Halbfinale! Deutschland schlägt Dänemark!

Weitere
Mittwoch, 27.01.2016 // 20:00 Uhr

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht im Halbfinale der Europameisterschaft! In einem wahren Thriller besiegte das jüngste Team des Turniers den Titelfavoriten Dänemark mit 25:23 (12:13) und schaffte damit die Sensation: Zum ersten Mal seit 2008 erreicht die DHB-Auswahl die Vorschlussrunde eines internationalen Turniers. Hunderte Fans in Breslau und beim Public Viewing im Kieler Handballbahnhof waren völlig aus dem Häuschen, als Torwart Andreas Wolff zehn Sekunden vor Schluss den letzten dänischen Angriff abwehrte. Der Traum lebt weiter!

Weinhold und Dissinger auf der Tribüne

Die deutsche Mannschaft musste ausgerechnet in diesem richtungsweisenden Spiel auf zwei ihrer Leistungsträger verzichten: Die beiden Kieler Steffen Weinhold und Christian Dissinger fallen mit Adduktoren-Verletzungen aus dem siegreichen Spiel gegen Russland noch bis Ende März aus. Für sie rückten die jungen Julius Kühn und Kai Häfner nach. In der Startformation vertraute Sigurdsson einmal mehr dem Bald-Kieler Andreas Wolff und Rune Dahmke, für Weinhold und Dissinger spielten Martin Strobel und Fabian Wiede von Beginn an, während Weinhold und Dissinger auf der Tribüne die Daumen drückten.

Landin ärgert Dahmke & Co.

Niklas Landin hielt stark: 12 Paraden verzeichnete der dänische THW-Keeper

Die deutsche Mannschaft hatte anfangs noch mit Abstimmungsproblemen zu kämpfen. Kein Wunder, musste sie doch mit den beiden Kielern zwei Säulen im Rückraum ersetzen. Zudem hielt Niklas Landin überragend und ärgerte mehrfach seinen Clubkollegen Rune Dahmke und dessen Mannschaftskameraden. Die Überraschung: Trotzdem hielt die DHB-Auswahl gut mit, machte die fehlende Abstimmung mit bedingungslosem Einsatz wett. So kam die deutsche Mannschaft nach der zwischenzeitlichen 5:3-Führung der Dänen durch Erik Schmidt zum 5:5, und legte kurz darauf mit einem verwandelten Gegenstoß von Dahmke das 6:5 nach (13.). 

Gruppe II: Deutschland - Dänemark: 25:23 (12:13)

Deutschland: Lichtlein, Wolff; Sellin, Lemke, Reichmann (4/3), Wiede (5), Pekeler, Strobel (1), Schmidt (1), Fäth (6), Häfner, Dahmke (2), Kühn (1), Ernst, Pieczkowski (1), Kohlbacher (1)

Dänemark: Landin, Möller; Lynggard, Christiansen (1), Mensah (2), Mortensen, Eggert (6/3), Lauge, Noddesbo, Svan (2), Lindberg (2), Möllgaard, Toft Hansen, Hansen (7), Damgaard (3), Balling

Schiedsrichter: Horacek/Novotny (Tschechien)

Zeitstrafen: 8:8 Minuten (Wiede, Pekeler, Schmidt, Pieczkowski – Mensah, Eggert, Möllgard, Toft Hansen)

Siebenmeter: 3/3:3/3

Spielfilm: 2:3 (5.), 6:5 (14.),  10:8 (22.), 10:12 (27.), 12:13 (Halbzeit);
14:13 (32.), 16:16 (36.)  16:18 (43.), 21:21 (50.), 21:23 (53.), 23:23 (57.), 25:23 (Endstand)

Zuschauer: 6000 in Breslau

Zur Pause ein Tor hinten

Neuer Anführer: Steffen Fäth erzielte sechs Treffer

Dann wechselten die Führungen hin und her, ehe Deutschland seine bis dato stärkste Phase hatte: Der überragende Steffen Fäth (6 Tore) erzielte das 8:8 und 9:8, der nachnominierte Häfner traf zum 10:8. Mehrfach bot sich der DHB-Auswahl nun die Chance, zu erhöhen. Doch Landin machte diese zunichte. Sechs Minuten blieb Deutschland ohne Tor, und Dänemark setzte sich durch je zwei Tore von Damgaard und Eggert auf 12:10 (27.) ab. Fäth war es, der sein Team mit zwei Treffern noch vor dem Wechsel wieder ins Spiel brachte: Zur Pause lag die DHB-Auswahl zwar mit 12:13 zurück, hatte aber mächtig Eindruck hinterlassen.

