Starkes Remis gegen Dänemark

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Dienstag, 20.01.2015 // 18:48 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft hat dem Vize-Weltmeister Dänemark einen grandiosen Kampf geliefert. Am Ende von intensiven, packenden Minuten trennten sich beide Mannschaften 30:30 (16:16) unentschieden. Überragend: Steffen Weinhold erzielte acht Tore und war überall im deutschen Angriffsspiel zu finden. Im zweiten Spiel der Gruppe D besiegte Polen die Auswahl Russlands mit 26:25 (12:13), während Argentinien Saudi-Arabien mit 32:20 (13:11) besiegte. Weiter geht es für die DHB-Auswahl am Donnerstag (17 Uhr, live in sky) mit der Partie gegen den derzeit Gruppenvierten aus Argentinien. 

Zebra-Duelle en masse

Patrick Wiencek traf auf seinen THW-Zimmergenossen Rene Toft und dessen Bruder Henrik.

Gleich vier "Zebras" im Duell gegeneinander – die Begrüßung fiel kurz, aber herzlich aus. Mit der Freundschaft der Kieler war es dann aber für 60 Minuten vorbei – zumal die "Zebras" auf beiden Seiten in einer intensiven ersten Halbzeit eine Schlüsselrolle spielten. Lauge eröffnete den Torreigen und bereitete mit einem Fehlpass das deutsche 3:1 vor, das Rene Toft mit einem Doppelschlag innerhalb von 60 Sekunden ausglich. Der dänische Kreisläufer lieferte sich packende Duelle mit seinem Zimmerkollegen Patrick Wiencek, und als Toft diesen zu Boden riss, kassierte er die zweite Zeitstrafe bereits nach 25 Minuten. Und Steffen Weinhold? Der packte den Hammer aus, ging Eins-gegen-Eins und machte wichtige Tore - bis zum Wechsel standen vier in seiner Statistik.

Packende erste Hälfte

Vier Tore bis zur Pause: Steffen Weinhold.

So entwickelte sich ein echtes Spitzenspiel mit wechselnden Führungen: Strobel brachte den DHB mit 7:5 in Führung, Svan Hansen glich über die viel zu offene linke deutsche Abwehrseite aus. Die Dänen gingen in Führung, auch weil Mikkel Hansen nun einige Nadelstiche setzte. Lichtlein parierte und kassierte, Landin parierte und kassierte. Bis zum Wechsel glichen sich die Vor- und Nachteile aus – mit 16:16 ging es in die Kabinen - rund 2.500 Fans fieberten in der Lusail-Arena mit und sorgten ordentlich für Stimmung.

Drei-Tore-Führung für Deutschland

Rasmus Lauge führte Regie bei den Dänen.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Mit rasantem Handball, rassigen Zweikämpfen und schnellen Wendungen. Dänemark bot sich die Chance zur Zwei-Tore-Führung, doch Heinevetter, nach der Pause für Lichtlein gekommen, startete stark: Im Sitzen bediente er Groetzki zum 21:20, kurz darauf drehte sich Weinhold um die eigene Achse, ließ Mikkel Hansen stehen und traf zum 22:21. Und kurz darauf erzielte der Kieler Linkshänder auch die Zwei-Tore-Führung. Dänemarks Island-Trainer Gudmundur Gudmundsson beorderte Green für Landin ins Tor – und der verhinderte mit einer Parade das 24:21 für die DHB-Auswahl. Wenig später aber war es soweit: Die rund 600 deutschen Fans skandierten "Jetzt geht’s los" – und Gensheimer verwandelte vom Kreis.

Doppelte Unterzahl gut überstanden

Doch eine Vorentscheidung war das nicht: Erst kassierte Müller eine überflüssige Zeitstrafe, dann fuhr Wiencek Lauge in die Parade: Die Folge waren 50 Sekunden doppelte Unterzahl die Eggert mit einem Doppelpack zum 23:24-Anschluss nutzte. Doch Pekeler traf im Eins-gegen-Eins, und auch wenn Mikkel Hansen zum erneuten Anschluss traf: Diese kritische Phase überstand die DHB-Auswahl gut. Auch, weil Weinhold blitzschnell reagierte und Groetzki zum 26:24 auf die Reise schickte. Kurz darauf ging er wieder ins direkte Duell - und verlud Green mit seinem siebten Treffer zum 27:24. Da waren noch zehn Minuten zu spielen.

