KN: Der THW zieht ins Umland

Weitere
Donnerstag, 21.07.2016 // 09:26 Uhr

Kiel/Tokio. Was vor drei Jahren mit einer spannenden Vision begann, hat am Mittwoch ein jähes Ende . Alle Ideen für ein gemeinsames Trainingszentrum des THW Kiel und der KSV Holstein in Projensdorf sind begraben. Die Verantwortlichen des THW schalten einen Gang höher, lassen die Stadtgrenze hinter sich und suchen sich in Altenholz eine neue Trainingsheimstatt.

Zebras planen Trainingszentrum in Altenholz

Geplant ist dort ein Komplex für Weltklasse-Profis und Nachwuchs gleichermaßen, den ein deutscher Investor nach Informationen der Kieler Nachrichten bis Mitte 2018 mit einem Volumen in zweistelliger Millionenhöhe realisieren wird. Die Zebras werden sich als Langzeitmieter für mindestens 15 Jahre binden.

Der "Leuchtturm" - eine Kooperation von Handballern und Fußballern, die bundesweite Strahlkraft entwickelt hätte - wird nun nicht gebaut. Von einem Bruch sprechen THW- und KSV-Verantwortliche nicht. Eher von Einvernehmen, immer produktiven Gesprächen und viel Verständnis. Die Zebras, die bislang zum Pendeln zwischen Russee, Wellsee, Kronshagen und Universität gezwungen waren, kehren der Landeshauptstadt den Rücken und entscheiden sich für Altenholz.

Eingerahmt vom IT-Dienstleister Dataport, der Verwaltungsfachhochschule und dem Apartment-Park "Westside Living" werden Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold und Co. dort nicht nur die Basis eines Hallenparketts vorfinden, sondern endlich auch eine komplette "heimische" Infrastruktur mit Umkleidetrakt, Laufbahn, Kraftraum und weiteren Einrichtungen der Leistungsdiagnostik. Trainerbüro, Besprechungsraum, Arztzimmer und Räumlichkeiten für den THW-Nachwuchs runden das Trainingszentrum auf der einen Seite ab. Weitere Mieter aus den Bereichen Fitness, Physiotherapie und Ernährungsberatung werden den Komplex in enger Abstimmung mit dem THW beziehen. Zudem wird es ein angeschlossenes "Hostel" geben, in dem dem Kieler Handball-Primus allein 13 Doppelzimmer zur Verfügung stehen werden.

"Seit 2009 waren wir bemüht, das Training zu optimieren, haben verschiedene Standorte sondiert. Während der Planungen in Projensdorf wurden wir nun von einem Investor angesprochen. Wir wurden sozusagen von der Entwicklung überholt. Daraufhin haben wir der Stadt das Signal gegeben, dass wir uns für einen anderen Standort entschieden haben", erklärte der THW-Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Ziegenbein die Kehrtwende.

Die Tatsache, dass der 20-malige deutsche Meister nun nicht mehr als Investor, sondern als Mieter in Erscheinung tritt, hat für den Juristen nur Vorteile: "Zum einen müssen wir uns um die Finanzierung gar nicht mehr kümmern, können aber auf der anderen Seite unsere Vorstellungen zu 100 Prozent realisieren. Außerdem kommen wir schon 2018 in die Nutzung, gewinnen zwei, drei Jahre. Dadurch, dass wir aus der wirtschaftlichen Pflicht raus sind, können wir weiter ins Sportliche investieren." Beine statt Beton - so könnte also das Zebra-Motto für die kommenden Jahre lauten.

Trainer Alfred Gislason wird das gerne hören. "Jeder in Kiel und beim THW war immer bemüht, was die Bedingungen betrifft. Aber die waren nicht mehr als zweitligatauglich, eines THW Kiel nicht würdig", sagte der Isländer am Mittwoch in Tokio am Rande einer Handball-Reise nach Japan. "Es ist wichtig, dass die Spieler ein echtes Heim haben. Das fängt bei Kleinigkeiten wie einem eigenen Spind an. Ich freue mich sehr, wenn endlich alles unter einem Dach ist."

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hätte zwar das Trainingscenter "gerne direkt in Kiel gehabt", äußerte jedoch Verständnis: "Wir können die Vorteile der so nur am Standort Altenholz zu realisierenden Lösung gut nachvollziehen. Kiel und die Kiel-Region sind nur gemeinsam stark. Das gilt nicht nur für Wirtschaft und Wohnungsbau, sondern auch für den Sport. Die Spiele werden natürlich weiter in der Kieler Sparkassen-Arena ausgetragen."

Daran will auch THW-Geschäftsführer Thorsten Storm nicht rütteln. Er sagte in Tokio: "Der THW Kiel bleibt in Kiel, mit seinem Sitz, seiner Geschäftsstelle und bei seinen Heimspielen. Aber wir brauchen das Trainingszentrum, um auch in Zukunft international und national mithalten zu können. Die bisherigen Bedingungen sind einfach nicht mehr haltbar, da ist uns die Konkurrenz längst enteilt."

Erst 2021 wäre die Trainingsstätte in Projensdorf nach KN-Informationen zu realisieren gewesen. Allein ein Umweltverträglichkeits-Gutachten hätte jetzt, nach bereits drei Jahren Planung, noch einmal ein Jahr in Anspruch genommen. "So viel Zeit", so Storm, "haben wir einfach nicht. In einem Trainingszentrum in Altenholz können bereits Mitte 2018 die ersten Bälle fliegen."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 21.07.2016, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

Kein Groll bei Holstein Kiel

Ohne Groll bewertet Fußball-Drittligist Holstein Kiel die Entscheidung des THW Kiel. "Ich finde es sehr schade. Es wäre ein Leuchtturmprojekt zweier ambitionierter Vereine gewesen, ein Signal der Sportstadt Kiel über die Landesgrenzen hinaus", sagte der Kaufmännische Geschäftsführer der Störche, Wolfgang Schwenke.

Der ehemalige Handball-Nationalspieler der Zebras betonte aber, er könne "den THW nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht verstehen. Der THW braucht schnelle Lösungen. Die Umsetzung unseres Projektes war zeitlich nicht absehbar". Die KSV Holstein habe Plan B mit einer alleinigen Bebauung schon seit geraumer Zeit in der Schublade. Schwenke: "Aktuell ist das allerdings noch kein Thema. Das kommt erst nach einem Aufstieg in die Zweite Liga auf den Tisch."

(Von Andreas Geidel, aus den Kieler Nachrichten vom 21.07.2016)

 

Mehr zum Thema

Hannover/Kiel. Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagnachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. "Er war sehr erfreut über die Entscheidung", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop....

20.02.2018

Kiel/Hannover. Heute entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Hannoveraner Flughafenhotel über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop. Im Mittelpunkt des Handball-Gipfels steht das Ergebnis der Analyse des desaströsen EM-Abschneidens, die Sportvorstand Axel Kromer nach Informationen unserer Zeitung mittags dem zehnköpfigen DHB-Präsidium vorstellen wird. Alles...

19.02.2018

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018