Super Cup am Dienstag gegen die Füchse

Vorbericht
Sonntag, 17.08.2014 // 13:44 Uhr

Die Handball-freie Zeit hat endlich ein Ende: 87 Tage nach dem dramatischsten Bundesligafinale der Geschichte startet die Spielzeit 2014/15 traditionell mit dem Super Cup zwischen dem deutschen Meister und dem DHB-Pokalsieger. In der Stuttgarter Porsche-Arena duellieren sich somit der THW Kiel und erstmals die Füchse Berlin um den ersten Titel der Saison. Die Partie wird um 20.15 Uhr angepfiffen, Sport1 überträgt live.

THW ist Rekord-Supercup-Gewinner

Seit 2005 haben die „Zebras“ keinen Super Cup mehr ausgelassen, die erstmals in Stuttgart ausgetragene Saisoneröffnung ist somit der 10. Start in Folge für die Kieler, die von den letzten neun Ausgaben fünf gewannen. Insgesamt stehen 17 Teilnahmen (bei 21 Austragungen) und bislang sieben Siege für den THW zu Buche, der damit auch in diesem Wettbewerb Rekordchampion ist. Im letzten Jahr indes ging der Pokal in Bremen an die SG Flensburg-Handewitt, THW-Neuzugang Steffen Weinhold ist somit als einziger „Titelverteidiger“ am Dienstag am Start.

Füchse holten ersten Titel

Im April gewannen die Füchse in Hamburg den DHB-Pokal.

Die Berliner sind hingegen erstmals beim Super Cup dabei. Hinter den Füchsen liegen aufregende Monate, seit Manager Bob Hanning seinem Team im Januar 2013 einen Umbruch verordnete. Die vergangene Spielzeit schloss man zwar letztlich mit Platz 5 in der Liga und damit der schlechtesten Platzierung seit vier Jahren ab, sie wurde aber zurecht dennoch größtenteils als Erfolg gewertet. Dies lag einerseits an einer starken Hinrunde, die die neu formierte Füchse-Mannschaft mit Tuchfühlung zur Spitze und nur acht Minuspunkten sogar noch vor den Rhein-Neckar Löwen abschloss. In erster Linie aber am etwas unverhofften DHB-Pokalsieg in Hamburg bei der Berliner Final-Four-Premiere in der o2-World, als man die favorisierte SG Flensburg-Handewitt im Endspiel mit 22:21 niederrang – der erste Titel der Vereinsgeschichte war damit gesichert.

Neuzugänge überzeugten

Auch wussten die Neuzugänge größtenteils zu überzeugen. Die schwedische Flügelzange um Fredrik Petersen und Mattias Zachrisson avancierte zum Torgaranten, und auch der aus Sävehof gekommene Landsmann Jesper Nielsen sorgte sowohl am eigenen als auch am gegnerischen Kreis für Aufsehen. Und dann gab es noch den kometenhaften Aufstieg des Eigengewächses Fabian Wiede: Der 19-jährige Linkshänder spielte sich als Backup von Konstantin Igropulo im rechten Rückraum bereits ins Blickfeld der deutschen Nationalmannschaft. Dass der tschechische Rückraumkanonier Pavel Horak hingegen – auch gebeutelt durch diverse Verletzungen – noch keine echte Verstärkung für die Füchse darstellte, konnte verschmerzt werden.

Enttäuschung im EHF-Pokal

Talentfuchs Paul Drux will in dieser Saison durchstarten.

