Wieder in der Heimat: Für Thorsten Storm schließt sich der Kreis

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Donnerstag, 05.06.2014 // 12:48 Uhr

Thorsten Storm kehrt als Geschäftsführer zum THW Kiel zurück. Der Handball-Manager hat bei den Zebras ab 2015 einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben. Dort war der Nordfriese bereits sieben Jahre bis 2002 als Marketingleiter tätig. Über die Stationen SG Flensburg-Handewitt (bis 2007) und Rhein-Neckar Löwen schließt sich für den 49-jährigen Storm nun der Kreis.

"Absoluter Wunschkandidat"

"Thorsten Storm hat sich als Manager in Flensburg und bei den Löwen ein hohes Renommee erarbeitet, das uns alle sehr beeindruckt hat. Obendrein kennt er Kiel und ist der absolute Wunschkandidat des gesamten Aufsichtsrates. Wir freuen uns wirklich sehr, dass wir Thorsten Storm für den THW Kiel gewinnen konnten", erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Klaus-Hinrich Vater. "Thorsten Storm gehört seit Jahren zu den Top-Managern der Bundesliga, mit ihm hat der THW einen absoluten Hochkaräter an Land gezogen, der die Position des Geschäftsführers optimal ausfüllen wird. Toll, dass er sich für uns entschieden hat", unterstreicht Dirk Lütje, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses.

Storm: "Freue mich auf die Aufgabe"

"Es war klar, dass meine Familie und ich irgendwann wieder in den Norden zurückkehren werden. Nun wird es bald soweit sein und ich freue mich auf die Aufgabe bei diesem tollen Verein THW Kiel. Für mich ist die Motivation mindestens genauso groß wie die Herausforderung selbst", sagt Thorsten Storm und fügt an: "Die Metropolregion Rhein-Neckar ist in den zurückliegenden sieben Jahren für uns zu einer zweiten Heimat geworden. Ich habe bei den Rhein-Neckar Löwen eine richtig tolle Zeit verbracht, in der ich unheimlich viel gelernt habe."

Gislason: "Storm wird dem THW guttun"

THW-Coach Alfred Gislason betont: "Thorsten Storm und ich kennen und schätzen uns schon lange. Er wird dem THW guttun. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit." Ebenso wie THW-Kapitän Filip Jicha: "Thorsten Storm ist einer der erfahrensten Manager im Handball, er wird hervorragend zu uns passen."

KN-Update: Der Licht- und Schattenmann

Handballmeister THW Kiel verpflichtet Thorsten Storm. Selten dürfte eine Nachricht in einem Verein so widersprüchliche Emotionen ausgelöst haben wie diese. Die Fans laufen Sturm gegen Storm, haben sie ihm doch unter anderem seine Rolle in der Manipulationsaffäre nie verziehen.

Der Aufsichtsrat, der diesen Coup in aller Stille einfädelte, feiert dagegen die Verpflichtung des 49-Jährigen, der in seiner Sportart als Manager Nummer eins gilt und einen ab 1. Juli 2015 gültigen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. Storm, in Kellinghusen geboren, steht bis dahin noch beim Vizemeister unter Vertrag. Schwer vorstellbar, dass er diesen erfüllt, wetteifern doch beispielsweise beide Vereine um die Künste von Torwart Niklas Landin (Vertrag bis 2015 bei den Löwen). In Kiel besteht zudem dringender Handlungsbedarf. Vorgänger Klaus Elwardt erklärte am Dienstag seinen Rücktritt zum 30. Juni, in der Marketingabteilung sucht der Rekordmeister nach dem Abschied von Stefan Adam bereits seit neun Monaten vergeblich einen neuen Kopf. Storm, der Marketingchef des THW war, bevor er 2002 Manager der SG Flensburg-Handewitt wurde, könnte auch in diesem Bereich Abhilfe schaffen.

Bei der Akquise und Pflege von Sponsoren hat der Fußball-Drittligist Holstein Kiel den Handballern in der Stadt mittlerweile den Rang abgelaufen. Treibende Kraft bei den Störchen ist Storms langjähriger Weggefährte Wolfgang Schwenke. Storm war es, der Schwenke im September 2008 als Interimstrainer verpflichtete. Gemeinsam führten sie die Löwen in die Halbfinals des DHB-Pokals und der Champions League, Endstation waren jeweils die Zebras.

Storm kennt den THW nicht nur aus seiner siebenjährigen Tätigkeit in der Marketingabteilung, während der er unter anderem das Maskottchen "Hein Daddel" erfand. Er stand auch als Rechtsaußen eine Saison im Kader, ohne dort aber sonderlich aufzufallen. "Es war klar, dass meine Familie und ich irgendwann wieder in den Norden zurückkehren werden", sagte Storm, der verheiratet ist und zwei Kinder hat. "Nun wird es bald soweit sein. Ich freue mich auf die Aufgabe bei diesem tollen Verein." Die Eltern des Nordfriesen leben in Leck, die seiner Ehefrau Franca in Kiel.

