KN: "Aufhören kann ich immer noch"

Weitere
Montag, 03.08.2015 // 14:37 Uhr

Herzogenaurach. Über Torsten Jansen gäbe es viele Geschichten zu erzählen. Er, der Welt- und Europameister, Champions-League-Sieger, Meister und Pokalsieger, hat eine Handball-Vita, die in schillernden Farben leuchtet. Im Team des THW Kiel ist der 38-jährige Familienvater mit Abstand der Älteste, gewiss nicht der Lauteste und: der Neue.

Linksaußen Torsten Jansen will dem THW helfen, seine Ziele zu erreichen

Zwischen dem Gespräch am Rande des THW-Trainingslagers in Herzogenaurach und Jansens Selbstverständnis in der Mannschaft gibt es deutliche Parallelen. "Ich dränge mich nicht rein, ich ordne mich ein", sagt der Linksaußen. Jansen, der zwölf Jahre in Diensten des HSV stand und das Klima der Hamburger Medienlandschaft gewohnt ist, spricht bedacht, legt sich die Antworten sorgsam zurecht. Er, der gelernte Bankkaufmann, kennt sich aus mit Bilanzen. „Ich interessiere mich jetzt nicht für Titel und Ergebnisse. Ich will gut spielen. Und wenn wir am Ende auf dem Rathausplatz feiern, sage ich nicht Nein.“ Er wolle seine "Rolle ausfüllen", die ihm bei den Zebras nach dem langen Ausfall von Dominik Klein (Kreuzbandriss) zugedacht ist. In Herzogenaurauch teilt sich Jansen mit dem jungen Rune Dahmke ein Zimmer: Routine Jahrgang 1976 trifft auf Wissbegierde Jahrgang 1993. Eine perfekte Symbiose.

Jansen will dem THW "helfen, seine Ziele zu erreichen". Viel weiter lehnt sich Jansen in Herzogenaurach nicht aus dem Fenster des Sporthotels. Zu unwirklich scheint es noch zu sein, dass er mit Trainer Alfred Gislason und dem Team überhaupt hier ist. "Dann hör' ich jetzt wohl auf", dachte sich Jansen am Ende der vergangenen Saison. Eine perfekte Karriere neigte sich dem Ende zu, die Option, beim HSV als Jugendtrainer an Bord zu bleiben, stand im Raum. Dann rief - überraschend - der THW an. Erster Gedanke: "Warum fragen die jetzt mich?" Zweiter Gedanke: "Neue Herausforderung - das mache ich!" Schon einmal 2004 oder 2005, als Noka Serdarusic noch Trainer in Kiel war, hatte der THW angefragt. "Damals war das Projekt in Hamburg noch jung." Jansen blieb. Doch in diesem Jahr war das Kapitel HSV beendet, und jetzt macht der 1,85-Meter-Mann "noch einmal etwas ganz anderes".

Ehefrau Anke hat ihn bestärkt. Auch wenn sie jetzt mit den drei Töchtern Hanna (8), Ida (6), Elin (4) und Sohn Are (2) im eigenen Ferienhaus im schwedischen Leksand den Sommer genießt, während Ehemann und Papa Torsten in Franken für die Saison schuftet. Leicht fällt dem Familienmenschen Torsten Jansen diese Trennung bestimmt nicht. "Noch mehr Kinder wären auch nicht schlecht", rutscht es ihm mit einem Schmunzeln heraus. Und auch wenn Jansen von John Irving über T.C. Boyle bis zu den Krimis von Arne Dahl gern liest, sich für Musik, Geschichte, Politik interessiert und sich in Herzogenaurauch mit Ralf Husmanns "Nicht mein Tag" ablenkt - auf die Frage nach Hobbys kommt zuerst nur eine Antwort: "Die Familie - ich bin unheimlich gern bei meiner Familie."

