Interview mit Marko Vujin: "Richtig glücklich in Kiel"

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Freitag, 16.01.2015 // 08:43 Uhr

Im vergangenen Jahr schrieb Marko Vujin THW-Geschichte: Mit 248 Toren sicherte sich der Linkshänder die Torjägerkrone in der DKB Handball-Bundesliga. Erstmals nach 34 Jahren erzielte wieder ein "Zebra" die meisten Treffer in der "stärksten Liga der Welt". Jetzt hat Marko Vujin seinen erst 2016 auslaufenden Vertrag vorzeitig um drei Jahre bis zum 30. Juni 2019 verlängert. Warum? Das erklärt er im Interview auf www.thw-handball.de.

Marko, als Du 2012 nach Kiel gewechselt bist, hast Du davon gesprochen, dass ein Traum in Erfüllung geht. Dieser Traum geht jetzt weiter – ein gutes Gefühl?

Marko Vujin: Ich bin richtig glücklich. Kiel ist eine Handballstadt. Das merkt man in jeder Sekunde, bei jedem Gespräch mit den Kielern. Handball ist hier ganz klar die Nummer eins. Das ist für einen Menschen wie mich, der seinen Sport liebt, das Größte. Ich fühle mich hier sowohl handballerisch als auch privat sehr, sehr wohl.

 

Zu Beginn war es aber nicht ganz leicht für dich, oder?

Die ersten Monate waren tatsächlich schwer. Ich musste eine neue Sprache lernen und nach sechs Jahren Angriff urplötzlich auch in der Abwehr spielen. Das war eine große Umstellung. Aber meine Mannschaft, Alfred Gislason und unsere Fans haben mir dabei geholfen, mich schnell heimisch zu fühlen. Auf und neben dem Platz.

 

Marko, anderthalb Jahre vor Vertragsende hast Du Deinen Kontrakt verlängert. Warum so früh?

Ich wollte frühzeitig Klarheit haben, ob und wie es weitergeht. Ich hatte auch Angebote von anderen Vereinen. In den vergangenen zwei Monaten haben mein Berater und ich viel mit Thorsten Storm und Alfred Gislason gesprochen. Der THW Kiel war für mich die erste, zweite und dritte Option. Denn wir haben eine tolle Mannschaft, die auch in den kommenden Jahren zu den besten Teams in Europa gehören wird. Jetzt bin ich froh und stolz, noch länger in dieser Mannschaft spielen zu können.

 

Was macht den THW Kiel aus?

Ich verbringe mehr als 60 Prozent meiner Zeit mit meinen Mannschaftsfreunden. Da ist die Stimmung untereinander sehr wichtig. Hier ist die Stimmung fantastisch, jede Reise mit den Jungs macht Spaß. Trotzdem verlieren wir nie unsere Ziele aus den Augen, und das sind Titel, Titel und noch einmal Titel. Ich habe in Kiel gelernt, dass jedes Spiel wichtig ist, dass man immer weitermachen muss, um erfolgreich zu sein. Das hat die Mannschaft verinnerlicht – und das gibt auch mir ein gutes Gefühl. Nehmen wir den Meisterschaftsendspurt im vergangenen Jahr: Vor der Saison hatten uns viele Experten nicht auf dem Meisterzettel. Und dann geben wir in jedem Spiel 1000 Prozent, spielen diese unglaubliche Serie und gewinnen zum 19. Mal die stärkste Liga der Welt. Ich bin mir sicher: So einen Endspurt kann nur der THW schaffen. Mit seiner Gewinnermentalität und den fantastischen Fans im Rücken. In diesem Moment haben alle erlebt, wie groß Kiel im Handball ist. Und ich bin durch diese unglaublichen Gefühle nach dem Schlusspfiff noch mehr Kieler als zuvor geworden. Man muss in Kiel gespielt haben, um das alles wirklich begreifen zu können. Ich bin so froh, in dieser historischen Stunde das THW-Trikot getragen zu haben.

 

Welche Rolle hat Alfred Gislason für Deine Entscheidung gespielt?

Eine große. Ich wollte unbedingt mit ihm weiter zusammenarbeiten. Ich will mich weiter verbessern, und Alfred ist dafür genau der richtige Trainer. Er kann jeden Spieler der Welt besser machen.

 

Alfred Gislason ist ein Fan der Statistik, und Du giltst als lebendes Handball-Statistikbuch. Wirst Du Dich auch 2019 an jedes Ergebnis hier in Kiel erinnern?

Ich glaube schon (er lacht). Handball ist mein Leben. Ich schaue jedes Spiel im Fernsehen und sauge alle Informationen auf, die ich bekommen kann. Dule (Domagoj Duvnjak, Anm. d. Red.) ist ähnlich positiv verrückt. Wir sehen uns oft Spiele gemeinsam im Fernsehen an, analysieren die Mannschaften und diskutieren darüber. Das macht Spaß. Handball ist eben auch ein wichtiger Bestandteil meines Privatlebens.

 

Wenn der Vertrag ausläuft, bist Du 34 Jahre alt. Beendest Du in Kiel Deine Karriere?

Für solch eine Aussage ist es viel zu früh. Ich habe jetzt in zweieinhalb Jahren in Kiel kein Training verpasst, aber man weiß im Sport nie, was morgen passiert. Wenn mein Körper es erlaubt, weiterhin auf hohem Niveau zu spielen – warum nicht? Letztlich entscheidet das mein Körper. Alfred sagt immer, dass es im Handball nicht alt oder jung, sondern nur gut oder schlecht gibt. Ich bin überzeugt davon, dass jetzt meine besten Handballer-Jahre kommen. Ich bin mental stärker geworden, spiele heute mehr mit Köpfchen. Jeden dritten Tag ein wichtiges Spiel zu haben, macht dich stärker.

 

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