KN: Der Frischevorteil - heute gegen Ungarn

Weitere
Freitag, 22.01.2016 // 08:30 Uhr

Breslau. Die Belohnung der deutschen Handballer für den Einzug in die Hauptrunde der Europameisterschaft in Polen fiel imposant aus: Fleischberge und Tiramisu zum Nachtisch beim Italiener "La Scala Piccola Italia" in der Altstadt von Breslau. Am nächsten Morgen waren die Spieler von Bundestrainer Dagur Sigurdsson, die in Polen den Ruf der jungen, mutigen, unbekümmertem "No Names" genießen, schnell wieder im Arbeitsmodus. Nächster Schritt Hauptrunde, nächster Gegner Ungarn (heute, 18.15 Uhr/ZDF und beim Public Viewing im Handballbahnhof). Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Russland (Sonntag, 18.15 Uhr/ARD) und Dänemark (Mittwoch, 18.15 Uhr/ARD) heißen die weiteren Gegner, mit denen sich Sigurdsson am Donnerstag allerdings nicht beschäftigen will: "Wir spielen am Freitag gegen Ungarn. Alles andere ist mir Wurscht." Zwar müsse auch der Isländer zugeben: "Dänemark ist eine Übermannschaft." Aber man dürfe nicht unterschätzen, dass es für Ungarn und seinen erfahrenen Trainer Talant Dujshebaev (Sigurdsson: "Ein starker Stratege") auch noch um einen Platz in einem der Olympia-Qualifkationsturniere gehe.

"Jetzt gilt's, jetzt sind wir drin im Turnier", sagt Kapitän Steffen Weinhold. Mehr als fünf Millionen Zuschauer hatten den 25:21-Sieg der Deutschen gegen Slowenien an den Fernsehschirmen sehen wollen. "Bemerkenswert, wir sind jetzt auch in Deutschland angekommen", wie Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, befindet. Hanning beschwört gleich noch einmal den "Geist der Mannschaft". "Wie ein Steffen Weinhold als Führungsspieler mit den jungen Spielern spricht. Oder was Carsten Lichtlein, der im Tor noch nicht ins Turnier gefunden hat, von der Bank leistet - das zeigt das große Miteinander auf dem Weg bis 2020." Könnte schon in Breslau 2016 keimen, was am Ende zu einer erfolgreichen Heim-Weltmeisterschaft 2019 und Olympia-Gold 2020 führen soll?

So weit will der Bundestrainer nicht denken. "Kampf, Leidenschaft, Systemtreue, Disziplin: Meine Spieler haben sich in der Vorrunde gute Noten verdient. Jetzt kommen die Spiele Nummer vier, fünf und sechs. Wir haben eine junge Mannschaft, und junge Leute regenerieren schneller als alte. Vielleicht ist das ein Frischevorteil." Frische plus starke Abwehr plus starkes Umschaltspiel - das mit einem Schnitt von nur 24,9 Jahren mit Abstand jüngste Team des Turniers hat Blut geleckt, weiß jetzt, was es kann. "Alles ist möglich, aber wir dürfen jetzt auch nicht überdrehen. Wir haben die Blamage verhindert und die Pflicht gemeistert. Mehr nicht", sagt Torwart Andreas Wolff. Das weiß auch der junge Kreisläufer Jannik Kohlbacher (20) von der HSG Wetzlar, der mit seiner Spielweise gegen Slowenien wichtige Löcher in der gegnerischen Deckung riss: "Wir träumen von einer Medaille. Wenn wir weiterhin so knallhart Abwehr spielen, können wir viel erreichen."

