KN: Aus Zwei-Meter-Mann wird Häufchen Elend

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Montag, 05.10.2015 // 09:26 Uhr

Kiel. Der Schmerz war regelrecht spürbar, nachdem Patrick Wiencek in der 13. Minute vom Feld gehumpelt war. Da legte der 26-jährige THW-Kreisläufer auf der Bank sein rechtes Bein über die Knie von Mannschaftsarzt Dr. Detlev Brandecker und schlug die Hand vor das schmerzverzerrte Gesicht. Plötzlich wurde aus dem 2,01 Meter großen und 108 Kilogramm schweren Athleten ein Häufchen Elend.

Nationalspieler Patrick Wiencek fällt mit Verdacht auf Kreuzbandriss aus

Bei einer Abwehraktion gegen seinen ehemaligen Kollegen Rasmus Lauge hatte sich Wiencek das Knie verdreht, und nach dem Abpfiff wurde der furiose Sieg gegen die SG Flensburg-Handewitt irgendwie auch von Schock überlagert. "Hoffentlich ist es nichts Schlimmes", sagte Torwart Nikolas Katsigiannis. Doch da war schon mehr durchgesickert. "Wahrscheinlich ist es ein Kreuzbandriss", wusste Kapitän René Toft Hansen. "Das tut weh, Patrick ist so ein guter Mann, gibt jedes Mal 120 Prozent. Jetzt müssen wir einfach noch enger zusammenstehen, so wie wir es heute gegen Flensburg bewiesen und ohne ihn gewonnen haben." Brandecker lieferte schließlich einen ersten, wenig Mut machenden Zwischenstand: "Er verspürt einen stechenden Schmerz, das Knie ist instabil. Ein Kreuzbandriss ist nicht ausgeschlossen." Gewissheit soll eine MRT-Untersuchung am Montagmorgen bringen.

Damit hat Trainer Alfred Gislason - nach der Linksaußen-Misere mit Dominik Klein (Kreuzbandriss) und Torsten Jansen (Bandscheibe), auf die der THW mit der Verpflichtung von Dragos Oprea reagierte - ein neues Problem. Fällt Wiencek lange aus, bleiben nur Toft Hansen und der brasilianische, noch lange nicht vollständig in die spielerischen Abläufe integrierte Neuzugang Rogerio Ferreira. Der weilt zu allem Überfluss noch bis zum 11. Oktober bei den Militär-Weltspielen im südkoreanischen Mungyeong. "Da können wir ihn auch nicht wegholen", sagte Gislason. Die Erklärung ist brisant: "Eigentlich müsste Rogerio in Brasilien seinen Militärdienst absolvieren", so Gislason. Offenbar ist er als Leistungssportler freigestellt, muss im Gegenzug aber an Wettkämpfen wie den Weltspielen in Südkorea für Brasilien auflaufen. Tut er das nicht, gilt er als fahnenflüchtig und würde bei seiner nächsten Landung in Brasilien als Deserteur verhaftet.

Also wird der 21-jährige 118-Kilo-Mann dem THW am Mittwoch bei den Löwen sowie in der Champions League in Plock (Sonnabend) fehlen. Und danach? "Vielleicht geschieht ja ein Wunder und Rogerio kommt ganz schnell ins Spiel", hofft Gislason. Ansonsten liegt die Last auf den Schultern von René Toft Hansen, der zudem als Abwehrchef gefragt ist. Oder auf Joan Canellas: Er tauchte gegen Flensburg immer mal wieder auf der für ihn ungewohnten Kreisläufer-Position auf.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 05.10.2015, Foto: Sascha Klahn)

 

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