Rune Dahmke krönt DHB-Debüt mit Tor

Weitere
Freitag, 06.11.2015 // 22:00 Uhr

27 Jahre nach Frank Dahmke und 26 Jahre nach Hendrik Ochel hat Kiel wieder einen in der Landeshauptstadt geborenen Handball-Nationalspieler: Rune Dahmke, 22-jähriger Linksaußen des THW Kiel, feierte im Rahmen des 29:20-Supercup-Sieges gegen Brasilien sein Debüt im Dress der deutschen Nationalmannschaft und krönte dieses mit seinem ersten Länderspiel-Tor in der 58. Minute.

Ungefährdeter Auftaktsieg

Konzentriert: Rune Dahmke beim Aufwärmen vor seinem ersten DHB-Einsatz.

Vor 3071 Zuschauern in Flensburg benötigte die DHB-Auswahl eine Viertelstunde, um mit der offensiven Abwehr der Brasilianer zurecht zu kommen. Bis zur Pause hatte sich die Sigurdsson-Sieben einen 15:12-Vorsprung herausgeworfen, der nach dem Wechsel dank des Jubilars Carsten Lichtlein schnell anwuchs: Der Torhüter bestritt sein 200. Länderspiel und legte mit starken Paraden den Grundstein für die 22:14-Führung - die Partie war nach 45 Minuten entschieden. Bester Torschütze war Kapitän Uwe Gensheimer (7), THW-Linkshänder Steffen Weinhold erzielte einen Treffer. Auf brasilianischer Seite erzielte THW-Kreisläufer Rogerio Ferreira ebenfalls ein Tor. Mit dem 29:20-Erfolg setzte sich die DHB-Auswahl an die Spitze des Supercup-Klassements. Im zweiten Spiel des Abends setzte sich Slowenien mit 23:21 (12:11) gegen Serbien durch. Am Sonnabend trifft die DHB-Auswahl (15.30 Uhr, live in Sport1) in Hamburg auf Serbien, bevor am Sonntag in Kiel mit den Begegnungen Brasilien-Serbien (12.30 Uhr) und Deutschland-Slowenien (15 Uhr) der finale Supercup-Akt ansteht.

Dahmkes besonderer Moment

Höhepunkt des Supercup-Auftakts gegen Brasilien war aus Kieler Sicht aber das Nationalmannschafts-Debüt von Rune Dahmke: Nach seinem Vater Frank, der am 14. Oktober 1988 in Stuttgart sein erstes von insgesamt sieben Länderspielen bestritt, und Hendrik Ochel, der 1989 gegen die DDR debütierte und insgesamt 44 Länderspiele bestritt, ist er der erste gebürtige Kieler mehr als zwei Jahrzehnten, der als "Zebra" für die deutsche Handball-Nationalmannschaft aufläuft. Dahmke holte eine Zeitstrafe für den Gegenspieler und einen Siebenmeter heraus, um dann in der 58. Minute - von Steffen Fäth bedient - sein Debüt mit dem Treffer zum 29:19 zu krönen. Auf dem Rückweg in die Abwehr strahlte der THW-Youngster: "Erst da habe ich bemerkt, dass dieses Tor etwas Besonderes war", sagte Dahmke.

Supercup: Deutschland – Brasilien in Flensburg: 29:20 (15:12)

Deutschland: Lichtlein, Heinevetter; Kneer, Gensheimer (7/4), Lemke, Reichmann (2), Wiede (3), Weinhold (1), Strobel (3), Schmidt (3), Fäth (4), Groetzki (2), Müller, Dahmke (1), Späth, Ernst (1), Pieczkowski, Kohlbacher (2)

Brasilien: Maik Santos, Rosa, Almeida; Henrique Teixeira, Pachecho (3/1), da Silva (4), Candido (2), Toledo (2), Pozzer, Borges (1), Chiuffa (1), Vincius Teixeira (2), Leonardo Santos (3), Ferreira (1), Soares, Langaro, Cesar Almeida, Patrianova (1)

Schiedsrichter: Pichon/Reverret (Frankreich)

