ZEBRA: Ein Lächeln erobert Kiel

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Donnerstag, 04.12.2014 // 09:16 Uhr

Acht Tore erzielte Joan Cañellas im Bundesliga-Heimspiel gegen den VfL Gummersbach, elf Tore beim 34:30-Erfolg bei Naturhouse La Rioja in seiner Heimat Spanien. Keine Frage: Der Neuzugang ist längst angekommen in seiner neuen, zweiten Heimat Kiel. Das Hallenmagazin "ZEBRA" porträtierte den 28-Jährigen in seiner Ausgabe zum Gummersbach-Spiel. Ein Lächeln erobert Kiel!

"Moin, Moin!"

"Moin, Moin!" Wenn Joan Cañellas den Raum betritt, bringt der Neuzugang des THW Kiel die Sonne mit. Zumindest kommt es einem so vor. Mit einem strahlenden Lächeln und der typisch-norddeutschen Grußformel geht der Spanier auf die Kieler zu. Der 28-Jährige, erst im Sommer aus Hamburg an die Förde gewechselt, fühlt sich offensichtlich wohl in seiner neuen Heimat - und das nicht nur sportlich.

"Ich lache gern und viel"

Wer Joan Cañellas begegnet, lässt sich gerne anstecken von der fröhlichen Art des Katalanen. Mit einem Lächeln absolviert er in diesen Wochen und Monaten das Hammer-Programm des THW Kiel. Und das liegt nicht nur an den überragenden Leistungen, die Cañellas zuletzt auf der Platte gezeigt hat. Er fühlt sich wohl an der Förde – und das merkt man. "Ich bin Mister Mai", stellte er sich lachend den Fans vor, die sich das Bild des Rückraumspielers im neuen THW-Kiel-Kalender signieren lassen wollten. "Sind die Menschen auch so freundlich, wenn man einmal nicht gut gespielt hat", fragte er eine junge Dame im "Zebra"-Trikot – und gab sich selbst augenzwinkernd die Antwort: "Ich glaube, in Kiel sind die Menschen generell sehr nett. Und wir versuchen in jedem Spiel, unser Bestes zu geben, damit das auch so bleibt." Dann strahlt der 28-Jährige Mittelmann wieder. "Das Leben ist viel zu kurz, um Trübsal zu blasen. Ich lache gerne und viel."

"Umzugsprofi" Cañellas

Wer den Neuzugang im Sommer traf, erlebte auch die andere, die nachdenkliche Seite von Joan Cañellas. Denn die vergangenen Jahre waren turbulent. 2011 zog sein Club aus Ciudad Real nach Madrid um - und Cañellas zog mit. Dann meldete Atletico Insolvenz an. Wieder musste er sich einen neuen Verein und eine neue Bleibe suchen. Er fand sie in Hamburg. Weil dort aber die sportliche Zukunft lange ungewiss war, folgte der erneute Wechsel. Dieses Mal an die Förde. "Ich bin es leid, jeden Sommer meine Wohnung in Kartons zu verpacken", hatte er kurz nach seiner Ankunft erzählt, während er in seiner neuen Wohnung mit Zeitungsseiten die Stellen markierte, wo die Umzugshelfer seine Möbel platzieren sollten. "Ich habe inzwischen einige Erfahrung damit, bin beinahe ein Umzugsprofi. Jetzt hoffe ich aber, hier viele tolle Jahre zu erleben."

"Kiel lebt für den Handball"

Persönlicher Torrekord: Im Heimspiel gegen Erlangen erzielte der 28-Jährige 14 Tore.

Der Grundstein ist gelegt. Nach einer schwierigen Anfangsphase ist Joan Cañellas aus der "Zebraherde" längst nicht mehr wegzudenken. Sein persönlicher Torrekord, 14 Treffer im Spiel gegen Erlangen, ist nur eines der Zeichen, dass der Katalane nach nur vier Monaten an der Förde längst angekommen ist in Kiel. "Ich war auf der Suche nach einer Mannschaft, mit der ich um alle Titel mitspielen kann. Ich denke, ich bin in Kiel dafür genau am richtigen Ort. Kiel lebt für den Handball. Was gibt es für einen Handballer Schöneres?" 

Etwas anderer Tagesablauf

Die gute Laune ist ansteckend. "Es ist ein toller Typ", sagt beispielsweise Rune Dahmke. "Er übernimmt Verantwortung auf dem Feld und ist wichtig für die gute Stimmung in der Mannschaft." Nur morgens, ergänzt Steffen Weinhold schmunzelnd, sei Cañellas noch nicht ganz in Top-Form. "Wenn die anderen im Bus frühstücken, vergräbt er sich gerne noch einmal in seinem Kissen. Er hat halt einen etwas anderen Tagesablauf."

"Schneller, stärker und fitter"

Dieser wird bestimmt vom Handball. "Es gibt nicht viele Mannschaften, bei denen so hart wie in Kiel trainiert wird", sagt Cañellas. "Aber das kommt meinem Ziel entgegen: Ich möchte in Kiel an meinen Schwächen arbeiten und ein besserer Spieler werden. Schneller, stärker und fitter." Und vielleicht, hofft er, können die Menschen dann auch seinen Namen richtig aussprechen. Wenn Cañellas ihn sagt, klingt es wie "Canjejas". Oder so ähnlich. "Ich habe mich daran gewöhnt, dass mein Name für deutsche Zungen schwierig ist. Deshalb rufen mich alle auch nur 'Cane'. Für mich ist die Aussprache meines Namens aber wesentlich leichter als zum Beispiel die von 'Selbstvertrauen'." Und dann strahlt Joan Cañellas wieder…

(Aus dem Hallenmagazin "ZEBRA", erschienen zum Bundesliga-Heimspiel gegen Gummersbach)

Zur Person: Joan Cañellas Reixach

Joan Cañellas Reixach wurde am 30. September 1986 in der 10.00-Einwohner-Stadt Santa Maria de Palautordera im Nordosten Spaniens geboren. Seine Karriere als Profihandballer startete er als 18-Jähriger bei BM Granollers. Nach nur einem Jahr verpflichtete der FC Barcelona den Rückraumspieler, mit dem er 2006 zum ersten Mal die spanische Meisterschaft und 2007 die "Copa del Rey", den Königspokal gewann. 2009 kehrte Cañellas zurück nach Granollers, um sich ein Jahr später Ciudad Real, dem späteren Atletico Madrid, anzuschließen. Mit diesem Club gewann der 1,98 Meter große Rechtshänder einen weiteren spanischen Meistertitel und auch den nationalen Pokal. Nachdem der Verein Insolvenz anmelden musste, ging der spanische Nationalspieler nach Deutschland: Er wechselte 2013 zum HSV Hamburg. Nach nur einem Jahr an der Elbe schloss sich der Katalane nun dem THW Kiel an. Der amtierende Weltmeister und Torschützenkönig der EM in Dänemark unterschrieb an der Förde einen Dreijahresvertrag. 

 

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