Packendes Match

Riesen-Jubel in Breslau: Deutschland steht im Halbfinale!

Doch die ersten 30 Minuten sollten erst die Ouvertüre für die packende zweite Hälfte gewesen sein: In diese startete die deutsche Mannschaft mit einem von Reichmann verwandelten Siebenmeter zum Ausgleich, dann legte die deutsche Defensive mit einem immer stärker werdenden Andreas Wolff die Grundlage für das 15:13: In Überzahl trafen Reichmann und Wiede, doch Dänemark legte nach - mit dem Chef Mikkel Hansen. Er riss das Ruder nun an sich, markierte das 17:16 für Dänemark, dem Eggert das 18:16 folgen ließ (42.). Dänemark schien auf Kurs und sich auch in der Abwehr auf die neuen Gesichter eingestellt zu haben. Doch nach Eggerts 19:17 waren es Häfner und Wiede, die Deutschland zum Ausgleich brachten. Dann traf Rune Dahmke: Er nagelte einen Gegenstoß zum 20:19 in Landins Maschen - eine Viertelstunde vor Schluss war Deutschland auf Halbfinalkurs.

Dänen vorn - dann kommt der DHB

Rune Dahmke nach dem Schlusspfiff: völlig losgelöst!

Auch nach Peiczkowskis 21:20 jubelten die deutschen Fans - doch vier Minuten ohne weiteren Torerfolg später waren die Dänen obenauf: Lindberg und Mikkel Hansen hatten sie mit 23:21 (53.) in Führung gebracht. Sollte der deutsche Halbfinal-Traum jetzt zu Ende sein? Nein. Sigurdsson nahm eine Auszeit, sagte den nächsten Spielzug an, und Nachrücker Julius Kühn nagelte einen Freiwurf ins Tor zum 22:23. Dann blockte die Abwehr einen Hansen-Wurf, was Martin Strobel mit dem 23:23 (57.) belohnte. Dann musste Mensah raus, und Pekeler holte einen Siebenmeter, den Reichmann sicher zum 24:23 verwandelte. Zweieinhalb Minuten vor dem Ende war damit Deutschland wieder in der Pole Position - jetzt begann das Zittern. 

Wahnsinn!

Mittendrin: Kapitän Weinhold beglückwünschte Nachrücker Julius Kühn

Offenbar auch bei den Dänen, denn der bis dato sichere Eggert verzog einen freien Wurf von Außen, und als Wiede 66 Sekunden vor dem Schluss das 25:23 erzielte, rückte das Halbfinale in ganz greifbare Nähe. Den Sack machte dann die deutsche Abwehr mit Wolff dahinter zu: Immer wieder machten sie die dänischen Angreifer fest, und als Wolff Mensahs finalen Wurf und damit seinen zwölften Ball parierte, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen: Die letzten vier Tore gehörten dem deutschen Team - der Rest war nur noch Party. Auf dem Platz, in der Breslauer Jahrhunderthalle und im Handballbahnhof, wo noch minutenlang "Oh wie ist das schön" von vielen hundert Fans intoniert wurde. Wahnsinn!

"Einfach nur glücklich"

Umarmung: Andreas Wolff und Rune Dahmke

Auf wen die deutsche Mannschaft trifft, steht erst nach den finalen Spielen am Mittwochabend fest. Der deutschen Mannschaft war es in den Minuten nach dem Spiel auch erst einmal egal, wie es am Freitag weiter geht. "Wir sind super-glücklich!", jubelte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. "Für Außenstehende war es vielleicht eine Überraschung, dass wir jetzt im Halbfinale stehen, für uns nicht. Diese Mannschaft ist bei der EURO von Spiel zu Spiel gewachsen und sie war bereit für diesen Sieg." Andreas Wolff rang hingegen nach Worten: "Ich bin einfach nur baff, nur froh und nur glücklich."