Doch gab es auch einige Rückschläge für die Mannschaft: In der Rückrunde der Liga setzte es nicht nur eine peinliche Niederlage in Eisenach, auch der Saisonausklang mit der Heimniederlage gegen den dadurch sportlich endgültig geretteten Bergischen HC und der deutlichen Klatsche in Kiel, die dem THW auf dem letzten Drücker doch noch die 19. Meisterschaft einbrachte, sorgte für kritische Stimmen bei der Konkurrenz und den Medien. Der Einbruch auf der Zielgeraden hatte aber seine Gründe: Zum einen ging es für die Bundeshauptstädter um nichts mehr, zum anderen hatten sie viele Verletzte zu beklagen. Und dann gab es da noch die große Enttäuschung am Wochenende vor den beiden abschließenden Pleiten, als die Berliner im eigenen Fuchsbau das Final4 um den EHF-Pokal verbockten. Das von Hanning und Trainer Dagur Sigurdsson verinnerlichte „Underfox“-Image wurde hierfür extra abgelegt, die Gastgeber sahen sich selbst als Turnierfavoriten. Doch mit dieser Rolle kam die Mannschaft von Kapitän Iker Romero nicht klar und scheiterte bereits im Halbfinale am späteren Sieger SC Szeged. „Wir müssen uns selbst Vorwürfe machen: Das geht von der Abwehr über die Torhüter bis hin zum Angriff“, fand Sigurdsson nach der 22:24-Niederlage gegen die Ungarn deutliche Worte, und Hanning ergänzte, man habe den Druck der Favoritenrolle „als Gegenwind und nicht als Rückenwind verstanden“.

Romero verlängert Abschiedstour

Iker Romero saß bereits auf gepackten Koffern.

Die Kaderplanung hatte der neue DHB-Pokalsieger eigentlich schon zeitig abgeschlossen: Die beiden Riesen-Talentfüchse und frisch gebackenen U20-Europameister Fabian Wiede und Paul Drux erhielten Fünf-Jahres-Verträge, mit Rechtsaußen Willy Weyhrauch und Keeper Angelo Grunz zudem zwei weitere Jugendspieler an die Bundesligamannschaft herangeführt. Doch das Personalkarussell drehte sich dann doch mehr: Als Sven-Sören Christophersen kurz vor Saisonende seinen Wunsch äußerte, im Sommer zur TSV Hannover-Burgdorf zu wechseln, wurden dem in den vergangenen Jahren häufig verletzten Nationalspieler keine Steine in den Weg gelegt. Stattdessen wurde die geplante Verabschiedung von Kapitän Iker Romero kurzfristig abgesagt. Der 33-Jährige, der bereits seine Wohnung und seine Versicherung gekündigt und sein Auto nach Spanien verfrachtet hatte, hängt noch ein Jahr bei den Füchsen ran. „Er ist wie ein Ziehvater für die jüngeren Spieler, und er kann sie fördern“, adelte Hanning seinen Kapitän, den er zum Bleiben überzeugen konnte, „obwohl die teure Rotweinflasche für den Abschied bereits getrunken war“. Sonderlich schwer fiel Romero die Entscheidung zum Verbleib in der deutschen Bundeshaupstadt aber nicht: „Ich war die vergangenen drei Jahre sehr zufrieden. Es waren die schönsten meiner Karriere.“

Nenadic ersetzt Jaszka

Petar Nenadic unterschrieb einen Ein-Jahres-Vertrag.

Das größte Sorgenkind der Füchse indes ist Spielmacher Bartlomiej Jaszka. Der Pole plagte sich bereits seit längerer Zeit mit einer Schulterverletzung herum, nach einer weiteren Operation im Juli stand fest, dass der Regisseur erst nach der WM-Pause sein Comeback wird geben können. Nachdem die Berliner zuvor bereits mit einer Verpflichtung des Hamburgers Kentin Mahé geliebäugelt hatten, der Wechsel aber nach der finanziellen Rettung der Hansestädter nicht zustande kam, konnten sie aber mit dem Serben Petar Nenadic einen prominenten Ersatz präsentieren. Der ältere Bruder des Flensburgers Drasko spielte einst zusammen mit Iker Romero in Barcelona und zuletzt in Polen für Orlen Wisla Plock. Der 28-Jährige Nenadic sei allerdings ein ganz anderer Spielertyp als Jaszka. „Vielleicht hilft uns die Systemumstellung mit Nenadic weiter", hofft Sigurdsson. Die Taktik müsse etwas umgestellt werden, was Spielraum für neue Varianten gebe. Langfristig allerdings scheint man in Berlin mit dem Serben nicht zu planen, präsentierte der Verein doch mit dem Kroaten Drago Vukovic vom TuS N-Lübbecke einen hochkarätigen Rückraumspieler zur nächsten Saison. „Wir wollten ihn schon immer nach Berlin holen und freuen uns, dass es zur nächsten Saison geklappt hat", freute sich Hanning über die Verpflichtung. Der 31-Jährige erhält einen Drei-Jahres-Vertrag bei den Füchsen, unter welchem Trainer er dann spielen wird, ist indes noch nicht klar: Dagur Sigurdsson nahm bekanntlich die Offerte des DHB an und betreut ab sofort auch die deutsche Nationalmannschaft, ehe sein Vertrag mit dem Bundesligisten im Sommer 2015 aufgelöst wird und sich der Isländer ganz aufs Auswahlteam konzentrieren kann.