Dramatische Schlussphase

Und diese begannen mit Danish Dynamite: Spellerberg nutzte eine Lücke in der starken DHB-Deckung zum 26:27, Groetzki konterte. Mortensen traf im Gegenzug nach einem Traumpass von Christiansen – es wurde dramatisch, denn Lindberg traf in der 56. Zum 28:28, was Drux rotzfrech beantwortete. Als Weinhold nach dem erneuten Ausgleich zum 30:29 traf, und die Dänen Zeitspiel angezeigt bekamen, war die Chance da. Doch Toft Hansen holte einen Siebenmeter und eine Zeitstrafe gegen Müller heraus, in Unterzahl musste die DHB-Auswahl die letzten zwei Minuten bestreiten. Lindberg glich aus, 30 Sekunden vor dem Ende stand es 30:30 - Dagur Sigurdsson zog den grünen Karton. Die DHB-Auswahl spielte die letzten Sekunden clever herunter - ein Unentschieden gegen den Vizeweltmeister war nach tollen 60 Handballminuten eingefahren.

Statistik: WM 2015, 3. Gruppenspiel: Dänemark - Deutschland 30:30 (16:16), 20.01.2015

Deutschland: Heinevetter, Lichtlein; Kneer, Gensheimer (6/3), Sellin, Wiencek (1), Pekeler (3), Groetzki (6), Weinhold (8), Strobel (3), Schmidt, Kraus, Müller, Schöngarth, Böhm, Drux (3)

Dänemark: Landin, Green; Christiansen (6), Mortensen (1), Eggert (5/3), Lauge (1), Spellerberg (1), Nöddesbo, Svan (3), Lindberg (2/1), R. Toft (2), Möllgaard (1), Söndergaard, H. Toft (2), Hansen (6), Damgaard

Schiedsrichter: Ramirez/Lopez

Siebenmeter: Dänemark: 4/4; Deutschland 4/3 (Green hält Gensheimer (22.)

Zeitstrafen: Dänemark: 3 (2x R. Toft (10., 25.), Möllgaard (42.)); Deutschland: 4 (Kneer (14.), Pekeler (24.), 2x Müller (45., 59.), Wiencek (46.))

Zuschauer: ca. 2500  (Lusail Multiporpose Arena, Doha (QAT))

Spielfilm: 1. HZ: 1:0, 1:3 (5.), 3:3 (6.), 5:5 (10.), 5:7 (12.), 7:7 (15.), 9:8 (18.), 11:11, 14:14 (26.), 14:15, 16:15 (28.), 16:16.2. HZ: 16:17, 18:19 (35.), 20:19 (37.), 20:21 (38),  21:24 (45.), 23:24 (47.), 24:27 (50.), 26:27 (53.), 26:28 (55.), 28:28 (56.), 29:30 (58.), 30:30 (60.).

KN: Deutsche Trümpfe nach einem gefühlten Sieg

Doha. Das dramatische Gruppenspiel zwischen Dänemark und Deutschland endete 30:30 (14:14), trotzdem gab es einen überglücklichen Sieger: Das Team von Dagur Sigurdsson hält nun alle Trümpfe in der Hand, gegen Argentinien (morgen, 17 Uhr) und Saudi-Arabien (Sonnabend, 17 Uhr) sogar als Tabellenerster ins Achtelfinale einzuziehen. „Das muss jetzt unser Ziel sein“, sagte ein gelöster Hendrik Pekeler. "Mit 4:2 Punkten wäre ich nach drei Spieltagen sehr zufrieden gewesen, jetzt sind es 5:1 – einfach super."