Der Wind hat sich innerhalb von drei Spielen gedreht. Vergessen ist die Bescheidenheit. Das spürt auch das Umfeld. "Die Chance ist da, eine Medaille zu holen", sagt der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan. Der heute 42-Jährige führte 2004 als Spielmacher Regie. Damals wurde Deutschland Europameister. Steffen Weinhold übt sich nach dem Parforceritt der Vorrunde lieber in Zurückhaltung. "Im Angriff haben wir sicher noch Luft nach oben. Aber wir wissen, dass erst einmal die Abwehr der Grundstein zum Erfolg sein muss." Die Abwehr, bis dato die Paradedisziplin einer frech aufspielenden Mannschaft. Eine, die sich nicht einschüchtern lässt. "Jeder Gegner in der Hauptrunde", so Weinhold, "wird wissen, dass es wehtut, gegen uns zu spielen."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 22.01.16, Foto: Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Kiel/Wetzlar. Bereits im Juni hatten die KN an dieser Stelle vom bevorstehenden Wechsel des dänischen Riesentalents Magnus Landin an die Kieler Förde berichtet. Zunächst war der Transfer an zu hohen Ablöseforderungen gescheitert, doch seit Freitag ist es offiziell: Der 22-jährige dänische National-Linksaußen schließt sich im kommenden Sommer dem THW Kiel an, er unterschrieb bei den Zebras einen...

20.11.2017

Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat den dänischen Nationalspieler Magnus Landin Jacobsen verpflichtet. Der 22-jährige Linksaußen wird im Sommer vom 14-fachen dänischen Meister KIF Kolding Kopenhagen an die Förde wechseln, wo er einen Zweijahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2020 unterschrieben hat.

17.11.2017

Die Fans des THW Kiel haben neben der Begeisterung für ihre "Zebras" auch ein großes Herz. Das unterstrichen die "Auswärts-Fahrer" des Fanclubs "Zebrasprotten" jetzt einmal mehr und spendeten 1800 Euro für das star-Fitnessprogramm zur Förderung der Mobilität krebskranker Kinder am UKSH.

15.11.2017

Kiel. Ernüchterung beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel. Ein stabiler Titelkandidat - das hat das 26:29 gegen RK Celje am Sonntag offenbart - werden die Zebras in dieser Saison nicht mehr. Besonders einer fehlt an allen Ecken und Enden: Kapitän Domagoj Duvnjak. Erst im Dezember wird der 29-jährige Kroate, so die Prognose der Ärzte, wieder auf dem Feld stehen. Gleiches gilt für...

14.11.2017

Der THW Kiel stellt sich breiter auf, um mehr in die Tiefe gehen zu können: Manager Thorsten Storm verlängert seinen Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021, der Österreicher Viktor Szilagyi kehrt als sportlicher Leiter zum deutschen Rekordmeister zurück.

02.11.2017

Berlin. Christian Prokop mag es nicht gern, Personalentscheidungen zu rechtfertigen. Vielmehr fordert der Handball-Bundestrainer "den nötigen Respekt" für seine Nominierungen. Für die Länderspiele gegen Spanien hat der Nachfolger von Dagur Sigurdsson auf den Außenpositionen auch der zweiten Reihe eine Chance gegeben, doch der Erkenntnisgewinn durch die Leistungen von Yves Kunkel und Tim Hornke war...

31.10.2017

Berlin. Nach der erfolgreichen Weichenstellung bedankte sich DHB-Präsident Andreas Michelmann an höchster Stelle für das schönste Geschenk zu seiner Wiederwahl. Während des Bundestages der deutschen Handballer hatte Hassan Moustafa, Chef des Weltverbandes IHF, die frohe Kunde von der bevorstehenden Einigung über eine Live-Übertragung der Frauen-WM im Free-TV überbracht.

30.10.2017

Berlin/Magdeburg. Am Sonntagmorgen feierte der Deutsche Handballbund (DHB) sich und "100 Jahre Handball" mit prächtigem Ausblick aus der Humboldt-Box in Richtung Berliner Museumsinsel, während draußen Sturmtief Herwart sein Unwesen trieb. Wenige Stunden später holten sich die Bad Boys von Bundestrainer Christian Prokop gehörigen Rückenwind mit Blick auf die Europameisterschaft im Januar in...

30.10.2017