Auch Spoljaric fällt aus

Personell gebeutelt schleppten sich die Füchse so durch die Vorbereitung, zumal auch Romero mehrere Wochen pausieren musste und Drux und Wiede bei der Junioren-Nationalmannschaft verweilten. Dennoch setzte die Mannschaft einige Ausrufezeichen, trennte sich zweimal vom personell aufgerüsteten SC Magdeburg unentschieden und erreichte jeweils das Endspiel beim stark besetzten Heide-Cup sowie beim Sparkassen-Cup in Ehingen. Dabei präsentierte sich besonders Petar Nenadic schon in Torlaune und gut integriert ins Füchse-Team, auch Drux und Wiede sorgten viele Akzente. Für den THW Kiel steht also am Dienstag eine schwere Aufgabe auf dem Plan, auch wenn mit Denis Spoljaric aufgrund einer Handverletzung auch noch der Abwehrchef rund drei Monate auszufallen droht.

Kieler Nachrichten: Gelingt dem THW Kiel beim Supercup die Punktlandung?

Kiel. Es geht los! Heute (20.15 Uhr, live bei Sport1) startet die Handball-Bundesliga in eine neue Saison. Anlass ist der Supercup, in dem Meister und Pokalsieger des Vorjahres aufeinander treffen. In der Regel ist dies in beiden Fällen der THW Kiel, diesmal gibt es in der ausverkauften Porsche-Arena in Stuttgart die Ausnahme: Die Zebras wurden zwar zum 19. Mal Meister, den Pokal gewannen allerdings erstmals die Füchse Berlin.„Wir haben Geschmack daran gefunden, einen Pokal zu gewinnen“, sagte Dagur Sigurdsson, jener Trainer, der sich nun ein Jahr lang um die Füchse und die kriselnde Männer-Nationalmannschaft des Deutschen Handball-Bundes kümmern soll. Keine optimale Situation, wie der 41-jährige Isländer befindet. „Da wird man im Kopf ein wenig verrückt“, verriet er dem Tagesspiegel. „Aber wenn meine Frau nicht jammert, dann sollte keiner jammern.“ Gründe hätte er, fallen ihm doch mit Mittelmann Bartlomiej Jaszka und Abwehrchef Denis Spoljaric verletzungsbedingt zwei zentrale Spieler aus. Für Jaszka fanden die Füchse beim polnischen Spitzenverein Wisla Plock kurzfristig Ersatz. Petar Nenadic ist einer, der laut THW-Trainer Alfred Gislason an guten Tagen auf Weltklasse-Niveau Bälle verteilen kann. An schlechten, das lässt sich zwischen den Zeilen lesen, ist der Serbe dagegen keine große Hilfe für die Berliner.Auch den THW, der heute Vormittag nach Stuttgart fliegt, plagen Verletzungsprobleme. So wird Mittelmann Aron Palmarsson (Zerrung) ausfallen, hinter Rene Toft Hansen steht noch ein Fragezeichen. Der Däne knickte am Freitag beim mit 28:31 verlorenen Testspiel gegen Paris St.-Germain um. Sollte der Kreisläufer ausfallen, würde Fynn Ranke nachrücken.Große Lust, über den peinlichen Auftritt seiner Mannschaft in der zweiten Paris-Halbzeit zu sprechen, verspürte Gislason auch drei Tage danach noch nicht. „Ich war wenig begeistert darüber, dass wir die mit zehn Toren verloren haben“, sagte Gislason. „Einige meiner Spieler waren aber so gut wie tot.