KN: Der kurze Höhenflug des Dragos Oprea

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Montag, 04.01.2016 // 09:40 Uhr

Kiel. Mitte September stieß Dragos Oprea zum THW Kiel, um Rune Dahmke auf Linksaußen zu entlasten, am 31. Dezember läuft sein Vertrag wie geplant aus. Die kurze Zeit habe ihn sehr weitergebracht, sagt der 33-Jährige, der bis zuletzt auf einen Verbleib in Kiel gehofft hatte. Einen Vertrag bei einem anderen Verein hat er noch nicht. "Es hat mich besonders gefreut, Teil dieser Weltklassemannschaft zu sein, auch wenn es nur kurze Zeit war", sagt Oprea. "Ich hätte nicht gedacht, dass mir das irgendwann mal passiert."

Wehmütig verlässt der Linksaußen den THW Kiel

Tat es aber, am 19. September war "Dodo" ein Zebra. Nur vier Tage später lief er im Bundesligaspiel bei seinem alten Verein Frisch Auf Göppingen auf, schon am 3. Oktober musste er im Champions-League-Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt über 60 Minuten ran. "Es hat von Anfang an alles gepasst, ich wurde von der Mannschaft super aufgenommen", erzählt Oprea, der zuvor 15 Jahre in Göppingen gespielt hatte.

Schon nach wenigen Tagen wurde dem erfahrenen Linksaußen bewusst, was es bedeutet, das THW-Trikot zu tragen: Tägliche Arbeit mit der Mannschaft, den Trainern und Physiotherapeuten, alle drei Tage ein Spiel, dabei immer wieder Konzentration auf das nächste, Auswärtsfahrten innerhalb der ganzen Republik, in der Champions League nach Polen, Ungarn, Frankreich und Slowenien. "Die Intensität ist hier schon extrem", sagt der gebürtige Rumäne. "Diese Zeit hat mich ein großes Stück weitergebracht, vor allem an Erfahrung und mentaler Stärke."

Auch die körperliche Verfassung wurde schnell besser. "Ich habe sehr vom Training hier profitiert, bin in meinen Bewegungen wesentlich leichter als vorher", erklärt Oprea. Der 60-Minuten-Einsatz gegen Flensburg bewies das. Von Verletzungen blieb der Routinier in Kiel verschont. So konnte er sich ganz auf seine Aufgabe konzentrieren, in der Stadt und in der Mannschaft Fuß fassen, Rune Dahmke ein Stück weit entlasten. Die beiden Linksaußen teilten sich auf Auswärtsfahrten ein Zimmer, verbrachten auch abseits von Training und Spiel Zeit miteinander. "Wir haben uns von Anfang an gut verstanden", sagt Dahmke. "Ich bin schon traurig, dass er geht."

Für dreieinhalb Monate war Kiel Opreas Zuhause. Er fand eine Wohnung in Molfsee, Familie und Freunde besuchten ihn im Norden, erkundeten die Stadt. "Wenn du aus dem Süden kommst, ist Kiel einfach ganz anders - du läufst durch die Stadt, und auf einmal siehst du ein riesiges Schiff. Das war vor allem am Anfang sehr cool", erzählt er. Seine Familie blieb in Göppingen, Sohn Loui (3) geht dort in den Kindergarten. "Es war natürlich nicht leicht ohne meine Familie", sagt Oprea. Umso schöner waren die Begegnungen, wie Anfang Dezember in Stuttgart, als neben Frau Katja und Loui mehr als 30 Verwandte und Freunde aus Göppingen kamen.

Vor allem in der Weihnachtszeit vermisste Oprea seine Familie, seine Freunde und seine Heimat. "Es ist die schönste Zeit des Jahres und hat für mich eine große Bedeutung", sagt er. Es war das erste Weihnachtsfest, an dem er seine Eltern nicht sah, die beruflich in Göppingen eingebunden waren. Doch Katja und Loui kamen, seine Schwägerin und sein Neffe, auch ein paar Freunde. Sie sahen sich das famose Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am 23. Dezember an und blieben anschließend, um Weihnachten zu feiern.

Der Abschied tue schon ein bisschen weh, sagt "Dodo", obwohl er schon bei Vertragsschluss beschlossene Sache war. "Natürlich wusste ich, wofür ich hier bin. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte nicht gehofft, dass es doch weitergeht", sagt er. Obwohl er noch keinen neuen Verein gefunden hat, ist er optimistisch, dass die Auftritte im Zebra-Trikot nicht unbemerkt geblieben sind. "Ich wünsche mir, dass es ein verspätetes Weihnachtsgeschenk gibt und ich einen neuen Klub - am besten in der Bundesliga - finde", sagt er.

Nach 19 Spielen und 14 Toren für den THW bricht Oprea auf zu neuen Ufern. "Ich bin sicher, dass er ein Angebot bekommen wird", sagt Zimmerkollege Dahmke. Vielleicht kehrt "Dodo" ja mit einem neuen Klub schon während der Rückrunde nach Kiel zurück. Oder vielleicht Anfang Juni, nach dem letzten Bundesligaspiel gegen Stuttgart. "Vielleicht werde ich da ja zu einer großen Party eingeladen - falls es was zu feiern gibt", sagt er. "Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dann wieder herzukommen."

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 30.12.2015, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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