THW-Doppelsieg: Jicha vor Wiencek Kiels "Sportler des Jahres"

Hatte Spaß mit den "Personen der Zeitgeschichte": THW-Maskottchen Hein Daddel.
Glückwunsch zum zweiten Platz: "Überhaupt nominiert gewesen zu sein, ist schon eine riesige Auszeichnung".
Große Bühne für Patrick Wiencek: Brgitta Grundwald (KN) nannte den Kreisläufer "sanften Riesen" - was Filip Jicha offensichtlich amüsierte.
Spannung vor der Bekanntgabe des Ergebnisses: Patrick Wiencek, Filip Jicha und Lisa Müller-Ott.
Die begehrte Trophäe ging zum zwölften Mal in Folge an einen THW-Spieler.
Hein Daddel freut sich, beim KN-Quiz aus dem Publikum die richtige Antwort auf die Frage gehört zu haben, seit wann beim THW Kiel Handball gespielt wird: 1923.
Aufmerksamer Ehrungsteilnehmer: Hein Daddel verfolgte interessiert die Zeremonie beim Jahresempfang der Kieler Nachrichten.
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Donnerstag, 20.11.2014 // 15:57 Uhr

Filip Jicha ist erneut Kiels „Sportler des Jahres“! Bei der Sportlerehrung im Rahmen des traditionellen Jahresempfangs der Kieler Nachrichten im Kieler Schloss nahm der Kapitän des THW Kiel bereits zum dritten Mal in Folge die Trophäe in Empfang. Wie in den vergangenen elf Jahren feierten die "Zebras" bei der wichtigsten Sportlerwahl der Landeshauptstadt einen Doppelsieg: THW-Kreisläufer Patrick Wiencek verwies Holstein-Fußballer Marc Heider auf Platz drei.

Gefragter Hein Daddel

Die Gewinner der Sportlerwahl mit Hein Daddel: Patrick Wiencek, Marc Heider, Filip Jicha und Lisa Müller-Ott.

Vor der mit Spannung erwarteten Sportlerehrung hatte KN-Geschäftsführer Sven Fricke die rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion, Kultur und Sport mit auf eine Zeitreise durch die 150-jährige Kieler Zeitungsgeschichte genommen. THW-Maskottchen Hein Daddel hatte derweil viel Spaß mit den kostümierten „Zeitzeugen“, die die lange Geschichte der Zeitung anschaulich machten. Natürlich war Hein Daddel auch bei den Prominenten gefragt, die sich nur zu gern mit dem Zebra der "Zebras" fotografieren ließen.

Wiencek aus dem Teambus zur Ehrung

Förmlich greifbar war unterdessen die Spannung, als Brigitta Grunwald von den KN die für die Wahl zu Kiels „Sportler des Jahres“ nominierten Athleten auf die Bühne bat. Mit dabei waren unter anderem Medaillengewinner bei Welt- und Europameisterschaften oder deutsche Meister - in Sportarten von "A" wie American Football bis "W" wie Windsurfen. Nach Marc Heider, der als erster Fußballer überhaupt auf das Treppchen gewählt wurde, bekam Patrick Wiencek seinen wohlverdienten Applaus. Wiencek hatte es sich nicht nehmen lassen, als "Newcomer" im Kreis der Nominierten persönlich zur Ehrung zu erscheinen, obwohl er erst zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung mit dem Bus von der siegreichen, mehrtägigen Paris-Göppingen-Auswärtstour zurückgekommen war.

Wiencek: "Platz zwei macht mich stolz"

Spannung vor der Bekanntgabe des Ergebnisses: Patrick Wiencek, Filip Jicha und Lisa Müller-Ott.

Für seinen Einsatz belohnten ihn die Leser der Kieler Nachrichten und die Kunden der Kieler Volksbank, die per Coupon und online die Kieler "Sportler des Jahres" wählen konnten, mit dem zweiten Platz. "Hier stehen zu dürfen, ist ein schönes Gefühl. Auf Platz zwei gekommen zu sein, macht mich stolz." Gleichwohl sieht der 25-Jährige in der Wahl des THW-Duos auf die beiden Siegerpositionen auch eine Anerkennung der Kieler für die Leistung der gesamten THW-Mannschaft. "Ohne unsere Mannschaftskollegen würde weder Filip noch ich hier stehen. Wenn Filip die Trophäe gewinnt, haben wir also alle gewonnen."

