Heißer Test-Kampf im Glutofen: THW besiegt Erlangen

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Mittwoch, 05.08.2015 // 20:37 Uhr

Der THW Kiel hat eine erste Feuertaufe bestanden: Ersatzgeschwächt gewannen die "Zebras" zur Halbzeit des Trainingslagers beim Zweitligisten HC Erlangen mit 34:29 (16:16). Die Franken, die den sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga als Saisonziel ausgegeben haben und sich unter anderem mit dem Ex-Berliner Pavel Horak verstärkt haben, verlangten den Kielern in einer hart geführten Partie alles ab. Vor 2738 Zuschauern im "Glutofen" der Nürnberger Arena setzten sich die Kieler dann aber zwischen der 41. und 50. Minute mit einem 6:0-Lauf vorentscheidend ab.

Verspäteter Anpfiff

Erst einmal nur interessierter Zuschauer: Neuzugang Rogerio Ferreira stieß nach seiner Teilnahme an der Junioren-WM in seiner brasilianischen Heimat erstmals zur "Zebraherde".

Die Partie konnte nur mit Verspätung angepfiffen werden. Daran schuld war allerdings nicht die Menge an angeschlagenen oder verletzten Kielern, sondern eine Vollsperrung auf der Autobahn 3, in der einige Spieler der Gastgeber steckengeblieben waren. So machte sich die "Zebraherde", die erneut ohne Christian Sprenger, Steffen Weinhold, Niklas Landin, Torsten Jansen und die Langzeitverletzten Filip Jicha und Dominik Klein auskommen mussten, ein wenig länger warm - obwohl die Sauna-Temperaturen in der Arena Nürnberg dies eigentlich nicht erfordert hätten. Mittendrin im Trubel waren zwei neue Gesichter: Rogerio Moraes Ferreira, Neuzugang aus Brasilien, war am Mittag zur Mannschaft gestoßen. Kurzfristig hatte Gislason ob der Verletztenmisere zudem Malte Abelmann-Brockmann vom Kooperationsparter TSV Altenholz für das Trainingslager nachnominiert.

Unentschieden zur Pause

Domgoj Duvnjak setzte seine Nebenleute gegen Erlangen einige Male gekonnt in Szene.

Trotz der erneut angespannten Personallage und der intensiven Trainingseinheiten begannen die "Zebras" konzentriert. Die Gastgeber hielten voll dagegen, und so entwickelte sich ein hartes Testspiel, in dem den "Zebras" alles abverlangt wurde. Nach zehn Minuten hatte Stranovsky für die Gastgeber zum 5:5 ausgeglichen, die erneute Kieler Zwei-Tore-Führung egalisierte Theilinger. Das Traumtor der Vorbereitung erzielte Rune Dahmke: Mit dem Rücken zum Tor fliegend drehte er den Ball am überraschten Stochl im HCE-Tor vorbei ins Netz. Eine artistische Aktion, die den THW zunächst zu beflügeln schien: Wiencek leistete Schwerstarbeit am Kreis und gehörte zu den Aktivposten, Domagoj Duvnjak setzte seine Nebenleute in Szene, und Marko Vujin traf - trotzdem sprang dabei nie mehr als eine Zwei-Tore-Führung heraus. Kurz vor dem Wechsel, als die Kieler etwas zu sehr am Fahrkartenschalter lösten, führten die Gastgeber durch einen Djozic-Doppelpack mit 16:14, was die Kieler aber bis zur Pause noch in einen 16:16-Halbzeitstand wandelten. 

STATISTIK: TESTSPIEL, 05.08.2015: HC Erlangen - THW KIEL: 34:29 (16:16)

THW Kiel:  Katsigiannis, Plaue; Duvnjak (4), Toft Hansen (1), Abelmann-Brockmann, Dissinger (1), Wiencek (8), Ekberg (5), Canellas (1), Dahmke (4), Williams, Vujin (7/3)

Zeitstrafen: 3/3 (Vujin, Dissinger, Toft Hansen)

Zuschauer: ca 2.738 (Arena Nürnberger Versicherungen, Nürnberg)

Die letzten Härtetests vor dem Saisonstart

Mit Zug zum Tor: Marko Vujin.

Am Freitag nun enden die harten Trainingslager-Tage am Standort des Teamausrüsters adidas. Von Herzogenaurach geht es dann noch weiter Richtung Süden: Die Teilnahme am Sparkassen-Cup (ehemals "Schlecker"-Cup) im schwäbischen Ehingen am 8. und 9. August beschließt das neuntätige Trainingslager. Beim Sparkassen-Cup treffen die "Zebras" in der Vorrunde am Sonnabend auf den Ligakonkurrenten Frisch Auf Göppingen (12.50 Uhr) und acht Stunden später auf den Champions-League-Vorrundengegner RK Zagreb (20.50 Uhr). Angesichts der zahlreichen angeschlagenen Spieler und der Dreifach-Belastung über jeweils 60 Minuten wird dieses Turnier-Wochenende erneut ein Kraftakt.

Mittwoch Heimpremiere gegen Barca!

