KN-Interview mit Alfred Gislason: "Das Beste daraus machen"

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Mittwoch, 19.08.2015 // 09:38 Uhr

THW-Trainer Alfred Gislason bedauert im Interview mit den Kieler Nachrichten den Wechsel von Filip Jicha, sieht sein Team aber gut aufgestellt. Das Interview führte Niklas Schomburg.

Herr Gislason, wie beurteilen Sie den Wechsel von Filip Jicha?

Wir haben alles getan, was wir konnten, um Filip zu halten - am Ende hat das aber leider nicht geklappt. Wir haben ihm auch einen Vierjahresvertrag angeboten, genau wie der FC Barcelona. Dennoch dorthin zu wechseln, war seine eigene Entscheidung. Es hätte aber auch nichts gebracht, Filip zu zwingen, beim THW Kiel zu bleiben. Aus diesem Grund haben wir seinem Wechselwunsch schließlich zugestimmt.

 

Wie kann die Mannschaft den Verlust kompensieren?

Wir verlieren natürlich einen wichtigen Spieler. Aber die Mannschaft ist zusammengewachsen, das hat man in den Spielen der vergangenen Saison gesehen, als Filip schon mehrfach nicht mit dabei war. Es ist ja klar, dass die Spieler jetzt ein wenig mehr tun müssen, als wenn noch ein zusätzlicher Rückraumspieler dabei wäre. Was im Laufe der Saison nun daraus genau folgt, kann man aber noch nicht sagen. Wir versuchen jetzt einfach, das Beste aus der Situation zu machen.

 

Ist der Wechsel auch ein Zeichen daür, dass die Belastung für die Spieler in Deutschland zu hoch ist?

Das müssen Sie die Spieler selbst fragen, nur sie können es beantworten. Sicherlich ist die Belastung in Deutschland höher als in anderen Ländern. Die Ligen im Ausland sind insgesamt leichter. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass man dort auch mehr Geld verdienen kann. Bei den Wechseln von Filip und auch von Aron (Palmarsson, Anm. d. Red.) war das ein Argument, das zur Entscheidung beigetragen hat.

 

Wer wird jetzt Ihr verlängerter Arm auf dem Spielfeld?

Rene Toft Hansen wird der neue Kapitän sein. Er hat die Mannschaft schon in der Vergangenheit häufiger angeführt, als Filip fehlte. Auch jetzt in der Vorbereitung hat er gezeigt, dass er das kann. Insofern ist es nichts komplett Neues für ihn und die Mannschaft.

(Das Interview führte Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 19.08.2015)

KN: Weitere Reaktionen auf den Jicha-Wechsel

Thorsten Storm, THW-Geschäftsführer: In Anbetracht der Gesamtsituation gab es nach Filips Angebot aus Barcelona keine andere Lösung, die allen Beteiligten gerecht wird. Es war aber schon immer eine der großen Stärken des THW Kiel, dass man auch die menschliche Seite berücksichtigt, wie innerhalb einer Familie handelt und nicht nur immer den wirtschaftlichen Aspekt in den Vordergrund stellt.

 

Dominik Klein, THW-Linksaußen: Ich habe in letzter Zeit viele Gespräche geführt, um alle Seiten zu verstehen. Es ist sehr schade, dass wir Filip als guten Freund und als Spieler verlieren. Wir müssen das kompensieren, indem wir als Mannschaft noch enger zusammenstehen.

 

Frank Henke, Vorsitzender Fanklub Schwarz-Weiß: Der THW verliert ein bisschen sein Gesicht, und der Wechsel ist ein großer persönlicher Verlust. Aber die Entscheidung, Filip gehen zu lassen, ist richtig. Man sollte ihm keinen Knüppel zwischen die Beine werfen. Er hat sich sehr um den Verein verdient gemacht, er ist eine herausragende Persönlichkeit.

 

Volker Lorenzen, Vorsitzender Fanklub Zebrasprotten: Das macht uns alle sehr traurig. Wir mögen Filip sehr gerne, sowohl menschlich als auch sportlich. Wir wünschen ihm und seiner Familie alles Gute und hoffen, dass er im Herzen immer ein Zebra bleiben wird.

 

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