Jicha hofft auf baldiges Comeback

Das sah der Kapitän genauso: „Der Preis ist auch ein Dank der Kieler an unsere Mannschaft, die es mir ermöglicht hat, hier zu stehen. Zugleich ist er aber auch eine Auszeichnung für den Handball insgesamt in dieser tollen Stadt und für all die Menschen, die uns unterstützen.“ Filip Jicha freute sich sichtlich über die erneute Ehrung. „Diese Auszeichnung liegt mir nach all den Jahren in Kiel besonders am Herzen“, erklärte der Tscheche, der im vergangenen Jahr "beinahe Unmenschliches" (Grunwald) geleistet und den THW Kiel im spannendsten Endspurt aller Zeiten trotz einer Fußverletzung zur Meisterschaft geführt hatte. Die Folge: Jicha musste sich kurz nach dem Saisonstart einer Operation unterziehen, die ihn mehrere Wochen außer Gefecht setzt. "Mein persönliches Ziel ist es, in dreieinhalb Wochen wieder zu spielen", machte Jicha den Anwesenden Hoffnung auf ein baldiges Comeback.

KN: Jicha setzt die Jagd auf den Wislander-Rekord bald fort

Den 27:25-Sieg seiner Kollegen gegen Paris St.-Germain am vergangenen Sonntag hatte Filip Jicha noch bei seinen Eltern in Pilsen vor dem Bildschirm verfolgt, am Montag kehrte der Kapitän des Handballmeisters THW Kiel in seine zweite Heimat zurück. „Ich brenne darauf, endlich wieder spielen zu können“, sagt der 32-Jährige, der auf vier Wochen Reha in Donaustauf (Bayern) zurückblickt. „Als ich hinfuhr, ging ich noch an Krücken, jetzt kann ich wieder schmerzfrei gehen.“

In der Klinik von Klaus Eder, Physiotherapeut der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, absolvierte der Tscheche nach seiner Sprunggelenksoperation Ende September ein intensives Aufbautraining. „Ich habe dabei noch einige andere Baustellen geschlossen“, sagt Jicha, der die Zeit nutzte, um sich „endlich einmal wieder“ intensiv im Kraftraum zu quälen. „Ich fühle mich richtig fit.“ An der nötigen Dynamik würde es ihm noch fehlen, sagt er, der in diesen Tagen wieder ins Mannschaftstraining einsteigt: „Aber daran werde ich jetzt arbeiten. In dreieinhalb Wochen will ich wieder spielen, das ist mein Ziel.“ Spätestens im Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf am 14. Dezember möchte er seine Zebras wieder als Kapitän in die Halle führen, unter Druck setzt er sich aber nicht. „Es hat ja auch ohne mich in den vergangenen Wochen ganz gut geklappt.“

Seinen Kollegen zollte der Kapitän gestern ein großes Lob, besonders den Neuen im Kader: Joan Canellas, Domagoj Duvnjak und Steffen Weinhold. Da er und Aron Palmarsson in dieser Saison lange ausgefallen seien, habe dieses Trio im Rückraum schnell Verantwortung übernehmen müssen. „Das ist auch für Klassespieler nicht so einfach, denn man nimmt ja nicht einen Ball und spielt los. Aber es zeichnet den THW halt aus, dass die Neuen so schnell angekommen sind.“

Filip Jicha wechselte im Sommer 2007 vom TBV Lemgo nach Kiel, um hier erst einmal im Schatten des Franzosen Nikola Karabatic zu stehen. Der THW hatte gerade zum ersten Mal die Champions League gewonnen. Nach einer eher unauffälligen Saison, die auch im Zeichen einer schweren Knieoperation stand, entwickelte sich Jicha mehr und mehr zum Kopf der Zebraherde. In der ewigen Torjägerliste des Rekordmeisters belegt er mit 1268 Bundesliga-Toren mittlerweile Rang zwei hinter „Max“ Wislander (1332). Sein Vertrag läuft im Juni 2016 aus, er hat die Option, um ein weiteres Jahr zu verlängern. „Ich müsste schon beide Hände verlieren, um die nicht zu ziehen“, sagt der Welthandballer von 2010, „aber sollte ich dem Verein keine Hilfe mehr sein, dann gehe ich“. Die Tage in Donaustauf dürften allerdings eher dafür gesorgt haben, dass der zweifache Familienvater den Zebras im weiteren Saisonverlauf eine sehr große Hilfe sein wird.

(aus den Kieler Nachrichten vom 21.11.2014)

 

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