KN: In Katar sind viele Dinge anders

Weitere
Donnerstag, 29.01.2015 // 14:23 Uhr

Doha. Mit Polizeieskorte zur Halle, ein Scheich mit Affe im Souq, ein Krankenhaus nur für Falken - in Katar sind viel Dinge anders. Wie sehr? Die persönliche Hitliste des KN-Redakteurs Wolf Paarmann von Platz eins bis zwölf. Und die Weltmeisterschaft ist noch nicht vorbei....

Die persönliche Weltmeisterschafts-Hitliste von Platz eins bis zwölf

Platz eins: Ein Kamerateam, das die Fahrt des deutschen Mannschaftsbusses vom "Hilton" bis in den Bauch der gewaltigen "Lusail-Arena" filmt, nahm mich zum Viertelfinale gegen Katar mit. Die Polizisten, die den Bus auf Motorrädern begleiteten, tragen schwarz-rot-goldene Helme und sperren jeden Kreisel - so komme ich in der Stau-Stadt Doha in Rekordzeit zum Ziel.

Platz zwei: Beim Qatar Masters sorgt englisches Personal dafür, dass an den Grüns absolute Ruhe herrscht, wenn die Golfstars putten. Doch gegen den Muezzin haben sie keine Chance, als der deutsche Profi Marcel Siem am 16. Loch zum Birdie einlochen will, fordert dieser die Gläubigen lautstark zum Gebet auf.

Platz drei: Taxifahrten sind in Doha immer ein Erlebnis, doch dieses dürfte für mich nicht mehr zu toppen sein: Ein Inder, der den Spielort nicht kennt, fragt einen Landsmann, der glaubhaft behauptet, ihn zu kennen. Wir steigen um. An der nächsten Ampel fragt er einen Taxifahrer aus Nepal nach dem Weg.

Platz vier: Wahrscheinlich ist es in Amerika Standard, doch ich sehe es in Doha zum ersten Mal: Einen Geldautomaten für Autofahrer - einen McCash quasi. Passenderweise steht er an der Ecke Abdulla Bin Jasmin/Al Bank. Auch schön: Im Souq sind die Geldautomaten in Gebetsstühlen untergebracht.

Platz fünf: Das Falkenhospital im Souq al Waqif ist größer als das Krankenhaus einer mittelgroßen Stadt in Deutschland.

Platz sechs: Während Tausende Arbeiter über die zahllosen Baustellen Dohas wuseln, stehen bei einem Turm, der an der Uferstraße "Corniche" entstehen soll, seit Wochen die Kräne still. Warum? Keine Ahnung. Klar ist aber, dass nur wirklich schnell gebaut wird, wenn der Emir sich das wünscht. Ausländische Bauunternehmen beschreiben das Land so: Es ist eine Sache, eine Ausschreibung zu gewinnen. Eine zweite, es trotz der arabischen Bürokratie & Willkür auch zu realisieren.

Platz sieben: Das Islam-Museum in Doha ist ein beeindruckendes Gebäude, der Blick von hier auf die Skyline atemberaubend. Der Eintritt ist frei, das WLAN umsonst. Keiner stört sich daran, wenn Touristen in Shorts und Badelatschen die Ausstellungen besuchen.

Platz acht: Die Lusail-Arena hat acht Eingänge. Einer, die Nummer sechs, dient nur den Besuchen des Emirs: Die "Kings Road".

Platz neun: Eine Tasse Kaffee im Souq trinken und einfach nur das bunte Treiben beobachten. Einen Scheich beispielsweise, den sein Affe bei einem Spaziergang begleitet. Ein Junge, dessen Aufgabe es ist, hinter berittenen Polizisten herzulaufen und Pferdeäpfel aufzusammeln.

Platz zehn: In jeder großen Stadt gibt es einen Sightseeing-Bus, der Touristen ermöglicht, alle Sehenswürdigkeiten innerhalb von 24 Stunden abzuhaken. In Doha auch, aber keiner fährt mit - ein bunter Geisterbus.

Platz elf: Der katarische Handballverband bezahlt 60 Spanier dafür, die Mannschaft des Gastgebers zu unterstützen. Die Leiharbeiter erledigen diesen Job mit großer Leidenschaft. An manchen Tagen, so wie gestern, schreien sie erst für Katar und dann für Spanien - eingekleidet in den jeweiligen Landesfarben.

