THW Kiel verpflichtet Christian Dissinger

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Mittwoch, 29.04.2015 // 11:30 Uhr

Der deutsche Nationalspieler Christian Dissinger wird ab der kommenden Spielzeit für den THW Kiel auf Torejagd gehen. Der 23-jährige Rechtshänder, Junioren-Weltmeister 2011, unterschrieb beim deutschen Rekordmeister einen Zwei-Jahres-Vertrag. Möglich wurde der Wechsel, weil Dissingers aktueller Club TuS N-Lübbecke dem Wunsch des Spielers nach einer Vertragsauflösung zum Saisonende entsprochen hatte.

"Christian Dissinger hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Ich bin überzeugt davon, dass er sein großes Potenzial bei uns abrufen wird und er es bei uns packen kann", erklärt THW-Trainer Alfred Gislason. Geschäftsführer Thorsten Storm ergänzt: "Wir freuen uns, mit Christian Dissinger erneut einem jungen deutschen Spieler die Möglichkeit zur Weiterentwicklung auf hohem internationalen Niveau zu geben." Nach seinen beiden schweren Verletzungen habe sich Christian Dissinger mit großem Engagement und Einsatz wieder an den Top-Handball herangearbeitet, so Storm weiter: "Christian hat in seiner Karriere bisher viel Pech gehabt. Er ist ein Spieler, der aus der Distanz Tore machen kann und gleichzeitig sehr abwehrstark ist."

Christian Dissinger freut sich auf die neue Aufgabe: "Beim THW Kiel spielen zu dürfen, ist für mich ein Traum, den ich so nicht zu träumen gewagt habe. Es ist eine unglaubliche Chance, die mir die Verantwortlichen hier in Kiel geben. Ich bedanke mich für das Vertrauen, das der THW Kiel in mich setzt. Ich möchte dieses Vertrauen mit guten Leistungen zurückzahlen."

Zur Person: Christian Dissinger

Christian Dissinger wurde am 15. November 1991 in Ludwigshafen geboren. Als 17-Jähriger debütierte er bei seinem Heimatverein TSG Ludwigshafen-Friesenheim in der Zweiten Liga, mit dem er 2010 den Bundesliga-Aufstieg schaffte. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2011 spielte sich der 2,02 Meter große Rückraumspieler ins Rampenlicht: Mit der DHB-Auswahl gewann er den Weltmeistertitel und wurde zudem als bester Halblinker und "wertvollster Spieler" des Turniers ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wechselte er zum Champions-League-Teilnehmer Kadetten Schaffhausen und wurde dort 2012 Schweizer Meister. Am 9. März 2013 feierte Dissinger sein Debüt in der A-Nationalmannschaft, für die er bisher vier Partien absolvierte. Nach der zweiten längeren Zwangspause durch eine Knieverletzung kehrte Dissinger im April 2014 in die Handball-Bundesliga zurück, seitdem trug der Rechtshänder das Trikot des TuS N-Lübbecke. Für die Ostwestfalen erzielte Dissinger in dieser Spielzeit in 27 Einsätzen 71 Tore.

 

Foto: TuS/Oliver Krato

KN: THW angelt sich Christian Dissinger

Kiel. Handballmeister THW Kiel verpflichtet für die kommende Saison Rückraumspieler Christian Dissinger. Der Rechtshänder in Diensten des Bundesligisten TuS N-Lübbecke unterschrieb bei den Zebras einen Zweijahresvertrag. Gut möglich, dass sich – als Konsequenz auf diesen Transfer - Rasmus Lauge der SG Flensburg-Handewitt anschließt.

Dissinger ist erst 23 Jahre alt, dennoch blickt er schon auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Mit den Junioren wurde der Ludwigshafener 2011 in Griechenland Weltmeister und als wertvollster Spieler des Turniers geehrt. Anschließend riss er sich beide Kreuzbänder, verlor früh seinen Vater, der an einem plötzlichen Herztod verstarb, und versuchte im Sommer 2013 bei Atletico Madrid (ehemals Ciudad Real) einen Neustart. Doch der spanische Spitzenverein meldete bereits vor dem Saisonstart Insolvenz an. Mit Freundin Daniela hatte er die Flüge schon gebucht, dem Paar stand in Madrid eine Wohnung zur Verfügung - über Nacht löste sich der spanische Traum in Luft auf, der 2,02-Meter-Hüne stand ohne Verein da.

Im Januar 2014 lotste ihn Dirk Beuchler als Trainer des TuS N-Lübbecke nach Ostwestfalen. Unter Beuchler gelang dem viermaligen Nationalspieler, der beim Bundesliga-Zwölften auch eine zentrale Rolle im Innenblock spielt, ein beachtliches Comeback. "Er arbeitet sehr hart an seiner Physis", lobte ihn der inzwischen entlassene Beuchler vor dem Gastspiel in Kiel im Oktober vergangenen Jahres. "Was er jetzt noch braucht, ist Spielpraxis." Die Qualität, einmal eine richtig große Nummer zu werden, habe er ohne Zweifel. "Wenn er sich aber noch einmal das Kreuzband reißt, könnte es ihm ergehen wie dem Hamburger Oscar Carlen." Der Schwede, einst eines der größten Talente im rechten Rückraum, hat eine entsprechende Krankenakte und beendete als 25-Jähriger seine Karriere.

Dissinger, der bei seinem Gastspiel in Kiel (24:21) noch unauffällig blieb, steuerte vier Wochen später beim 29:27-Sieg gegen FA Göppingen zehn Tore bei. „Beim THW spielen zu dürfen, ist ein Traum, den ich so nicht zu träumen gewagt habe“, sagt Dissinger. "Es ist eine unglaubliche Chance. Ich werde alles daran setzen, sie zu nutzen." Trainer Alfred Gislason ist fest davon überzeugt, dass ihm das gelingen wird. "Er wird es packen." Auch Manager Thorsten Storm freut sich auf den Neuen. "Alfred hat einen Spieler gesucht, der aus der Distanz Tore werfen kann und abwehrstark ist. Christian kann für uns ein solcher Spieler werden."

Mit diesem Transfer verstärken sich die Anzeichen, dass Lauge den Verein im Sommer verlässt. Der 23-Jährige, dem nach zwei schweren Knieverletzungen im März dieses Jahres ein starkes Comeback gelang, soll sich mit Flensburg einig sein. Angeblich geht es nur noch darum, Details zu besprechen, um seinen bis Juni 2016 laufenden Vertrag aufzulösen. Der Mittelmann der dänischen Nationalmannschaft war am Tag vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

"Rasmus Lauge gehört zur Mannschaft des THW Kiel", sagte Manager Thorsten Storm. "Alles andere ist Spekulation." Ähnliches gelte für die Gerüchte um Rückraumspieler Mikkel Hansen. Den Superstar von Paris St.-Germain wollen Augenzeugen bereits in Kiel gesichtet haben. "Er war in Kiel?", fragte Storm mit einem Schmunzeln. "Kein Wunder, es ist ja auch schön bei uns. Ich habe ihn allerdings nicht getroffen." Laut der französischen Sportzeitung "L’Equipe" hat der Welthandballer von 2011 eine Ausstiegsklausel in seinem bis Juni 2016 laufenden Vertrag. Doch Knackpunkt bleibt das angeblich siebenstellige Gehalt des Dänen. "Dass er einer der besten Spieler der Welt ist, weiß jeder im Handball", sagte Storm. "Leider auch Paris."

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 29.04.2015)

 

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