KN: Sigurdsson: Kiel ist für dieses Endspiel der richtige Ort

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Mittwoch, 27.05.2015 // 09:52 Uhr

Kiel. In Vorbereitung auf das letzte Handball-Länderspiel der EM-Qualifikation zwischen Deutschland und Österreich, das am 14. Juni (15.15 Uhr) in der Kieler Sparkassen-Arena ausgetragen wird, stellte sich Bundestrainer Dagur Sigurdsson, der bis zum Saisonende in Personalunion die Füchse Berlin trainiert, den Fragen der Kieler Nachrichten - natürlich auch zur Situation des THW Kiel.  

Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft fiebert seinem Debüt in der Sparkassen-Arena entgegen

Herr Sigurdsson, welche Stimmung erhoffen Sie sich für das Länderspiel in Kiel?

Ich freue mich auf dieses Heimspiel. Die Sparkassen-Arena ist DIE Handball-Halle in Deutschland. Sie hat eine große Tradition, hat aber noch nicht viele Spiele der Nationalmannschaft erlebt. Ich bin mir sicher, dass wir hier eine große Unterstützung bekommen werden. Es ist für dieses Endspiel der richtige Ort.

 

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Arena?

Das größte Erlebnis war 1997, als wir hier mit Aufsteiger Wuppertal überraschend gewonnen (31:28, d. Red.) haben. In Kiel ist damals eine Serie gerissen. Unser Trainer (Viggo Sigurdsson) hat danach etwas Unschönes zu Noka Serdarusic (THW-Trainer) gesagt. Das war keine gute Idee. Beim nächsten Spiel in Kiel haben sie uns ordentlich verprügelt. Das war, glaube ich, ein Rekordergebnis (36:13). Und das letzte Jahr, als ich als Trainer mit Berlin im letzten Saisonspiel untergegangen bin (23:37), war auch nicht schön. Wir hatten eine harte Woche hinter uns und viele Verletzte. Aber wir haben 20 Minuten gut mitgehalten, mussten dann aber miterleben, wie schnell es in Kiel gehen kann.

 

Zum Aktuellen: Ist mit dem Sieg des THW gegen Minden die Meisterschaft entschieden?

Man hat gesehen, dass man in der Bundesliga gegen jede Mannschaft verlieren kann. Kiel muss das zu Ende spielen, aber das Restprogramm ist nicht einfach. Nur drei Tage nach dem Final4 in Hannover anzutreten, ist eine Herausforderung.

 

Mit Patrick Wiencek und Steffen Weinhold stehen zwei Kieler im Kader. Sind sie für das Österreich-Spiel gesetzt?

Nein! Wenn die Leistung passt, werden sie nominiert. Aber eine Verpflichtung gibt es für mich da nicht.

 

Sollten mehr junge Deutsche die Chance bekommen, beim THW oder anderen Top-Vereinen in der Liga zu spielen?

In Deutschland sind junge Spieler doch in einer Top-Situation. Das breite Angebot reicht vom Champions-League-Verein bis zu einem in der sechsten oder siebten Liga. Da kann sich jeder seinen Klub und Trainer suchen, der am besten zu ihm passt. Das bietet kein anderes Land. In meiner Heimat Island beispielsweise müssen sie schon mit 18 oder 19 Jahren ins Ausland gehen. Das ist nicht einfach. Leider sind die jungen Spieler in Deutschland nicht immer gut beraten.

 

Planen Sie mit THW-Neuzugang Christian Dissinger? Und wie gefiel Ihnen Rune Dahmke?

Christian ist ein sehr interessanter Spieler. Aber ich habe keinen Kontakt zu ihm. Wenn ihm jemand helfen kann, dann Alfred (Gislason, d. Red.). Er wird mir sofort ein Signal geben, wenn er meint, dass Christian bereit ist. So handhabe ich das auch mit den anderen Spielern. Rune Dahmke haben wir als DHB wie alle jungen Spieler im Auge. Wenn er seinen Job gut macht, bekommt er auch seine Chance und muss sie dann nutzen. Ich bin kein großer Small-Talker und spreche vor allem mit den Trainern, um herauszufinden, wie gut die Spieler drauf sind.

 

Wäre es für Sie besser, der THW würde mehr deutsche Nationalspieler integrieren?

Ich finde nicht, dass ich mich dazu äußern sollte, wie der THW zu führen ist. Meine Aufgabe ist es, aus den besten Spielern eine Mannschaft zu bauen. Und es gibt in Deutschland eine gute Generation, die eine starke Mannscaft bilden kann. Das funktioniert durch eine gute Zusammenarbeit zwischen dem DHB und der HBL, die sich in den letzten zwei Jahren gut entwickelt hat. Mein Dank geht dabei an Uwe Schwenker (Präsident der Handball-Bundesliga, d. Red.) und Bob Hanning (Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes), die das vorleben.

 

Für die EM-Qualifikation ist das Saisonende auf den Freitag (5. Juni) vorgezogen worden. Hilft Ihnen dieser eine Tag so viel?

Der bringt unglaublich viel. Das hat man schon in der Vorbereitung auf das Spanien-Spiel in Mannheim gesehen. Dabei geht es gar nicht darum, dass wir schon so viel gemeinsam trainieren können. Wenn es sein muss, gebe ich den Jungs auch trainingsfrei. Wichtig ist aber, dass sie schon gedanklich im Nationalmannschafts-Modus sind.

(Von Wolf Paarmann und Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 26.05.2015, Foto: Sascha Klahn)

 

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