Platz zwölf: Mehr als 1700 Journalisten sind für das Turnier akkreditiert, ihnen bietet eine riesige Kantine in der Lusail-Arena ausreichend Platz. Spiegelgleich ist auf der anderen Seite ein ähnlich futuristischer Raum errichtet und lediglich mit Teppichen ausgelegt worden - für die Betenden.

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 29.01.2015)

 

Mehr zum Thema

Ein Spiel dauert 60 Minuten, der Arbeitsalltag der Zebras indes ist deutlich länger - und spielt sich zumeist abseits des großen Rampenlichts der Handball-Arenen dieser Welt ab. Das THW-Arena-Magazin ZEBRA wirft einen exklusiven Blick ins Innere des THW Kiel. Heute: Wie verständigen sich Miha Zarabec & Co. eigentlich in einem echten Hexenkessel?

11.04.2018

Er ist wieder an Bord: Im Sommer wird der Ex-Kapitän Filip Jicha als Co-Trainer zum THW Kiel zurückkehren. Im ZEBRA-Interview spricht der "Welthandballer des Jahres 2010" über sein Verhältnis zu Trainer Alfred Gislason, alte und neue Erfolge und verrät zudem, warum Kiel ein ganz besonderer Ort für ihn geblieben ist.

10.04.2018

Dortmund. Bundestrainer Christian Prokop ist nach der desolaten Handball-EM mit zwei lockeren Testspielsiegen gegen Serbien der Neustart gelungen. 276 Tage vor dem Eröffnungsspiel der Heim-WM in Berlin intensiviert der 39-Jährige die Planungen für das wichtige Turnier. "Langeweile werde ich ganz sicher nicht haben", sagte Prokop nach dem 29:23 gegen die Serben in Dortmund. Die Vorfreude auf die WM...

09.04.2018

Mit seinen 21 Jahren ist Nikola Bilyk zwar das jüngste Zebra in der Herde, doch das ist für ihn kein Grund für Zurückhaltung auf dem Spielfeld. In seiner ersten Bundesliga-Saison hat der Österreicher bereits viel dazu gelernt sowie seinen ersten Titel mit dem THW Kiel geholt - und hat jetzt Hunger auf viel mehr, wie der dem THW-Arenamagazin ZEBRA verriet.

08.04.2018

Für den quirligen Linksaußen Raul Santos könnte es nach seiner Rückkehr ins Kieler Handballgeschehen nicht besser laufen. Monatelang konnte der 25-jährige Österreicher seinen Zebras nur von der Tribüne aus beim Spielen zuschauen, jetzt ist er wieder mittendrin - und das äußerst treffsicher. Mit dem Arena-Magazin ZEBRA sprach Raul Santos über die schwere Monate bis zu seinem Comeback.

07.04.2018

Seit dem 1. Januar ist Viktor Szilagyi Sportlicher Leiter beim THW Kiel. Der Österreicher, der von 2005 bis 2008 als Spieler das THW-Trikot trug und in seiner Karriere als erster Handballer alle drei Europapokaltitel gewann, soll und will mithelfen, die Zebras wieder auf Erfolg zu trimmen. Ein Meilenstein für die Zukunft: Mit Filip Jicha kehrt im Sommer ein weiterer Garant vergangener THW-Erfolge...

06.04.2018

Leipzig. Nach einem ausgelassenen Abend in der Leipziger Altstadt setzte sich der Tross des Deutschen Handballbundes (DHB) am Donnerstag in Richtung Dortmund in Bewegung. Dort steht am Sonnabend (14.30 Uhr/ARD) ein weiterer Test der Nationalmannschaft gegen Serbien auf dem Programm. Das 26:19 gegen den schwachen EM-Teilnehmer am Mittwochabend war für die Bad Boys ein gelungener Neustart nach...

06.04.2018

Leipzig. Neustart für die deutsche Handball-Nationalmannschaft. Im ersten Spiel nach dem langen Richtungsstreit um die Weiterbeschäftigung von Bundestrainer Christian Prokop haben die Bad Boys am Mittwochabend Serbien in der Arena Leipzig deutlich mit 26:19 (12:7) bezwungen. Bester Werfer der stark ersatzgeschwächten Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in diesem Testspiel war der...

05.04.2018