KN: Kreisläufer Toft Hansen übernimmt derzeit Jichas Rolle

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Montag, 03.08.2015 // 14:31 Uhr

Herzogenaurach. Mittelaltermarkt an der Aurach: Gaukler, Feuerspucker, Ritter laden im historischen Stadtkern von Herzogenaurach zur Reise in die Vergangenheit. Der THW Kiel steht mitten im Hier und Jetzt und stählt sich für die nahe Zukunft der anstehenden Handball-Saison 2015/16. Das Gefüge wirkt intakt, und doch ist das Warten in den Gesprächen spürbar. Warten auf den Kapitän, warten auf eine Entscheidung.

Ob Filip Jicha noch nach Bayern nachkommen wird, war gestern noch offen. Der wechselwillige Tscheche ist krankgeschrieben, bekommt zu Hause schmerzhafte Spritzen ins entzündete Schambein, hält sich mit Schwimm-Einheiten fit. "Es gibt nichts Neues", ließ THW-Geschäftsführer Thorsten Storm gestern verlauten. "Wir kennen Filips Position, und wir kennen Barcelonas Position. Jetzt müssen wir unsere eigene klären."

Währenddessen ist in Herzogenaurach die Verantwortung, die auf den Schultern von Vize-Kapitän René Toft Hansen lastet, schwerer geworden. "Ja, ich muss jetzt viel mehr machen: Termine ansagen, das Warmmachen leiten", sagt der 30-jährige Kreisläufer, der auch spürbar die Führungsrolle eingenommen hat. Ansonsten sei die Wechsel-Kontroverse um Jicha kein großes Thema in der Mannschaft. "So etwas ist normal in unserem Sport. Ich hoffe, dass Filip bleibt. Wer würde ihn nicht in seiner Mannschaft haben wollen? Aber es ist auch jedes Mal so: Wenn einer geht, füllt ein anderer die Rolle aus." Darüber, ob er im Falle von Jichas Weggang nach Barcelona fest die Rolle des Kapitäns übernehmen würde, will Toft Hansen, der sich mit Ehefrau Kathrine und Tochter Julie (1) in Kiel "super wohlfühlt", nicht nachdenken: "Ich bin jetzt einer der Routiniers, spiele fast 60 Minuten in der Abwehr, habe eine große Rolle. Alles andere entscheidet Alfred."

Gislason legt bislang etwas mehr als in vergangenen Trainingslagern Wert auf taktisches Handballtraining denn auf strapaziöse Laufeinheiten (die genau wie mörderische Krafttraining-Einheiten trotzdem nicht fehlen). Den Grund nennt der Isländer: "Jedes Jahr wird die Vorbereitungszeit ein Stück kürzer." Darum wurden bereits die Schalter von Kraft und Ausdauer auf Schnelligkeit umgelegt. Bis Mitte Juni waren die Spieler in Sachen EM-Qualifikation unterwegs, schon am 15. August beginnt die Saison mit dem DHB-Pokal und einem neuen Modus mit regionalen Erstrunden-Final-Fours, von denen auch die Erstligisten nicht befreit sind. Die fehlende Zeit dazwischen holen die Zebras jetzt auf. 

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 03.08.2015)

Trainingslager-Splitter

Was? Der große THW ist hier?

Man stelle sich einmal vor, der "FC Bayern des Handballs" schlägt seine Zelte in Bayern auf - und keiner weiß Bescheid. Tourist Hartmut Ramünke aus Emmendorf in der Lüneburger Heide hatte irgendwie Wind bekommen von der "Kommandosache" Trainingslager. Der THW-Fan, der mit seiner Frau den Sommer in Franken genießt und Lust auf ein Kieler Testspiel hatte, klapperte die Hotels in der Gegend von Herzogenaurauch ab, doch "keiner wollte mir etwas sagen". Also rief Ramünke in der Redaktion der "Nordbayerischen Nachrichten" an. Die Reaktion im Sportressort: "Was? Der THW ist hier? Der große THW?" Ein paar Anrufe später wusste auch Ramünke, dass die Zebras im Novina Hotel logieren, machte sich vor der Abfahrt zum Training am Bus auf die Jagd nach Autogrammen und wird entweder heute (19 Uhr) in Coburg oder am Mittwoch (19.30 Uhr) in Nürnberg beim Spiel gegen den HC Erlangen dabei sein. 

 

Nachzügler: Ein Brasilianer in Bayern

Noch längst sind nicht alle Akteure des Handball-Rekordmeisters an der Aurach eingetroffen. Rekonvaleszent Dominik Klein stößt voraussichtlich am Mittwoch zur Mannschaft. Morgen empfängt THW-Betreuer Michael Menzel am Münchner Flughafen den brasilianischen 2,04-Meter-Kreisläufer Rogerio Moraes Ferreira. Der 21-jährige Neuzugang hatte nach einem 35:36 nach Siebenmeterwerfen im Spiel um Platz neun gegen Katar am Ende Platz zehn bei der U21-WM in seinem Heimatland belegt. Deutschland holte Bronze.

 

Unfreiwilliger Positionswechsel

Dominik Klein verletzt, Torsten Jansen angeschlagen - um Sechs-gegen-Sechs-Situationen im Training zu simulieren, musste THW-Coach Alfred Gislason in den vergangenen Tagen kreativ sein. Schnell fiel die Wahl auf Physiotherapeut Maik Bolte - der selbst immerhin bis zur Regionalliga aktiv war. Physio Bolte machte auf Linksaußen eine gute Figur. Gleich beim dritten Angriff lief Bolte astrein ein, bekam den Pass und machte ein Tor. Ob Alfred Gislason genau hingesehen hat?

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 03.08.2015)

 

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