Wie bei den Siegen gegen Polen (29:26) und Russland (27:26) spitzte sich auch gestern die Partie in der mit lediglich 2500 Zuschauern gefüllten Lusail-Arena am Ende zu. Die Deutschen, angeführt vom überragenden Steffen Weinhold, führten in der 51. Minute noch 27:24, doch der Vizeweltmeister meldete sich zurück. Als Hans Lindberg vier Minuten vor dem Abpfiff zum 28:28 traf, durften die Dänen wieder vom Sieg träumen. Den brauchten sie dringend, hatten sie doch zuvor überraschend einen Punkt an Argentinien (24:24) abgegeben.

In der hitzigen Schlussphase wechselte Sigurdsson den 19-jährigen Paul Drux ein, und der Berliner ("Das war Herrenhandball") setzte sich energisch gegen Hendrik Toft Hansen durch und vollendete. Doch einmal mehr war es Mikkel Hansen, der mit einem Wurf aus dem Nichts ausglich. Famos, wie der Däne mit der Björn-Borg-Gedächtnisfrisur sein Team anführte. Warf der Welthandballer nicht selbst, setzte er Lasse Svan genial ein. Mehrfach schien es, als hätte sich der Flensburger mit einer Tarnkappe angeschlichen. Der Rechtsaußen hatte nach Hansen-Pässen so viel Platz, dass er noch die rund 500 dänischen Fans hätte grüßen können, bevor er traf.

29:29 in der 57. Minute, dann erlebte Hansen mit, wie sich Weinhold um ihn herumschlängelte. Als der Däne noch nach Orientierung suchte, rannte der Kieler nach seinem achten Tor schon wieder zurück. "Steffen hat super gespielt", lobte sein dänischer Vereinskollege Rasmus Lauge. "Deutschland hat viel zu viele Tore geworfen."

Die knappe Führung hielt nicht, der junge Erik Schmidt bekam den Kieler Rene Toft Hansen nicht in den Griff, kassierte eine Zeitstrafe und die Dänen glichen per Siebenmeter durch Lindberg aus. Im Tor stand wieder Carsten Lichtlein, der erstmals in der Start-Sieben berücksichtigt worden war. Doch der Gummersbacher hielt nur fünf Bälle. Damit war er nicht schlechter als Bald-Kieler Niklas Landin, doch Sigurdsson entschloss sich trotzdem, im zweiten Durchgang mit Silvio Heinevetter zu beginnen. Dem Berliner erging es nicht besser, die Torhüter waren kein Faktor. Auf beiden Seiten nicht.

Doch in der Deckung kämpften die Deutschen um den Kieler Patrick Wiencek ("Das war ein cooler Tag") wie die Löwen. 30:30, noch 90 Sekunden zu spielen, Deutschland in Unterzahl. Sigurdsson ("Das war ein gefühlter Sieg") ließ Kraus das Leibchen überstreifen, um zur Not den Torhüter auszuwechseln. Er nahm eine Auszeit, um Ruhe in die Aktionen zu bringen. Das spanische Gespann Ramirez/Lopez zeigte Zeitspiel an, als sich Weinhold einmal mehr ins Getümmel stürzte. Er verdiente sich einen weiteren Freiwurf, den Jens Schöngarth mit seiner ersten Aktion in den Block hämmerte. Der Melsunger bekam eine zweite Chance, auch dieser Ball landete im Block, aber in dänische Hände geriet er nicht mehr. "Wir sind sehr zufrieden mit diesem Punkt", sagte Pekeler, "wir haben ja nicht gegen irgendwen gespielt, das war schließlich Dänemark."

Das Scheich-Barometer? In den 47 Sesseln saßen acht, so viele wie gegen Polen. Aber: In den Logen schauten weitere elf zu. Sie verfolgten das Drama lange vor den Bildschirmen mit, am Ende hielt es aber auch sie nicht mehr: Sie traten vor ihre Glastüren in die Halle – also 19. Das ist Rekord.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 21.01.2015)

 

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