Höhepunkt der Vorbereitung ist der "Unser Norden"-Cup am kommenden Mittwoch, 12. August (18.30 Uhr), in der heimischen Sparkassen-Arena. Erstmals präsentiert sich die "Zebraherde" dabei mit all ihren Neuzugängen den Fans. Für dieses Turnier sind bereits mehr als 6.500 Karten abgesetzt. Denn auch sportlich ist der "Unser Norden"-Cup 2015 eine echte Ansage: Der THW Kiel trifft auf den Erstliga-Aufsteiger SC DHfK Leipzig und zum ersten Mal seit 2011 im Gigantenduell auf den amtierenden Champions-League-Sieger FC Barcelona (jetzt Tickets ab 7 Euro sichern!). Gespielt wird im Modus jeder gegen jeden über jeweils 2x20 Minuten.

Gigantenduell zwischen Weltstars in Kiel

2738 Zuschauer füllten den Nürnberger Glutofen.

Barcelona reist mit seinem kompletten Kader an. Mit dabei sind die ehemaligen "Zebras" Gudjon Valur Sigurdsson und Wael Jallouz. Neben den beiden "Rückkehrern" wird der FC Barcelona von weiteren Weltstars in Kiel vertreten: Siarhei Rutenka, der bisher sechs Mal mit drei verschiedenen Vereinen die Königsklasse gewann und aktuell damit der erfolgreichste Vereins-Handballer der Welt ist, der mazedonische Shooter Kiril Lazarov, der französische Weltmeister und Olympiasieger Cedric Sorhaindo, die spanischen Weltmeister Raul Entrerrios und Daniel Sarmiento, die Top-Torhüter Danijel Saric und Gonzalo Perez de Vargas sowie die beiden Neuzugänge Marko Kopljar (kam aus Paris) und Kamil Syprzak (von Wisla Plock) sind Handball-Fans in aller Welt ein Begriff. Die "Zebras" starten durch - auf geht's in die Sparkassen-Arena, Kiel!

Starker Katsigiannis

Zeigte starke Paraden an alter Wirkungsstätte: Nikolas Katsigiannis.

Nach dem kurzen Luftschnappen in der Kabine ging der THW mit zwei Treffern in Führung und sollte diese bis zur 41. Minute verteidigen. Es folgte die stärkste Phase der "Zebras" in dieser Test-Partie: Neun Minuten lang blieb die defensive ohne Gegentreffer, was auch zahlreichen spektakulären Paraden von Nikolas Katsigiannis an seiner alten Wirkungsstätte geschuldet war. Im Angriff nutzte der THW die sich ihm bietenden Möglichkeiten konsequenter, und als Duvnjak aus halbrechter Position das 28:22 erzielte, war eine Vorentscheidung gefallen. Diese erlebten Joan Canellas und Christian Dissinger allerdings nur noch von der Bank aus: Der spanische Nationalspieler zog sich eine Fußverletzung zu, und Dissinger blieb mit einem Pferdekuss auf der Bank. So konnte sich nach 60 äußerst intensiven Testminuten gegen einen starken Gegner nur noch eine ganz kleine "Zebraherde" über den dritten Erfolg im dritten Vorbereitungsspiel freuen.

KN: THW kam nach Verspätung erst spät in Fahrt

Nürnberg. Der deutsche Meister war pünktlich, der HC Erlangen nicht. HC-Trainer Robert Andersson steckte mit einigen Spielern im Stau wegen einer Vollsperrung der Autobahn A3, so dass die Testpartie des THW Kiel beim Bundesliga-Absteiger gestern Abend mit einer knappen Viertelstunde Verzögerung angepfiffen wurde. So bekamen die Zuschauer zunächst nur die THW-Stars zu sehen, die beim Aufwärmen auf ihren Shirts Werbung für die Kieler Olympia-Bewerbung 2024 machten.

Danach gab es zunächst recht ansehnliche Handball-Werbung, die nach dem 16:16-Pausenstand mit einem 34:29-Sieg des Favoriten endete. Bei hochsommerlichen Temperaturen nahe der 30-Grad-Marke außerhalb der Halle der Nürnberg Ice Tigers konnte die unter dem Boden schlummernde Eisfläche nicht für Abkühlung sorgen. In der ersten Halbzeit führte Erlangen schnell 1:0, und der THW vermochte sich anschließend nicht auf mehr als zwei Tore abzusetzen. In der zweiten Halbzeit hielten die Erlanger die Partie bis zum 23:24 offen, ehe die Kieler für klare Verhältnisse sorgten und auf 29:23 davonzogen. Dabei beeindruckte besonders Patrick Wiencek die 2738 Zuschauer mit seiner körperlichen Präsenz am Kreis.

Alfred Gislason hatte mit Domagoj Duvnjak zentral und Christian Dissinger im linken Rückraum begonnen, ehe nach 20 Minuten Joan Canellas die Spielmacherrolle übernahm und Duvnjak die Dissinger-Position, was an der Verletzung des Neuzugangs lag, über die Gislason nach dem Abpfiff noch keine Auskunft geben konnte. Aber auch Canellas stand dem THW-Trainer nicht lange zur Verfügung. Der Spanier knickte um und schaute sich die Partie mit bandagiertem Fuß später von der Bank an. "Das hat meine Wechselmöglichkeiten, die ohnehin nicht groß waren, weiter eingeschränkt. Insofern bin ich mit der Leistung meiner Mannschaft sehr zufrieden", lautete das Fazit von Alfred Gislason.

(Von Gerhard Müller, aus den Kieler Nachrichten vom 06.08.2015)

 

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