KN: Andreas Wolff erlebt Wüstenmärchen nur auf Tribüne

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Mittwoch, 28.01.2015 // 12:23 Uhr

Doha. Keine leichte Aufgabe für Andreas Wolff: Der Torhüter des Bundesligisten HSG Wetzlar erlebt das Wüstenmärchen der deutschen Nationalmannschaft nur als Nummer drei. Er ist immer irgendwie dabei, doch nie mittendrin. Während die Kollegen siegen, sitzt er auf der Tribüne. Eine Rolle, die dem 23-Jährigen nicht wirklich liegt.

Für Torwart Nummer drei ist schlechte Stimmung verboten

Entsprechend reserviert reagiert er auch auf das Gerücht, dass er im Sommer 2016 zum Rekordmeister THW Kiel wechseln wird. "Ich bin nicht Leistungssportler geworden, um dann Trinkflaschen anzureichen." Im Kader von Dagur Sigurdsson ist Wolff das fünfte Rad am Wagen. Er trägt mit Teammanager Oliver Roggisch die Getränkekiste zur Spielerbank und nach dem Abpfiff wieder zurück. Mehr hat er nicht zu tun. "Ich bin schon enttäuscht, weil ich der Mannschaft natürlich gerne auf dem Feld helfen würde", sagt er. "Aber deshalb darf ich keine schlechte Stimmung verbreiten." Seine Aufgabe sei, sich auf den Fall vorzubereiten, doch noch gebraucht zu werden. "Das ist aber eher unwahrscheinlich, Lütti (Carsten Lichtlein, d. Red.) hält so gut, dass eigentlich auch ein zweiter Torhüter überflüssig ist."

Wolff wurde im September vergangenen Jahres erstmals berufen und hatte gehofft, in Katar zum 16er-Kader zu gehören. "Ich habe mir für den Januar extra nichts vorgenommen", sagt Wolff, der erst nach der letzten Trainingseinheit vor dem Auftaktspiel gegen Polen erfuhr, dass Matthias Musche und er nicht erste Wahl sind. "Ich hatte damit gerechnet, schließlich haben sich Lütti und Heine (Silvio Heinevetter, d. Red.) in den letzten Testspielen als Nummer eins abgewechselt." Er sei aber ehrgeizig genug, sich eine andere Rolle zu wünschen. "Es ist mir zu wenig, nur auf einem Spielberichtsbogen eingetragen zu werden. Ich möchte der Matchwinner sein." Aber mittelfristig, so seine Hoffnung, könne er die Nachfolge der beiden deutlich älteren Kollegen antreten. "In zehn Jahren habe ich vielleicht die Rolle von Lütti. Oder schon in zwei."

Wolff hat in Wetzlar gerade bis Juni 2017 verlängert. "Ich habe dort die besten Voraussetzungen", sagt er, der davon profitiert, dass sich Co-Trainer Jasmin Camdzic und Weltstar Jose Hombrados um ihn kümmern. Besonders der 42-jährige Spanier, die Nummer zwei der HSG, beeindruckt ihn. "Er hat mehr Jahre als Profi auf dem Buckel als ich Lebensjahre, trotzdem geht er mit Spaß in jedes Training." Von ihm habe er gelernt, noch ruhiger zu werden. "Mein Spiel ist es, den Schützen durch langes Warten zu verunsichern, um dann schnell zu reagieren."

Mit seinen Reflexen und dem beeindruckenden Körper – 100 Kilogramm auf 1,98 Metern – erinnert er an den spanischen Weltmeister Arpad Sterbik. "Den finde ich geil. Sein Trikot lässt vermuten, dass er nicht ganz austrainiert ist, aber er ist wahnsinnig schnell." Um dessen Niveau zu erreichen, und das des Bald-Kielers Niklas Landin ("Einer der fünf besten Torhüter der Welt"), will er in Wetzlar weiter fleißig üben. "Hier bin ich im Moment richtig, vielleicht sieht die Welt aber in zwei Jahren ganz anders aus."

Sein Trainer Kai Wandschneider hat sich offenbar bereits damit abgefunden, dass Wolff im Sommer 2016 ein Zebra wird. "Wenn der THW ruft, erfordert es wahrscheinlich übermenschliche Kräfte, zu sagen: Ob Welle oder Teilchen, ich warte noch ein Weilchen." Der Handballmeister hat mit der Verpflichtung von Nikolas Katsigiannis (HC Erlangen) bereits darauf reagiert, dass mit Johan Sjöstrand (MT Melsungen) und Andreas Palicka (Aalborg) beide Torhüter gehen werden. Dem 32-Jährigen wurde aber nur ein Ein-Jahres-Vertrag angeboten. Offenbar ist seine Nachfolge mit Wolff oder Jannick Green (SC Magdeburg), der mit Landin das Gespann in der dänischen Nationalmannschaft bildet, längst geregelt.

Trainer Alfred Gislason wollte sich nicht zu dem Transfergerücht äußern, Manager Thorsten Storm sprach zwar, sagte aber nichts: "Es ist klar, dass ein Verein wie der THW sich rechtzeitig und langfristig um die besten Optionen kümmert. Sobald es hierzu etwas zu sagen gibt, werden wir es tun."

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 28.01.2015)

Foto: Sascha Klahn

 

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