KN: DHB-Sieg für das eigene Ansehen

Weitere
Montag, 15.06.2015 // 14:48 Uhr

Kiel. In der EM-Qualifikation war zwar schon alles entschieden, in Sachen Prestige aber noch lange nicht. Beim Duell der Handball-Nationalmannschaften zwischen Deutschland und Österreich ging es gestern in Kiel freundschaftlich, aber beherzt kämpferisch zur Sache. Obwohl die DHB-Auswahl das EM-Ticket bereits gelöst hatte und die Österreicher keine Chance mehr auf die Teilnahme an dem Turnier in Polen (15.-31. Januar) hatten, entwickelte sich eine enge Partie, die am Ende Deutschland mit 31:29 (14:13) für sich entschied.

Deutsche Handballer bezwingen Österreich

Stimmungsvoll und stimmgewaltig präsentierte sich die Inszenierung in der Sparkassen-Arena. Mit der Wahl von Patrick Wiencek als Ersatz für den fehlenden Kapitän Uwe Gensheimer hatte der DHB ein gutes Händchen bewiesen. Durfte der THW-Kreisläufer doch erstmals in seiner 80 Spiele umfassenden Nationalmannschaftskarriere ein echtes Heimspiel im Trikot der DHB-Auswahl bestreiten - und das am Tag seiner Vertragsverlängerung mit dem THW. Entsprechend groß war der Jubel, als er das Team in die Halle führte.

Ein künftiger Kieler hatte dann die Ehre, die Spieleröffnung zu bestimmen. Nikola Bilyk, Österreichs großes Rückraum-Talent, war am Anwurf beteiligt, spielte kurz darauf dann einen klugen Pass auf Linksaußen Raul Santos, der nur auf Kosten eines Siebenmeters unterbunden werden konnte, und sorgte schließlich selbst für das 2:1 (5. Minute) der Österreicher. Es war allerdings auch das vorläufige Ende der Gäste-Überlegenheit. Die offensive Abwehr der Deutschen hatte sich auf den Angriff eingestellt, die 5:1-Formation des DHB spezifizierte Bundestrainer Dagur Sigurdsson auf eine Sonderbewachung für Regisseur Vytautas Ziura durch Patrick Groetzki. Damit verlor der Spielaufbau der Gäste seine Wirkung. Bilyk und Ziura verließen das Feld, die Deutschen zogen auf 8:5 durch Fabian Wiede davon (15.).

Ein Torjubel für Patrick Wiencek blieb den rund Achttausend in der Halle allerdings bis zur Pause gleich viermal mit einem Raunen in der Kehle hängen. Beim gemeinsamen Tempogegenstoß mit Wiede, der bis zum Schlusspfiff zum erfolgreichsten deutschen Torschützen (acht Treffer) avancierte, kam der Berliner zum Zuge, einen selbst abgefangenen Angriff verspielte Wiencek durch einen Fehlpass, einen weiteren pfiffen die schwedischen Schiedsrichter ab. Und als der deutsche Kapitän kurz vor Halbzeitende am Kreis in Ballbesitz kam, hatten die Schiedsrichter etwas zu früh die Aktion zugunsten eines deutschen Freiwurfs unterbunden.

Nach der Pause durfte dann aber der Kieler Kreisläufer mit seinem Publikum jubeln. Einen Wurfversuch über das Tor steckte Wiencek noch weg, um sich in der 38. Minute zum 19:16 am Kreis durchzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt bekam die Sieben von Dagur Sigurdsson das offene Spiel besser in den Griff, zog auf zwischenzeitlich sechs Tore davon.

Mit dem am Ende noch knappen Erfolg hat das Nationalteam viel für das eigene Ansehen getan, obwohl vier Stammspieler – darunter der Kieler Steffen Weinhold – von Sigurdsson aus dem Aufgebot gestrichen worden waren. Die jungen Spieler überzeugten gegen den Alpen-Rivalen, der in der Schlussphase alle Mittel bemühte und sogar mit sieben Feldspielern agierte. Das wurde allerdings durch Torwart Dario Quenstedt bestraft, der in der 43. Minute kam und einen Treffer über das gesamte Feld hinweg in das verwaiste Tor erzielte. Aber die Österreicher trugen ihren Teil zum unterhaltsamen Länderspiel bei, in dem die Kieler Werbung dafür machten, in Zukunft häufiger die Hymne zu hören, die sie vor der Partie so eindrucksvoll intoniert hatten.

(Von Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 15.06.2015, Foto: Sascha Klahn)

Stimmen zum Länderspiel:

Dagur Sigurdsson, Bundestrainer: Es war ein kämpferisches Spiel meiner jungen Mannschaft. Schön anzusehen, wenn auch mit ein paar Fehlern auf beiden Seiten. Ich bin glücklich, dass wir die EM-Qualifikation professionell über die Bühne gebracht haben. Das Publikum hat uns toll unterstützt, beim Einlaufen gab es echtes Gänsehaut-Feeling.

Patrekur Johannesson, Österreich-Trainer: In Kiel macht es immer Spaß zu spielen. Es war eine interessante Partie, mit langen Phasen guter Aktionen in Angriff und Abwehr.

Patrick Groetzki, Deutschland: Es war ein sehr guter Abschluss. In den letzten Jahren ist man oft von den entscheidenden Spielen mit einem negativen Erlebnis nach Hause gefahren. Schon das Einlaufen hier war ein beeindruckendes Gefühl, dass die Leute uns auch in einem solchen Spiel noch so unterstützen. Für alle außer Bam-Bam (Patrick Wiencek, d. Red.) war es wunderbar, in dieser Halle auch mal bejubelt zu werden.

Fabian Wiede, Deutschland: Das war heute sicherlich mein Spitzenspiel in der Nationalmannschaft. Ich hatte früh ein gutes Gefühl, die Treffsicherheit war da und das Zusammenspiel klappte gut. Und die jungen Spieler wollten sich beweisen.

 

Mehr zum Thema

Hannover/Kiel. Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagnachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. "Er war sehr erfreut über die Entscheidung", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop....

20.02.2018

Kiel/Hannover. Heute entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Hannoveraner Flughafenhotel über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop. Im Mittelpunkt des Handball-Gipfels steht das Ergebnis der Analyse des desaströsen EM-Abschneidens, die Sportvorstand Axel Kromer nach Informationen unserer Zeitung mittags dem zehnköpfigen DHB-Präsidium vorstellen wird. Alles...

19.02.2018

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018