KN: Katars WM-Erfolge verkommen zur Farce

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Mittwoch, 21.01.2015 // 15:55 Uhr

Doha. Das Bild wirkte befremdlich: Goran Stojanovic und seine Kameraden stehen Arm in Arm am Mittelkreis der protzigen Lusail-Arena von Doha und singen voller Inbrunst die katarische Nationalhymne "as-Salam al-Amiri", "Es lebe der Emir."

Handball-Söldner im Rausch: "Es lebe der Emir"

Anschließend brannten die internationalen Handball-Söldner in Diensten des Emirats ihr nächstes Feuerwerk ab, besiegten auch den WM-Vierten Slowenien mit 31:29. Doch während der katarische Verband den besten WM-Start seiner Geschichte und den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale feiert, wächst die Kritik an den skurrilen Einbürgerungspraktiken im Handball. „Das hat keiner von uns erwartet, wir befinden uns in einer Euphorie“, jubelte Torhüter Stojanovic nach dem historischen dritten Sieg im dritten Turnierspiel, "wir müssen nun aber schnell wieder auf den Teppich kommen". Das Topspiel steigt heute: Dann trifft der Asienmeister auf Titelverteidiger Spanien.

Stojanovic steht beispielhaft für das Heer der vielen kurzfristig eingebürgerten Spitzenkräfte, die das katarische Handball-Märchen erst möglich machen. Gerade einmal vier Spieler im Kader des iberischen Star-Trainers Valero Rivera sind echte Einheimische, der Rest kommt aus Ländern wie Frankreich, dem ehemaligen Jugoslawien oder Nordafrika - für Stojanovic kein Problem. "Handball ist unser Job. Wir müssen versuchen, so viel wie möglich damit zu verdienen", sagte der langjährige Bundesliga-Keeper. Ihm und seinen Kollegen winken neben einem Monatslohn von 30000 Euro eine Prämie für jeden WM-Sieg in Höhe von 100000 Euro.

In der Handball-Szene regt sich allmählich der Widerstand. Die Kritik an der fragwürdigen Regel, nach der jeder Spieler nach drei Jahren ohne Länderspiel den Verband wechseln kann, wird lauter. "Die Europäische Handball-Föderation und ich haben im Herbst 2013 einen Antrag eingereicht, dass Spieler nach dem 21. Lebensjahr nicht mehr die Nationalmannschaft wechseln dürfen. Der sollte bearbeitet werden", klagte der schwedische Spitzenfunktionär Arne Elovsson jüngst in der Tageszeitung "Aftonbladet": "Aber seitdem haben wir nichts mehr gehört."

Und so dürfen die Scheichs weiter ungehindert an der Verwirklichung ihrer Vision von der sportlich erfolgreichen Supermacht arbeiten. "Der Sport spielt in der nationalen Agenda Katars, ihrer nationalen Vision für 2030 eine herausragende Rolle", sagte der Sporthistoriker Christian Wacker, der das Sport- und Olympia-Museum in Doha aufgebaut hat, der ARD. Um für die eigene Mannschaft einen lautstarken und für die Fernsehanstalten bildstarken Fanblock zu bilden, hatten sie vor dem Turnier sogar 60 spanische Schlachtenbummler einfliegen lassen und ihnen Flug, Hotel und Eintrittskarten spendiert. Der vorläufige Höhepunkt des katarischen WM-Irrsinns dürfte heute erreicht werden: Im Spiel gegen den Weltmeister von 2013 winkt der Multi-Kulti-Truppe des Gastgebers die ganz große Sensation. Die spanischen Fans würden jubeln. Dafür wurden sie schließlich bezahlt.

(Aus den Kieler Nachrichten vom 21.01.2015)

 

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