KN: Hoffnungen auf neues Wintermärchen steigen

Weitere
Samstag, 24.01.2015 // 13:52 Uhr

Doha. Am Tag vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien (Heute, 17 Uhr/Sky) strich Dagur Sigurdsson das Training und begleitete seine Mannschaft in die Wüste. Verdienter Lohn für eine bislang überragende Leistung der deutschen Handballer, die gestern stundenlang mit Jeeps über die Dünen rasten und beim Abendessen im Wüstenzelt eine Woche Revue passieren ließen, die sie mit Gruppenplatz eins, sieben Punkten und glänzenden Aussichten für das Achtelfinale belohnte.

Deutsche Handballer wachsen mit ihren Erfolgen

Um den ersten Platz zu verteidigen, muss das Sigurdsson-Team nun noch die Saudis schlagen. Doch daran zweifelt keiner, verloren diese doch ihre bisherigen Gruppenspiele alle mit durchschnittlich 15 Toren Differenz. Sigurdsson spricht höflich von einem gewöhnungsbedürftigen System des Gegners, davon, dass Personen und Positionen ständig rotieren. "Dafür müssen wir bereit sein, wir fangen volle Pulle an." Wäre der Isländer weniger höflich, hätte er die Spielweise der Saudis als chaotisch bezeichnet. Im bisherigen Turnierverlauf wurde deutlich, wie schwer es ihnen fällt, taktische Vorgaben einzuhalten.

Unklar ist, welche Auswirkungen der plötzliche Tod ihres Königs Abdullah hat. Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), ist fest davon überzeugt, dass sie deshalb nicht weniger engagiert zur Sache gehen. "Wenn sie antreten, dann spielen sie für ihren König." Was nichts daran ändern wird, dass die Deutschen als Gruppenerster im Achtelfinale auf den Vierten der Gruppe C treffen. Als Kandidaten kommen Ägypten, Tschechien und Island in Frage. Im Viertelfinale wäre Gastgeber Katar oder Österreich der nächste Gegner. Zwei Nationen, die im "Hilton", dem Hotel der deutschen Mannschaft, nicht für klappernde Zähne und durchwachte Nächte sorgen.

Entsprechend groß ist die Euphorie. "Wenn wir weiter gewinnen, dann wird sie immer größer. Das haben wir 2007 gemerkt", sagt Carsten Lichtlein, der beim 28:23-Erfolg gegen Argentinien der Schlüssel zum Erfolg war. Der Torhüter ist neben Michael Kraus der letzte im Kader, der damals Weltmeister wurde. "Zum Schluss war das ein Hype", erinnert sich Lichtlein an das einstige Wintermärchen. "Wir hoffen, dass es noch weit geht." Mit dieser Auslosung scheint das Erreichen des Halbfinals für das deutsche Team möglich zu sein.

Auch Bauer machte aus seiner Freude über die gezeigten Leistungen und die Euphorie in der Heimat keinen Hehl. "Die bisherigen Spiele haben gezeigt, dass Handball einen unglaublich guten Humus in Deutschland hat."

Architekt des Erfolges ist Dagur Sigurdsson, seit September Nachfolger des glücklosen Martin Heuberger. Der 41-Jährige gab der Mannschaft eine klare Struktur. Eine, in der jeder seinen Platz kennt. So wie Ersatzmann Stefan Kneer, der gegen Argentinien erfolgreich auf der ungewohnten halbrechten Position verteidigte. Oder Silvio Heinevetter, der überraschend klaglos hinnahm, dass Lichtlein ihn als Nummer eins abgelöst hat. Auf die Frage, welche Gefühle die möglichen Achtelfinalgegner auslösen, blieb Sigurdsson lässig. "Ich habe ein gutes Gefühl - mit meiner Mannschaft."

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 24.01.2015)

 

Mehr zum Thema

Mit einer guten Atmosphäre und einer großen Portion Optimismus startet der THW Kiel mit dem DHB-Pokal-Erstrundenturnier am Wochenende in die Saison. "Wir wollen uns in der Meisterschaft für die Champions League qualifizieren und in beiden Pokal-Wettbewerben das Final Four erreichen", gab der Sportliche Leiter Viktor Szilagyi die Ziele für die Saison aus. Trainer Alfred Gislason äußerte sich bei...

14.08.2018

Drei Tage nach dem 31:22-Erfolg gegen Flensburg hat der THW Kiel auch das zweite von drei intensiven Testspielen gewonnen: Vor 8056 Zuschauern bei "Helden des Handballs" in der Hamburger Barclaycard-Arena besiegten die "Zebras" im Europa-Duell den spanischen Titelträger FC Barcelona mit 28:24 (15:11). Bester Torschütze der Partie, in der die Kieler über weite Strecken das Geschehen...

12.08.2018

Neumünster. Die neue 6:0-Deckung: läuft wie geschmiert. Die Abläufe im Angriff: sehenswert, jetzt schon. Die Harmonie im Innenblock: frappierend. Der erste Härtetest des THW Kiel am Donnerstagabend in Neumünster gegen die SG Flensburg-Handewitt verlief hervorragend. Die Protagonisten des Handball-Rekordmeisters versuchten nach dem 31:22 (siehe THW-Spielbericht) dennoch, die Euphorie zu bremsen.

11.08.2018

Herzogenaurach. Drei gelbe Reaktionsbälle - also unförmige, beulige Flummis, die widerspenstig in alle Richtungen wollen - prallen vom Boden ab. Vier Hände schießen in die Mitte, fuchteln hektisch ins gelbe Gewusel. Niklas Landin hat in jeder Hand einen, Andreas Wolff greift ins Leere. Mattias Andersson lacht. Der 40-Jährige ist neuer Torwarttrainer beim THW Kiel - und der Schwede holt so manchen...

11.08.2018

Der THW Kiel hat den Auftakt seiner intensiven Testspiel-Reihe bis zum Saisonstart klar gewonnen: Vor 2.800 Zuschauern in den ausverkauften Holstenhallen in Neumünster besiegten die Zebras die SG Flensburg-Handewitt mit 31:22 (14:8). Bester Torschütze war Lukas Nilsson, der in den ersten 30 Minuten glänzend Regie führte und fünf Mal traf.

09.08.2018

Herzogenaurach. In unbeobachteten Momenten im Training mutet Harald Reinkind an wie ein britischer Gentleman. Der Scheitel des 2,01-Meter-Mannes sitzt perfekt, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, aufrechte Haltung, wacher Blick, im Bedarfsfall ein Lächeln so herzlich wie der Geirangerfjord tief ist. Reinkind war ein Löwe, ist jetzt ein Kieler Zebra beim THW Kiel. Warum? Darüber gehen die...

04.08.2018

34, 38, 35, 31 Grad - Herzogenaurach schwitzt. Und mit ihnen seit vier Tagen die Zebras, die in der tropische Hitze Einheit um Einheit absolvieren. Sprints, Ausdauerläufe, taktisches Training in der schwül-warmen Halle. "So heiß wie in diesem Jahr war es während des Trainingslagers noch nie", sagt Marko Vujin und nimmt einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche. "Und ich kann mich nicht daran...

02.08.2018

Herzogenaurach. Meistens lacht Gisli. Ein Sprint bei 36 Grad - Gisli lacht. Bankdrücken im Gym - Gisli lacht. Falsch abgebogen beim Warmlaufen - Gisli grinst. Das (etwas chaotische) Nesthäkchen der Zebraherde des THW Kiel heißt Gisli Thorgeir Kristjánsson. Gisli, der sympathische Junge aus Island, der nicht mehr nur "der Sohn von ..." sein möchte.

02.08.2018