Zeitstrafen: 6:4 Minuten (Lemke, Ernst, Pieczkowski- L. Santos, Langaro)

Siebenmeter: 4/4:4/2 (Pacheco und Teixeira scheitern an Lichtlein)

Spielfilm: 4:4 (8.), 7:6 (14.), 10:7 (20.), 13:8 (26.), 15:12;
17:12 (35.), 19:13 (39.), 22:14 (45.), 24:17 (50.), 28:19 (56.), 29:20 

Zuschauer: 3071 (Flens-Arena, Flensburg)

KN: Experiment geglückt: 29:20 mit "Babyblock"

Flensburg. Erster Akt im Abgesang auf den Handball-Supercup. Zum Auftakt des Vier-Länder-Turniers setzte sich die deutsche Nationalmannschaft in Flensburg mit 29:20 (15:12) gegen Brasilien durch. Das Schauspiel der unfreiwillig neu formierten deutschen Mannschaft machte Lust auf mehr. Debütant Rune Dahmke vom THW Kiel erlebte bei seinem ersten Länderspiel eine starke Viertelstunde.

Magere 3071 Zuschauer in der Flens Arena machten Stimmung für mehr und trugen ihre Mannschaft besonders in der ersten Halbzeit zu einem wichtigen Zwischenspurt vom 7:7 (16.) zum 13:8 (26.). "Wir haben anfangs zu viele technische Fehler gemacht", resümierte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Das Siegen hatte der Isländer als Marschroute ausgegeben. Wenn er experimentierte, dann nur, weil er musste. Im Abwehr-Mittelblock zum Beispiel, in dem der Hannoveraner Erik Schmidt und der Magdeburger Finn Lemke als 1992er-"Babyblock" eine Ahnung davon gaben, wie es gehen könnte im Hinblick auf die Europameisterschaft in Polen (15.-31. Januar). Vorne versuchten es die Brasilianer mit langen Pass-Stafetten und Schlagwürfen, hinten mit einer offensiven Deckung. Vor der Pause lebte das Sigurdsson-Team von den Toren Uwe Gensheimers - auch vom Siebenmeterstrich - und von Steffen Fäth aus dem Rückraum.

Bester Mann des Tages war jedoch Jubilar Carsten Lichtlein. Der Gummersbacher Keeper ersetzte in seinem 200. Länderspiel nach der Pause den unauffälligen Silvio Heinevetter, parierte zwei Siebenmeter, ließ in der ersten Viertelstunde des zweiten Abschnitts zur zwei Tore der Brasilianer zu (22:14; 45.). Zwei Tage nach seinem 35. Geburtstag dirigierte Lichtlein seine Vorderleute, half den Jungen und sagte später bescheiden: "Egal ob Nummer eins, zwei oder drei – ich muss funktionieren, wenn ich gebracht werde." Um seinen Fehler sodann mit Blick auf sein Ticket für den EM-Zug zu korrigieren: "Nummer drei wäre nicht so gut."

Jetzt experimentierte Sigurdsson doch, mit einer 3:2:1-, dann mit einer 3:3-Deckung. Und er brachte zwei Debütanten: den Kieler Rune Dahmke sowie Kreisläufer Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar). "Carsten hat uns die nötige Ruhe gegeben, wir haben hoch geführt. Die beiden Neuen haben es genossen, das war eine schöne Sache", so Sigurdsson. Linksaußen Dahmke zog eine Zeitstrafe, holte einen Siebenmeter heraus, wurde dann per Traumpass von Steffen Fäth zu seinem ersten Länderspieltor eingeladen (29:19; 59.). "Erst auf dem Rückweg nach dem Tor habe ich bemerkt, dass das jetzt etwas Besonderes war", gab der 22-Jährige nach dem Schlusspfiff zu Protokoll.