Außer Training und Mittagsschlaf hat er an der Förde noch nicht allzu viel gemacht, oft pendelt er zwischen der Landeshauptstadt und seinem Haus im Norden Hamburgs. An den Strand geht's mit den Kindern bestimmt bald, doch in diesen Tagen stehen erst einmal das Trainingslager ("Alfred arbeitet sehr akribisch, alles ist sportwissenschaftlich sehr fundiert") und die "Überstunden" mit den Physios wegen Problemen mit der Achillessehne im Fokus. "Aufhören kann ich immer noch", habe sich "Toto" Jansen damals gedacht und das Angebot des THW angenommen. Im kommenden Jahr ist dann aber wirklich Schluss. Oder?

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 03.08.2015, Foto: THW/Archiv)

 

Mehr zum Thema

Die Vorfreude auf die Heim-Weltmeisterschaft 2019 steigt bei den Handball-Fans von Tag zu Tag: Am Sonntag zeigen der THW Kiel und seine Fans ihre Begeisterung für das Turnier der Superlative: Beim Heimspiel gegen den VfL Gummersbach ist die WM-Roadshow der DKB Handball-Bundesliga zu Gast in der Sparkassen-Arena.

18.10.2018

Kiel. Drei Tage nach der Trennung vom Handball-Rekordmeister THW Kiel (siehe THW-Bericht) hat Rückraumspieler Christian Dissinger einen neuen Verein gefunden. Der 26-Jährige schließt sich ab sofort und für zunächst zwei Jahre Vardar Skopje an. Das bestätigte der Verein gestern.

12.10.2018

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft wird ihren letzten Test vor dem Start der Weltmeisterschaft im eigenen Land in Kiel absolvieren: Am Sonntag, 6. Januar, wird voraussichtlich um 14 Uhr der Panamerika-Meister Argentinien Gegner der DHB-Auswahl sein, die sich vor möglichst großer Kulisse und mit einem guten Spiel Selbstvertrauen für die Titelkämpfe in Deutschland und Dänemark holen will. "Mit...

09.10.2018

Kiel. Am Ende sorgten beide Seiten schnell für klare Verhältnisse: Christian Dissinger ist ab sofort nicht mehr Spieler des THW Kiel. Der Handball-Rekordmeister und der 26-jährige Rückraumspieler einigten sich - wie von unserer Zeitung vorab berichtet - am Montag endgültig auf die Auflösung des bis zum 30. Juni datierten Vertrages (siehe THW-Bericht). Einen neuen Verein hat der Europameister von...

09.10.2018

Christian Dissinger und der THW Kiel gehen ab sofort getrennte Wege. Der 26-jährige Rückraumspieler und der Handball-Rekordmeister einigten sich auf die Auflösung des ursprünglich bis zum 30. Juni 2020 datierten Vertrages.

08.10.2018

Köln. 100 Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel gegen eine vereinte koreanische Mannschaft hat der Deutsche Handballbund (DHB) in Köln das neue Trikot der Handball-Nationalmannschaft präsentiert. Zum ersten Mal werden die Bad Boys das Trikot beim EM-Qualifikationsspiel am 24. Oktober gegen Israel tragen. "Die Vorfreude auf die WM steigt jeden Tag, aber wir wissen auch, wie viel Arbeit noch vor uns...

04.10.2018

Linkshänder Marko Vujin vom THW Kiel fällt einige Wochen aus. Der 33-jährige Rückraumspieler des deutschen Handball-Rekordmeisters musste sich in der vergangenen Woche einem urologischen Eingriff unterziehen. 

25.09.2018

Kiel. THW-Torhüter Andreas Wolff ist nicht nur auf dem Handball-Feld ein gefürchteter Gegner. Am Donnerstag demonstrierte er, dass er auch an der Spiele-Konsole nur schwer zu schlagen ist. Der Hobby-Gamer ließ seine Konkurrenz im Mario-Kart-Duell hinter sich und brach eine Lanze für den E-Sport.

21.09.2018