KN: Handball-Helden im Partyrausch

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Dienstag, 02.02.2016 // 12:04 Uhr

Krakau. Die Handballer feierten ihren sensationellen EM-Titel wild und ausgiebig, nicht nur in Berlin (siehe Bericht nächste Seite). Schon am Sonntagabend in Krakau hatte es keinerlei Zurückhaltung mehr gegeben. Bereits vormittags in Polen hörte sich Andreas Wolff an wie ein rostiges Gartentor,. "Ich war um sieben im Bett. Dann habe ich zwei Stunden geschlafen", röhrte Wolff gegen 11 Uhr, als die trägen Helden nicht nur freudetrunken aus dem Hotel geschlurft kamen.

Schon in Krakau wurde in der Nacht zu Montag ausgiebig

Es folgte ein 90-minütiger Party-Flug in der Chartermaschine nach Berlin. Auch im Bus sangen die "bösen Jungs" ihre Lieder danach eher laut als schön, und der nachnominierte Julius Kühn bekam seine x-te Gänsehaut. "Ich war vor einer Woche auf der Couch, jetzt komme ich als Champion nach Hause, Wahnsinn!", sagte er. Alle hatten im Gewölbekeller des Edel-Restaurants "La Grande Mamma" im Herzen der Krakauer Altstadt bis tief in die Nacht auf ihren Stühlen getanzt - Andi Wolff und der sonst so ruhige Erfolgstrainer Dagur Sigurdsson, Triebfeder "des Wunders von Krakau", in erster Reihe. "Wir haben sehr gut gefeiert. Vollgas!", berichtete Kühn.

In der Tat: Der Höhenrausch hatte eine neue Dimension erreicht. Zum Abschluss verschob die "Rasselbande" des Turniers nochmals ihre Grenzen. Wolff schien das Torwartspiel mit unfassbaren Paraden und wahnwitzigen 48 Prozent gehaltener Bälle neu definiert zu haben. Doch darüber wollte er gar nicht so groß reden - zwischen Bier und Champagner schaute die Schlüsselfigur des Handball-Märchens nach vorne. "Vielleicht ist dies die Geburt einer großen Generation", sagte er. "Wir haben mit dieser geilen Mannschaft das Potenzial, alles zu gewinnen. Wir holen uns noch den WM-Titel und den Olympiasieg!"

Im tosenden Jubel gab es jedoch auch leise, mahnende Stimmen. Während Mannschaft und Trainer die Nacht zum Tage machten, saß die DHB-Spitze bei einer "teuren Flasche Rotwein" im Hotel zusammen. Eines der Themen: Wie kann der Hype genutzt werden? Wie kann der Handball dauerhaft profitieren, ohne innerhalb von Wochen wieder zu versinken? So ein "geiler Sport", das sagten alle unisono, müsse sich doch besser vermarkten lassen. Im Gegensatz zu 2007, als es nach dem WM-Titel rasant bergab ging, soll das EM-Gold von Polen nur der Anfang eines Aufstieges sein. Ob die Erwartungen neu definiert werden müssen? Man mag es kaum aussprechen, aber angesichts der bevorstehenden Rückkehr von Leistungsträgern wie Uwe Gensheimer oder Steffen Weinhold könnte das Ziel sein: Olympiasieg! Und zwar schon 2016.

(Von Christoph Stuckenbrock, aus den Kieler Nachrichten vom 02.02.2016, Foto: Sascha Klahn)

 

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