Rune Dahmke: Ein waschechter Kieler Jung

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Freitag, 08.05.2015 // 09:11 Uhr

Wenn die Nummer 23 des THW Kiel das blaue Parkett der Sparkassen-Arena betritt, wird es laut auf den Rängen. Und wenn dann die Nummer 23 dem gegnerischen Torwart zeigt, was ein Handgelenk zu leisten imstande ist, fegt ein Jubel-Orkan durch die altehrwürdige Sparkassen-Arena. Das "Zebra"-Trikot mit der Nummer 23 - seit dieser Saison trägt es ein waschechter Kieler: Rune Dahmke.

Riesen-Freude bei den "Zebra"-Anhängern

Dieser Artikel ist im Arena-Magazin "Zebra" zum THW-Heimspiel gegen Frisch Auf Göppingen erschienen.

Mehr als ein Jahrzehnt mussten die Handball-Fans in der Landeshauptstadt auf diesen Moment warten. Sie verehren ihre Stars, die aus allen Teilen der Welt den Weg zum besten deutschen Handballclub gefunden haben. Und irgendwie ist ja auch jedes "Zebra" ein echter Kieler. Aber ein in Kiel geborener Spieler wurde irgendwie schon ein bisschen vermisst. Umso größer war deshalb die Freude bei den Anhängern der "Zebras", als der THW Kiel im Dezember 2013 den ersten Profi-Vertrag für Rune Dahmke bekanntgab. Dahmke, seit der B-Jugend im Dress des THW Kiel, hatte sich mit kontinuierlich guten Leistungen und einem großen Einsatzwillen in das Blickfeld von Trainer Alfred Gislason gespielt. 

"Mein Plan ist, mich beim THW durchzusetzen"

5/1 Tore: Rune Dahmke machte eine gute Partie und war zweitbester Torschütze gegen FAG.

Und doch gab es einige Skeptiker, die in Rune Dahmke eine Art Marketing-Gag sehen wollten. Denen war Rune, dessen Vater Frank einst selbst zehn Jahre beim THW Kiel spielte und inzwischen im Aufsichtsrat des Rekordmeisters sitzt, selbstbewusst entgegen getreten: "Mein Plan ist, mich beim THW durchzusetzen. Und ich glaube, dass ich das auch schaffen und anderen Talenten beweisen kann, dass der Sprung aus der Jugend in den Profikader des THW möglich ist." Inzwischen ist Rune Dahmke, der am 10. April seinen 22. Geburtstag feierte, ein fester Bestandteil der "Zebraherde". Und doch fällt es ihm schwer, eine Bilanz der ersten Profisaison zu ziehen. "Dafür ist es noch zu früh, frag‘ mich bitte am Saisonende noch einmal", bittet der Linksaußen, "wir haben schließlich als Mannschaft noch einiges vor." 

"Alfred setzt viel Vertrauen in mich"

Diese Einstellung macht Rune Dahmke auch nach den Spielen zu einem gefragten jungen Mann. Bei den Journalisten und den Fans. Erst Recht, wenn in der Sparkassen-Arena besonders oft besonders laut gejubelt wurde. Wie beim klaren Sieg gegen Balingen, als sich der Youngster gleich elf Mal in die Torschützenliste eintrug. "Für mich ist diese Saison insgesamt besser gelaufen, als ich es mir je hätte vorstellen können. Ich hatte mit viel weniger Einsatzzeit gerechnet. Es ist schön, dass Alfred Gislason so viel Vertrauen in mich setzt. Das möchte ich in jedem Training und in jeder Spielminute mit einer guten Leistung zurückzahlen." 

"Dominik fehlt uns allen sehr"

Einst bejubelte er THW-Titel noch aus dem Fanblock, jetzt ist Rune Dahmke ein fester Bestandteil der "Zebraherde". Beim Gewinn des Supercups stand er erstmals selbst bei einer Siegerehrung im Rampenlicht.

Nach dem Kreubandriss bei Dominik Klein muss sich der Linksaußen auf eine neue Situation einstellen, schließlich teilte sich Dahmke nicht nur die Position, sondern bei Auswärtsfahrten auch das Zimmer mit Klein. "Dominik fehlt uns allen sehr. Er ist mit seiner riesigen Erfahrung eine feste Größe innerhalb der Mannschaft." Und Henrik Lundström? "Es ist cool, dass Henrik da ist. Mit ihm und Steinar Ege fühlt es sich beinahe wie eine kleine Zeitreise durch die Mannschaft der vergangenen Jahre an." An das Gefühl, jetzt mit einem Spieler das Zimmer zu teilen, dem Rune Dahmke einst aus dem Fanblock zujubelte, hat sich der 22-Jährige mittlerweile gewöhnt: "Das ist kein Thema mehr, vom ersten Tag an hat mich die Mannschaft als vollständiges Teammitglied angesehen. Bei uns spielt weder das Alter noch die Vergangenheit eine Rolle, sondern nur die Gegenwart und die Leistung." Aber eines hat er seinem neuen Zimmerkollegen noch nicht verraten, gesteht Rune Dahmke mit einem breiten Lächeln. "Ich habe mir über 'Pitti' Petersen das Lundström-Trikot aus dem Abschiedsspiel von Marcus Ahlm besorgen lassen. Das hängt jetzt bei mir zu Hause."

Gestiegene Popularität

Außerhalb des Feldes bekommt Rune Dahmke seine gestiegene Popularität auch zu spüren. "Aber eher norddeutsch dezent", wie er es nennt. "Man wird schon ab und zu mal höflich angesprochen. Aber der THW Kiel gehört so dermaßen zu dieser Stadt, dass Handball-Spieler in der Fußgängerzone, im Restaurant oder Café nichts Besonderes sind." Selbst, wenn die Fans mehr als ein Jahrzehnt auf einen wie Rune Dahmke warten mussten. Auf einen waschechten Kieler im THW-Trikot. 

Zur Person: Rune Dahmke

So jubelt ein waschechter Kieler: Rune Dahmke spielt sich in die Herzen der Fans.

Rune Dahmke wurde am 10. April 1993 in Kiel geboren. Der 1,90 Meter große Rechtshänder wechselte mit 15 Jahren von seinem Stammverein SV Mönkeberg in die Jugendabteilung des THW Kiel. Hier durchlief er ab der B-Jugend alle Nachwuchs-Leistungsmannschaften und machte mit seinen Leistungen auch THW-Trainer Alfred Gislason auf sich aufmerksam. Der Isländer nahm Rune Dahmke mit ins Trainingslager der Profis und beobachtete die Entwicklung des Linksaußen über mehrere Jahre. Seit dieser Saison ist Rune Dahmke fester Bestandteil der "Zebraherde" und feierte mit dem Gewinn des "Super Cups" seinen ersten Erfolg mit dem THW Kiel. Dem sollen möglichst viele weitere folgen. Dahmkes Vertrag ist zunächst bis zum 30. Juni 2016 datiert.

 

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