KN: Andreas Palicka: Offenbar gibt es keinen Handball-Gott

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Dienstag, 17.03.2015 // 12:03 Uhr

Kiel. Handballmeister THW Kiel bezahlte die Gala im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League mit der Verletzung von Andreas Palicka. Der Schwede war am Sonntag beim 30:21 (16:9)-Sieg bis zu seiner Auswechslung in der 40. Minute ein überragender Rückhalt, zog sich dann aber einen Sehnenanriss im linken Oberschenkel zu und wird mindestens drei Wochen lang pausieren müssen.

Torhüter des Handballmeisters THW Kiel verletzte sich im CL-Achtelfinale gegen Flensburg

Nach einer Parade gegen Drasko Nenadic, dessen Wurf er akrobatisch aus dem langen Eck fischte, spürte Palicka einen Schmerz und ließ sich für seinen Landsmann Johan Sjöstrand auswechseln. Nicht ausgeschlossen, dass er sich so vor einer noch schwereren Verletzung bewahrte. Im März 2009 rissen ihm zwei der drei Beugesehnen im rechten Oberschenkel ab, Palicka brauchte zwei Jahre, um wieder seine alte Form zu finden. Eine Verletzung, die den 28-Jährigen offenbar für seinen Körper sensibilisiert hat. "Ich bin aber völlig überrascht davon, dass es jetzt so gekommen ist. In Flensburg war ich voller Adrenalin, da habe ich nicht viel gespürt", sagte Palicka nach der gestrigen MRT-Untersuchung. "So schlimm wie damals ist es jetzt zwar ganz und gar nicht, aber ich finde trotzdem, dass ich das nicht verdient habe", sagte Palicka, der seit Juli 2008 ein Zebra ist und derzeit seine beste Saison spielt. "Es gibt offenbar keinen Handball-Gott."

Eine genaue Diagnose sei einen Tag nach der Verletzung aufgrund der starken Einblutung sehr schwierig, sagte Mannschaftsarzt Dr. Frank Pries. "Deshalb nehmen wir ihn jetzt erst einmal drei Wochen aus dem Spielbetrieb heraus und untersuchen ihn dann erneut." Wenn der Heilungsverlauf bis dahin positiv verlaufe, so Pries, könne er anschließend wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen.

Palicka hofft, dass er zum Bundesliga-Gipfel gegen die Rhein-Neclar Löwen (5. April) wieder mitwirken kann. "Aber wahrscheinlich kommt dieses Spiel zu früh für mich." Für Palicka rückt nun der Däne Kim Sonne aus dem Juniorteam nach. "Zum Glück haben wir ihn zu Saisonbeginn geholt", sagte Trainer Alfred Gislason. "Er hat zuletzt immer besser reingefunden."

Die Verletzung von Palicka trübte auch seine Freude über den "geilen Sieg" in Flensburg ein. Seine Hoffnung sei gewesen, das Derby mit zwei, drei Toren Vorsprung zu gewinnen. "Ich hatte schon vorher ein gutes Gefühl, es war zu spüren, wie motiviert und konzentriert meine Mannschaft war. Sie waren heiß darauf, dass dieses Spiel endlich angepfiffen wird." Er versprach den Kieler Fans, dass der THW auch im Rückspiel am 22. März (19.30 Uhr/Sky) eine ordentliche Leistung abliefern werde. "Das sind wir ihnen schuldig, außerdem wollen wir in eigener Halle bestimmt nicht gegen Flensburg verlieren."

Im Rückspiel steht ihm sein Abwehrchef Rene Toft Hansen zur Verfügung, der nach einem Foul an Nenadic bereits in der neunten Minute des Derbys die Rote Karte gesehen hatte. "Ich hatte damit gerechnet, dass die Schiedsrichter ihm eine Zeitstrafe geben", sagte THW-Manager Thorsten Storm. "Als dann eine Karte gezogen wurde, rechnete ich mit einer gelben."

Der Platzverweis sei eine Fehlentscheidung der schwedischen Unparteiischen Johansson/Kliko gewesen. "Sie waren mit der Spielleitung überfordert und können froh sein, dass die Partie so fair war und von uns so dominiert wurde." Sonst, so Storm, wäre sie ihnen womöglich entglitten. Auch er warnte davor, bereits von der Auslosung des Viertelfinals zu träumen. "Es werden zwei Spiele gespielt. Eines lief richtig gut, das zweite steht noch aus."

Ginge es nach seinem Flensburger Amtskollegen Dierk Schmäschke, sollten sich die rund 10000 Fans, die bereits Tickets für das 82. Derby erworben haben, für diesen Abend ein Alternativprogramm suchen. "Auf dieses Spiel müssen wir uns gar nicht mehr vorbereiten."

Bevor die Zebras mit ihrem Neun-Tore-Polster erneut gegen die SG antreten, steht in der Bundesliga noch das Auswärtsspiel beim TuS N-Lübbecke (Morgen, 20.15 Uhr) an.

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 17.03.2015, Foto: Sascha Klahn)

 

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