Kapitän Uwe Gensheimer, mit sieben Treffern bester Schütze, zeigte sich besonders mit der Defensivleistung zufrieden, wollte den Neun-Tore-Sieg gegen den Olympia-Gastgeber allerdings nicht überbewerten. Vor dem heutigen Duell mit den Serben in Hamburg warnte der Löwen-Linksaußen: "Die haben stärkere Rückraum-Schützen, decken defensiver. Das wird ein ganz anderes, härteres Spiel."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 07.11.2015)

 

Mehr zum Thema

Ein Spiel dauert 60 Minuten, der Arbeitsalltag der Zebras indes ist deutlich länger - und spielt sich zumeist abseits des großen Rampenlichts der Handball-Arenen dieser Welt ab. Das THW-Arena-Magazin ZEBRA wirft einen exklusiven Blick ins Innere des THW Kiel. Heute: Wie verständigen sich Miha Zarabec & Co. eigentlich in einem echten Hexenkessel?

11.04.2018

Er ist wieder an Bord: Im Sommer wird der Ex-Kapitän Filip Jicha als Co-Trainer zum THW Kiel zurückkehren. Im ZEBRA-Interview spricht der "Welthandballer des Jahres 2010" über sein Verhältnis zu Trainer Alfred Gislason, alte und neue Erfolge und verrät zudem, warum Kiel ein ganz besonderer Ort für ihn geblieben ist.

10.04.2018

Dortmund. Bundestrainer Christian Prokop ist nach der desolaten Handball-EM mit zwei lockeren Testspielsiegen gegen Serbien der Neustart gelungen. 276 Tage vor dem Eröffnungsspiel der Heim-WM in Berlin intensiviert der 39-Jährige die Planungen für das wichtige Turnier. "Langeweile werde ich ganz sicher nicht haben", sagte Prokop nach dem 29:23 gegen die Serben in Dortmund. Die Vorfreude auf die WM...

09.04.2018

Mit seinen 21 Jahren ist Nikola Bilyk zwar das jüngste Zebra in der Herde, doch das ist für ihn kein Grund für Zurückhaltung auf dem Spielfeld. In seiner ersten Bundesliga-Saison hat der Österreicher bereits viel dazu gelernt sowie seinen ersten Titel mit dem THW Kiel geholt - und hat jetzt Hunger auf viel mehr, wie der dem THW-Arenamagazin ZEBRA verriet.

08.04.2018

Für den quirligen Linksaußen Raul Santos könnte es nach seiner Rückkehr ins Kieler Handballgeschehen nicht besser laufen. Monatelang konnte der 25-jährige Österreicher seinen Zebras nur von der Tribüne aus beim Spielen zuschauen, jetzt ist er wieder mittendrin - und das äußerst treffsicher. Mit dem Arena-Magazin ZEBRA sprach Raul Santos über die schwere Monate bis zu seinem Comeback.

07.04.2018

Seit dem 1. Januar ist Viktor Szilagyi Sportlicher Leiter beim THW Kiel. Der Österreicher, der von 2005 bis 2008 als Spieler das THW-Trikot trug und in seiner Karriere als erster Handballer alle drei Europapokaltitel gewann, soll und will mithelfen, die Zebras wieder auf Erfolg zu trimmen. Ein Meilenstein für die Zukunft: Mit Filip Jicha kehrt im Sommer ein weiterer Garant vergangener THW-Erfolge...

06.04.2018

Leipzig. Nach einem ausgelassenen Abend in der Leipziger Altstadt setzte sich der Tross des Deutschen Handballbundes (DHB) am Donnerstag in Richtung Dortmund in Bewegung. Dort steht am Sonnabend (14.30 Uhr/ARD) ein weiterer Test der Nationalmannschaft gegen Serbien auf dem Programm. Das 26:19 gegen den schwachen EM-Teilnehmer am Mittwochabend war für die Bad Boys ein gelungener Neustart nach...

06.04.2018

Leipzig. Neustart für die deutsche Handball-Nationalmannschaft. Im ersten Spiel nach dem langen Richtungsstreit um die Weiterbeschäftigung von Bundestrainer Christian Prokop haben die Bad Boys am Mittwochabend Serbien in der Arena Leipzig deutlich mit 26:19 (12:7) bezwungen. Bester Werfer der stark ersatzgeschwächten Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in diesem Testspiel war der...

05.04.2018