Dänemark ausgeschieden - Deutschland trifft auf Norwegen

Für die Dänen bedeutete die Niederlage das Aus bei der EM. Die erhoffte Schützenhilfe von Russland gegen Spanien blieb aus, und somit treffen die Dänen am Freitag um 18:30 Uhr in einer Neuauflage des EM-Endspiels 2014 auf Frankreich - allerdings im Spiel um Platz fünf. Bereits um 16:00 Uhr will Schweden mit einem Sieg gegen Polen seine Chance auf einen Platz in den Olympia-Qualifikationsturnieren wahren. Deutschland trifft um 18:30 Uhr auf Norwegen (live beim Public Viewing im Handballbahnhof), das zweiten Halbfinale bestreiten Kroatien und Spanien dann um 21 Uhr (live auf www.sportdeutschland.tv). Auf geht's, DHB!

 

Mehr zum Thema

Der THW Kiel wird in den schleswig-holsteinischen Sommerferien zum ersten Mal überhaupt ein Testspiel auf der Insel Sylt bestreiten: Am Sonnabend, 21.Juli, treffen die Zebras im Sportzentrum Westerland auf den Landesligisten TSV Westerland. Möglich macht diese Partie der THW-Sponsor Provinzial.

25.05.2018

Mit dem "sky-goes-REWE"-Cup eröffnet der THW Kiel am Mittwoch, 15. August, in der Kieler Sparkassen-Arena die neue Saison. Nach zwei Jahren Pause feiern die Zebras gemeinsam mit der "weißen Wand" den Beginn der neuen Spielzeit. Der Vorverkauf mit Frühbucher-Rabatt für den "sky-goes-REWE"-Cup startet am Sonnabend, 26. Mai, um 9 Uhr an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im...

23.05.2018

München. Handball-Bundestrainer Christian Prokop beginnt schon mehr als ein halbes Jahr vor Beginn der Heim-WM, sein Team auf den Saisonhöhepunkt 2018/19 einzuschwören. Bei einem knapp zweiwöchigen Trip nach Japan im Juni stehen vor allem soziale Maßnahmen im Fokus. "Diese zehn Tage werden für Teambuilding, Zusammenwachsen und Sightseeing genutzt werden", kündigte Prokop an. Dort steht für die...

18.05.2018

Mit einer bunten, abwechslungsreichen und faszinierenden Show wurden am Montat die "Special Olympics 2018" in Kiel eröffnet. Mehr als 8000 Athleten feierten in der Sparkassen-Arena den Beginn der Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung. Mittendrin auch zwei Zebras: Rune Dahmke und Steffen Weinhold durften als "Gesichter der Spiele" mit den Special-Olympics-Athleten Christoph Bertow (Unified...

15.05.2018

Seit dem heutigen Montag steht Kiel ganz im Zeichen der Sepcial Olympics: Bis zum 18. Mai werden 4.600 Sportler in Kiel olympisches Flair verbreiten. THW-Linksaußen Rune Dahmke ist eines der "Gesichter der Spiele". Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Steffen Weinhold und den Special-Olympics-Athleten Christoph Bertow (Unified Basketball), Michaela Harder (Leichtathletik) und Pierre Petersen...

14.05.2018

Mittwoch, 15. August 2018: Diesen Termin sollten sich THW-Fans bereits jetzt ganz dick im Kalender anstreichen! Mit dem sky-goes-REWE-Cup eröffnet der THW Kiel in der Sparkassen-Arena gemeinsam mit seinen Anhängern die neue Spielzeit. 

11.05.2018

Kiel. Der Wechsel von Andreas Wolff zu Vive Kielce im Sommer 2019 steht längst fest. Immer wieder aber kursierten Gerüchte, dass der Europameister von 2016 schon nach der aktuellen Saison nach Polen wechsle, gleichzeitig wurden immer neue potenzielle Nachfolger gehandelt. Nach der Vertragsverlängerung von Johannes Bitter beim TVB Stuttgart tauchte zuletzt der Name Borko Ristovski im Zusammenhang...

09.05.2018

Er war unter anderem Welthandballer, Champions-League-Sieger, mehrfacher deutscher und spanischer Meister und Pokalsieger, EHF-Cup-Gewinner, Handballer des Jahres in Tschechien und Deutschland, EM- und Champions-League-Torschützenkönig: Filip Jicha ist ohne Zweifel einer der größten Handballer des vergangenen Jahrzehnts. Im Oktober musste der 36-Jährige allerdings seine einzigartige Karriere...

06.05.2018