“Er räumte ein, im Training möglicherweise die Zügel zuletzt ein wenig zu straff angezogen zu haben. Am Mittwochabend verlor der THW ein Testspiel beim dänischen Erstligisten BSV Bjerringbro/Silkeborg mit 32:34, am Vormittag hatte Gislason seine Mannschaft noch einmal in die Trainingshalle gebeten. „Vielleicht war das zu viel“, sagte er. „Aber der Plan war, beim Supercup fit zu sein. Klappt das nicht, dann bin ich schuld.“ Besonders Neuzugang Domagoj Duvnjak scheint die intensive Vorbereitung tief in den Knochen zu stecken, der vom HSV gekommene Welthandballer warf in den beiden letzten Testspielen kein einziges Tor.Vor neun Tagen zeigte die neuformierte Zebraherde allerdings, zu welchen Leistungen sie in der Lage ist, wenn Körper und Geist gleichzeitig willig sind: Im Finale des Klaus-Miesner-Turniers in Ilsenburg lieferten sie gegen die Rhein-Neckar Löwen (29:23) eine starke Leistung ab.„Ich habe sehr müde Beine“, bestätigte Marko Vujin, der wie Duvnjak am Sonnabend den Fanklub „Zebrasprotten“ besucht hatte, der im Raisdorfer Hotel „Rosenheim“ seinen 25. Geburtstag feierte. „Aber jetzt schlafe ich einen ganzen Tag, dann bin ich gegen Berlin wieder fit.“

Auch Filip Jicha freut sich auf den Supercup. „Mit diesem Spiel endet traditionell die Vorbereitung, das ist eine gute Nachricht“, sagte der Kapitän, der seine Kollegen nach dem Paris-Spiel in die Pflicht nahm. „Wenn alle müde sind, dann müssen wir uns mehr helfen.“ Es ginge für sie in allererster Linie darum, als eine Einheit aufzutreten.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 19.08.2014)

Kieler Nachrichten: THW-Splitter

Fuchsbau – Der Supercup war für die Zebras schon während des Trainingslagers in der Landessportschule in Osterburg (Altmark) Alltag: Schwimmbad und Restaurant hießen „Zum Fuchsbau“ - so nennt der Pokalsieger seine Max-Schmeling-Halle.Rekord – Der siebenmalige Champion THW Kiel nimmt zum zehnten Mal im Folge am Supercup teil, die Berliner sind Debütanten. Die erste Auflage gab es 1994, damals verlor der THW gegen die SG Wallau-Massenheim mit 20:24. Bei bislang 21 Auflagen fehlte der THW nur viermal.Besuch – Auf der Ehrentribüne wird unter anderem Sven Ulreich, Torhüter des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart, sitzen. Der 26-Jährige versuchte sich einst im Rahmen einer Schul-AG als Kreisläufer. „Ich erwarte ein spannendes Spiel, das am Ende der THW gewinnt.“Favorit – Klare Sache: Der THW ist auf allen Tippzetteln vorne. Bei einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa erklärten alle Bundesliga-Trainer die Zebras zum klaren Meisterschaftskandidaten.

Debüt – Die Porsche-Arena in Stuttgart ist erstmals Schauplatz des Supercups zwischen Meister und Pokalsieger. Unmittelbar zuvor spielen die Württemberger ihren Supercup aus: Meister SV Remshalden trifft auf den Pokalsieger TSB Horkheim.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 19.08.2014)

 

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