KN-Kommentar zu Bernhard Bauer: Der Handball wird ihn vermissen

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Samstag, 28.03.2015 // 17:59 Uhr

Der Handball hat es wahrlich nicht leicht. Die Witz-WM in Katar, bei der die zusammengekaufte Mannschaft des Gastgebers Silber gewann, ist schon fast wieder in Vergessenheit geraten, da tritt der Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) zurück.

Von Wolf Paarmann

Mit Bernhard Bauer nahm einer seiner Hut, der der kriselnden Sportart wieder zu positiven Schlagzeilen verholfen hatte. Anders als sein Vorgänger Uli Strombach, der mit dem Feingefühl einer Dampfwalze über das internationale Parkett gerumpelt war, gab er sich als Mann der leisen Töne. Einer, der zuhörte, der sich interessierte, der bescheiden auftrat, obwohl er den weltweit größten Handballverband repräsentierte. Seine Art kam gut an, der DHB hatte nicht nur durch den siebten Platz der Männermannschaft bei der Katar-WM sein Image wieder kräftig aufpolieren können.

Er hatte auch seinen Anteil daran, dass die WM 2019 in Dänemark und Deutschland stattfindet. Bei Strombach hätten die Nachbarn das Gefühl gehabt, am Ende nur den „President’s Cup“ der Verlierer um Platz 16 austragen zu dürfen. Bei Bauer konnten die Dänen sicher sein, auf Augenhöhe behandelt zu werden.

Er hatte auch Bob Hanning im Griff, den Vizepräsidenten, der in Personalunion den Bundesligisten Füchse Berlin managt. Hanning ist ein Macher, einer, der nicht nur den abgestürzten Hauptstadtklub in eine Top-Adresse verwandelte. Er beherrscht das Spiel mit den Medien perfekt. Es hätte eine funktioniere Vernunftehe zweier Partner werden können, die sich nichts zu sagen hatten.

Hanning ist aber auch für seine Alleingänge bekannt. Zuletzt zog er sich den Unmut seines Präsidenten zu, als er hinter dessen Rücken Stefan Kretzschmar fragte, ob dieser nicht Trainer der Frauen-Nationalmannschaft werden wolle. Der Ex-Nationalspieler macht als TV-Experte für Sport1 eine gute Figur, als diszipliniert arbeitender Trainer ist "Kretzsche" aber nur schwer vorstellbar. Zumal ihm eine Lizenz fehlt.

Hanning, so musste Bauer diese Idee verstehen, ging es nur um Schlagzeilen. Das Frauen-Team diente ihm lediglich als Mittel zum Zweck. Ein Gedanke, der Bauer mehr als fremd ist, der 64-Jährige verstand sich als Präsident aller Handballer. Der Riss vertiefte sich, als die Berliner Fraktion Bauer verdächtige, sich bei der Olympiabewerbung für Hamburg stark gemacht zu haben. Ein Tropfen, der das Fass möglicherweise zum Überlaufen brachte. Mit ihm verliert der DHB einen Repräsentanten, der auch bei den Spielern hohe Sympathiewerte genoss. Unvergessen bleibt, wie Bauer und Kapitän Uwe Gensheimer nach dem gewonnenen WM-Achtelfinale gegen Ägypten auf einer Couch im „Hilton“ in Doha saßen. In gelöster Stimmung, Arm in Arm, in ein vertrauliches Gespräch vertieft.

Ohne Bauer brechen auch für Hanning stürmische Zeiten an, stellen doch die mächtigen Landesverbände beim Bundestag die meisten Stimmen. Dort wird spätestens 2017 auch über seine Wiederwahl entschieden. Gut möglich, dass Hanning schon früher gehen muss. Auf einem außerordentlichen Bundestag muss nun ein Nachfolger für Bauer gefunden werden. Nicht ausgeschlossen, dass die Landesfürsten im Vorfeld Hanning zum Rücktritt auffordern werden.

(Ein Kommentar von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 28.03.2015, Foto: Sascha Klahn)

 

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