KN: Wael Jallouz: Barcelona lockt mit Spielgarantie

Weitere
Montag, 21.07.2014 // 18:53 Uhr

Kiel. Bestätigen will es keiner, unterschrieben ist der neue Vertrag noch nicht, aber es scheint beschlossene Sache zu sein: Wael "Willi" Jallouz wird den THW Kiel in den nächsten Tagen verlassen. Offenbar hat der FC Barcelona großes Interesse daran, den Rückraumspieler des Handballmeisters schon für die kommende Saison zu verpflichten.

Der spanische Rekordmeister, der in der heimischen Liga Asobal zuletzt sogar viermal in Folge den Titel gewann, lockt den 23-Jährigen angeblich mit einem ungewöhnlichen Vertrag. Demnach wird ihm, der im Juli 2013 aus Hammamet nach Kiel gewechselt war, schriftlich zugesichert, dass er bei den meisten Spielen in der spanischen Liga mindestens 30 Minuten lang mitwirken darf. Von solchen Garantien sollen lediglich die Spitzenspiele gegen Ademar Leon und Naturhouse La Rioja ausgenommen sein.

Die Katalanen schauen sich auch deshalb noch auf dem Transfermarkt um, weil die Zukunft von Nikola Karabatic unklar ist. Der 30-jährige Franzose kuriert derzeit die Folgen einer Thrombose in der Wade aus, die er sich zugezogen haben soll, als er trotz einer Verletzung im "Final4" der Champions League in Köln mitwirkte, in dem der hohe Favorit nur den dritten Platz belegt hatte. Außerdem soll er noch immer mit einem Wechsel zum französichen Spitzenverein Paris St.-Germain liebäugeln.

Für Jallouz hat der Wechsel in den Kader von Xavi Pascual auch angesichts der aktuellen Personaldichte im Rückraum der Kieler seinen Reiz. Als Zebra, das ist klar, würde er in der kommenden Saison voraussichtlich zumeist Zuschauer sein. Jallouz, der als "Willi" schnell die Herzen der Fans eroberte, fand in seinem ersten Jahr in der Bundesliga keinen Tritt. Der Sprung aus der tunesischen Liga in die stärkste der Welt war für den Rechtshänder zu groß. Am Saisonende, als die Zebras in einer beispiellosen Aufholjagd die Rhein-Neckar Löwen noch von der Tabellenspitze verdrängten, kam Jallouz gar nicht mehr zum Einsatz. Die Kieler hatten in diesen Wochen, in denen jedes Tor wichtig war, keine Zeit mehr, Auszubildende auf die Bühne zu holen. Trotzdem deutete der Nationalspieler immer wieder seine außergewöhnlichen Fähigkeiten an, unvergessen wird das Raunen in der Arena der Kieler bleiben, als er bei seinen gewaltigen Würfen abhob und den Eindruck erweckte, von der lästigen Schwerkraft befreit zu sein.

Um sich auch in taktischer Hinsicht weiterzuentwickeln, müsste ihm sein Vereinstrainer Alfred Gislason nun noch mehr Einsatzzeiten geben. Doch mit den Neuzugängen Domagoj Duvnjak, Joan Canellas (beide HSV) und Steffen Weinhold (Flensburg) verfügt Gislason inzwischen über acht Rückraumspieler - auch für den THW, der in allen drei Wettbewerben um den Titel mitspielen will, ist eine Nummer acht aber mindestens einer zu viel. Zumal Gislason jede Minute benötigen wird, neben den Neuen auch seinen Mittelmann Rasmus Lauge in das System einzubauen. Der Däne, im Sommer 2013 aus Silkeborg gekommen, hatte in seiner ersten THW-Saison gerade den Anschluss geschafft, als ihn ein Kreuzbandriss aus der Bahn warf.

Zudem entschieden die THW-Verantwortlichen, Mittelmann Aron Palmarsson (Vertrag ab 2015 in Veszprem) nicht vorzeitig zum ungarischen Meister wechseln zu lassen, um mit ihm, Kapitän Filip Jicha (linker Rückraum) und Marko Vujin (rechts), dem Torschützenkönig der abgelaufenen Bundesliga-Saison, zumindest eine eingespielte Rückraumachse zu haben. Gut möglich, dass die Zebras bereits am Sonnabend ohne Jallouz ihr erstes Testspiel bestreiten werden. Das Team von Alfred Gislason tritt in der noch nicht ausverkauften Schweriner Kongresshalle (18 Uhr) gegen die Nationalmannschaft Russlands an.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 21.07.2014)

 

Mehr zum Thema

Hannover/Kiel. Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagnachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. "Er war sehr erfreut über die Entscheidung", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop....

20.02.2018

Kiel/Hannover. Heute entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Hannoveraner Flughafenhotel über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop. Im Mittelpunkt des Handball-Gipfels steht das Ergebnis der Analyse des desaströsen EM-Abschneidens, die Sportvorstand Axel Kromer nach Informationen unserer Zeitung mittags dem zehnköpfigen DHB-Präsidium vorstellen wird. Alles...

19.02.2018

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018