbeiten, kurze Wege wünschen.“

Er selbst ist den Umweg gewohnt. So startete er erst als 36-Jähriger in Malente seine Ausbildung. Zuvor hatte er Maschinenbau und BWL studiert, allerdings das Examen nicht bestanden. Um das Verpasste nachzuholen, hätte er das Bundesland wechseln müssen. Das wollte der Niedersachse nicht. Er war fest verwurzelt, spielte mit Freunden und Freude Handball („Das schönste Hobby der Welt“) und war mit der Welt im Reinen. Von einer Profi-Karriere hatte der talentierte Rechtshänder nie geträumt. „Die Trainer haben damals die These vertreten, dass es leichter ist, einen Zwei-Meter-Mann beweglich zu machen, als einen, der nur 1,80 Meter groß ist, wachsen zu lassen.“ Bolte, der in der A-Jugend ein Angebot des Bundesligisten GW Dankersen ausschlug, wurde 1,79 Meter groß. Und blieb es.

Weil Klaus-Dieter Petersen, mit dem er sich damals in verschiedenen Jugendklassen maß, dagegen stetig wuchs, trennten sich ihre Wege, die erst beim 24:21-Sieg gegen den TuS N-Lübbecke darin mündeten, dass beide mit dem aktuellen Kader des Rekordmeisters auf dem Feld standen. „Pitti“ Petersen, mit dem THW achtmal Deutscher Meister geworden, war kurzfristig als Fahnenschwenker eingesprungen, Bolte warf den Zebras beim Aufwärmen die Bälle zu. „Ich bin sehr stolz darauf, für diesen Verein arbeiten zu dürfen“, sagt Bolte, der seit einem Jahr mit Gerry (34) verheiratet ist, einer Physiotherapeutin. Die Tage im Dienste der Mannschaft seien zwar lang, die Reisen häufig und nicht selten weit, aber er könne so seinen Beruf viel besser ausüben. „In einer Praxis habe ich 20 Minuten für jeden Patienten, beim THW kann ich mich einem Spieler intensiv widmen, habe keine Uhr im Kopf und ein besseres Gewissen.“ Er könne sich an viele Tage erinnern, an deren Ende er 24 Patienten abgearbeitet hatte. „Das ist nur noch Fließband.“

Die Tür zum Verein öffnete ihm Uwe Brandenburg, der seit drei Jahrzehnten den THW begleitet. Doch mit zunehmender Professionalisierung des Sports wuchs der Wunsch von Trainer Alfred Gislason, einen festangestellten Physiotherapeuten an seiner Seite zu wissen. Als Bolte in der SportReha, deren Geschäftsführer Brandenburg ist, eines seiner Praktika machte, hatte dieser seinen Nachfolger gefunden. „Mit einem Physiotherapeuten, der sich ausschließlich um die Mannschaft kümmert, ist die Planbarkeit für alle Seiten besser“, sagt Uwe Brandenburg, der mit seinem Sohn Christoph und Jan Bock weiterhin das vierköpfige Therapeutenteam komplettiert. „Für einen allein ist der Aufwand viel zu groß geworden“, sagt Brandenburg. „Der THW trainiert heute zweimal am Tag. Als ich anfing, gab es nur zwei Einheiten pro Woche.“

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 23.10.2014)

 

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