In Mannheim hinterlässt er nach turbulenten Jahren ein bestelltes Feld. Nach dem Rückzug des eigenwilligen Mäzens Jesper Nielsen, der sich vergeblich bemühte, mit seinen Millionen die Löwen zu einer Top-Adresse zu machen, sanierte er den hoch verschuldeten Verein. Mit geschickten Transfers stellte er mit Trainer Gudmundur Gudmundsson zudem einen Kader zusammen, der in der vergangenen Saison die erste Meisterschaft in einem dramatischen Wettrennen mit dem THW Kiel nur um zwei Tore verpasste. Der Vertrag mit dem Sportvermarkter IMG, der den Löwen pro Jahr sechs Millionen Euro einbringen soll, war für ihn der Schlusspunkt hinter den Aufräumarbeiten. Offenbar auch ein guter Zeitpunkt, um sich eine neue Aufgabe zu suchen.

"Thorsten Storm hat sich als Manager in Flensburg und bei den Löwen ein hohes Renommee erarbeitet, das uns alle sehr beeindruckt hat", sagte Klaus-Hinrich Vater, der Vorsitzende des fünfköpfigen Aufsichtsrates. "Er ist unser absoluter Wunschkandidat." Die Fans des Rekordmeisters sehen diesen spektakulären Coup, der die gesamte Handballszene überraschte, mit deutlich weniger Euphorie. Für sie ist Storm im Rahmen der Manipulationsaffäre zur Unperson geworden. Die Nachricht trifft sie außerdem zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Aus ihrer Sicht verliert der Kult-Verein zunehmend seine Seele. Den Anfang machte vor sechs Jahren die Umbenennung der Halle. Jeder Spieler, der bei seiner Abschiedsrede das Wort "Ostseehalle" einbaut, wird auch heute noch frenetisch gefeiert. Viele Idole wie Stefan Lövgren, Marcus Ahlm, "Pitti" Petersen - für den der Verein keine sinnvolle Verwendung fand - und zuletzt Christian Zeitz sind gegangen. Allmählich gehen den Fans die Identifikationsfiguren aus. Einige der neuen kommen nun von dem bei ihnen so unbeliebten HSV Hamburg, der in diesen Tagen abgewickelt wird. Um sie zu sehen, müssen viele von ihnen in der kommenden Saison auch noch mehr Geld bezahlen. Viele Nüsse, die der Verein derzeit zu knacken hat. Offenbar hat der Aufsichtsrat bei der Art und Weise, wie er die Verpflichtung von Storm bekannt gab, die Fans unterschätzt. Sie sind in Kiel besonders sensibel, eine Eigenschaft, die sie aber zum besten Handball-Publikum der Welt werden ließ.

Trainer und Mannschaft des THW begrüßten dagegen gestern die Storm-Verpflichtung. "Wir kennen und schätzen uns schon lange", sagte Alfred Gislason. "Er wird dem THW guttun." Ähnlich äußerte sich Kapitän Filip Jicha. "Er ist einer der erfahrensten Manager im Handball, er wird hervorragend zu uns passen."

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 06.06.2014)

KN-Kommentar: Die perfekte Wahl

Dem THW Kiel ist mit der Verpflichtung von Thorsten Storm ein Coup gelungen. Der Manager der Rhein-Neckar Löwen erfüllt alle Voraussetzungen, um dem Handballmeister auch abseits des Spielfeldes wieder Gesicht und Stimme zu verleihen. Storm hat in Mannheim Beachtliches aufgebaut, außerdem kennt er das Innenleben des THW bestens, in dessen Marketingabteilung er einst gearbeitet hat.

Er weiß um die unterschiedlichen Strömungen, die nach dem Rauswurf des bei den Fans sehr beliebten Uwe Schwenker nicht geringer geworden sind. In der Handballszene ist er neben Bob Hanning (Berlin) der einzige Manager, der noch in der öffentlichen Wahrnehmung stattfindet. Der THW Kiel, Deutschlands Nummer eins, hat auch den Auftrag, seine Sportart zu entwickeln. Nach dem Schwenker-Aus hatten die Verantwortlichen sich mehr und mehr zurückgezogen. Keine öffentliche Meinung zu haben, schien besser zu sein, als Gefahr zu laufen, etwas Falsches zu sagen. Mit Storm wird sich das ändern, und das ist gut so.

Allerdings: Im Manipulationsskandal spielte er eine unrühmliche Rolle. Die Fans haben ihm das nie verziehen, ihre Bedenken sind groß. Der Verein wäre gut beraten gewesen, sein spektakuläres Comeback mit mehr Fingerspitzengefühl vorzubereiten. Aber: Storm ist die perfekte Wahl. Nur die Liebe der Fans wird er sich hart erarbeiten müssen. Hilfreich könnte dabei sein, dass er es war, der einst Maskottchen "Hein Daddel" erfand

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 06.06.2014)

 

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