KN: Rune Dahmke: Den Traum fest im Griff

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Dienstag, 22.09.2015 // 15:40 Uhr

Kiel. Dagur Sigurdsson wich der Frage, ob er am Sonntag nach seinem Besuch in der Kieler Sparkassen-Arena auch die Telefonnummer von Rune Dahmke in seinem Mobiltelefon eingespeichert habe, am Montag aus. Der Kieler Linksaußen Dahmke - gerade mal 22 Jahre alt und laut seiner Teamkollegen schon "abgezockt" wie ein Großer - schwimmt seit Saisonbeginn auf einer persönlichen Erfolgswelle und ließ alle Anwesenden auch am Sonntag beim deutlichen 33:24 gegen Magdeburg frohlocken. Auch Sigurdsson, den deutschen Bundestrainer.

THW-Linksaußen bald ein Kandidat für Bundestrainer Sigurdsson?

"Man muss kein Professor sein, um zu erkennen, wie gut Rune Dahmke gegen Magdeburg gespielt hat. Das war super, überhaupt sind seine Leistungen in letzter Zeit sehr gut", sagte Sigurdsson. Nicht mehr. Und nicht weniger. Darüber hinaus werde er bis Mitte Oktober, wenn er den deutschen Kader für den Supercup im November nominiert, "keine weiteren Wasserstandsmeldungen" abgeben. "Bis dahin werde ich viele Spieler beobachten, alle natürlich auch mehrmals."

Im Falle einer Nominierung für den Supercup würde Dahmke in seinem "Wohnzimmer", der Kieler Sparkassen-Arena, im Nationaldress auflaufen. Zunächst wird in Flensburg (6. November) und Hamburg (7. November) gespielt, am 8. November trifft Deutschland in Kiel auf Slowenien, Brasilien misst sich mit Serbien.

Auch THW-Coach Alfred Gislason weiß momentan nur Gutes über seinen Linksaußen mit dem magischen Handgelenk zu berichten: "Er hat seit fast einem Jahr viele Spielanteile und hat sie sehr gut genutzt. Er ist von Spiel zu Spiel besser und sicherer geworden." Allerdings: Der Isländer übt sich auch in gewohnter Zurückhaltung. Es sei immer gefährlich, "junge Leute früh mit der Nationalmannschaft in Verbindung zu bringen, sie verlieren dann oft die Bodenhaftung". Außerdem sei die Frage nach der Nationalmannschaft nicht seine Sache, sondern die des Bundestrainers: "Rune hat konstant sehr gut gespielt, aber andere auch."

Bodenhaftung verlieren? Bei Rune Dahmke kaum vorstellbar. Er, der aus dieser vom Handball-Virus durch und durch befallenen Familie stammt - Vater Frank warf zwischen 1981 und 1991 insgesamt 463 Tore für die Zebras. Er, der mit 15 aus Mönkeberg in die THW-Jugend wechselte, fest mit der Region verwurzelt ist. "Rune lebt seinen Traum, hier in seiner Stadt auf diesem Niveau Handball zu spielen", sagt THW-Geschäftsführer Thorsten Storm. "Wir würden ihn gern länger als bis 2017 an den Verein binden. Es gibt Gespräche."

Doch warum Gespräche führen, wenn beide Seiten dasselbe wollen? Dahmke lacht: "Ich kann noch nichts Definitives sagen. Aber es ist glaube ich kein großes Geheimnis, dass ich in Kiel bleiben möchte - auch längerfristig." Rune Dahmke und Kiel? Das gehört zusammen. Ob er denn Angebote von anderen Vereinen habe? Dahmke entgegnet: "Wohin soll ich denn wechseln?" Ob die Nationalmannschaft für ihn ein Thema sei? Dahmke sagt: "Darüber mache ich mir gar keine Gedanken." Nach einer kurzen Pause schiebt er hinterher: "Ich würde mich unglaublich freuen, wenn Dagur Sigurdsson anruft."

Gestern trainierten Dahmke und Co. nur vormittags, die anschließende Pause kam dem 22-Jährigen ganz gelegen, der am Sonntag einen Pferdekuss als Souvenir aus der letzten Spielminute mitnahm. Ab morgen (20.15 Uhr), wenn der THW bei Frisch Auf Göppingen antritt, bekommt Dahmke immerhin Unterstützung von Neuzugang Dragos Oprea. "Ich freue mich trotzdem weiter, zu spielen, schaue nicht auf Pausen." Rune Dahmke will jeden Moment festhalten, denn: "Es war immer das Größte, was ich mir vorstellen konnte, in der Sparkassen-Arena für den THW zu spielen." In der Arena, die zu Zeiten seines Vaters noch Ostseehalle hieß, in der am Sonntag "Rune! Rune!"-Sprechchöre erklangen. Rune Dahmke, nach dem Weggang von Christian Zeitz, von Filip Jicha, dem Karriereende von Marcus Ahlm die neue Identifikationsfigur an der Förde? Dahmke und Kiel gehören einfach zusammen.

1991 hängte Papa Frank die Bundesliga-Schuhe an den Nagel, 1993 wurde Rune geboren. Den Vater, das Zebra, kennt er nur aus Erzählungen, von Bildern. "Ich habe aber oft genug nachgefragt, und Handball war schon immer ein großes Thema in meiner Familie. Alle freuen sich mit mir." Falls da eine Information verloren gegangen sein sollte: Frank Dahmke absolvierte sieben Länderspiele.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 22.09.2015, Foto: Sascha Klahn)

 

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