KN-Interview mit Alfred Gislason: "Ich bin sehr gespannt"

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Sonntag, 21.08.2016 // 12:35 Uhr

Herzogenaurach. Alles wie immer und doch alles anders beim THW Kiel? Die Vorbereitung auf die neue Saison - aufgrund der Olympischen Spiele nur mit halber Mannschaft - nimmt THW-Trainer Alfred Gislason im Trainingslager in Herzogenaurach irgendwie auch mit Galgenhumor. "Mal sehen, was wir morgen machen, ich improvisiere." Ganz ernst gemeint ist das sicher nicht. Denn wenn der 56-jährige Isländer über das, was kommt, spricht, brennt da ein neues Feuer in seinen Augen. Schließlich ist der Umbruch vollzogen, die Mannschaft jung, hungrig, stark.

Kieler Nachrichten: Herr Gislason, wie war Ihr Sommer?
Alfred Gislason: Der war richtig gut. Ich war zuerst in unserem Haus in Wendgräben und dann auf Island. Ich habe mir einen Trecker gekauft und in Wendgräben 80 Obstbäume gepflanzt - Obstwiesen mit allen möglichen Sorten.

 

Und mit Elfar (33) ist jetzt Ihr erster Sohn unter der Haube …
Die Hochzeit auf Island war richtig schön. Es war aber auch ein wenig eigenartig, fast wie Erwachsenwerden. Ich war Elfars Trauzeuge, musste eine Rede halten.

 

Wie lange haben Sie noch an die erste titellose Saison seit 13 Jahren gedacht?
Ich habe nach Saisonende noch die letzten Spiele ausgewertet. Es gab enttäuschende Dinge, aber insgesamt kann ich der Mannschaft kaum einen Vorwurf machen. Sie spielt ein sehr gutes Final Four in Köln, steht mit einem Bein im Finale, hätte den Titel holen können. Da liegen zwischen Platz eins und vier nur zwei, drei Entscheidungen. Das war bitter. Aber dass wir das trotz der vielen Verletzungen in der Hand hatten, zeigt, wie gut alle gearbeitet haben.

 

Welchen Charakter wird der "neue" THW mit all den Neuzugängen haben?
Ich bin sehr gespannt. Ich habe die Hoffnung, dass wir mit der Zeit eine so charakterstarke Mannschaft haben werden wie bei der Mannschaft mit Lövgren, Ahlm, Jicha, Omeyer und Kollegen. Das ist unser Ziel, dafür müssen wir Glück haben, die Mannschaft gut einspielen, von Verletzungen verschont bleiben und vor allem dafür sorgen, dass die Spieler auch bleiben. Darüber hinaus mache ich kein Geheimnis daraus, dass ich Aron Palmarsson gern zurückholen möchte.

 

Wie lösen Sie das Problem, dass die Hälfte Ihres Kaders durch die Olympischen Spiele die Vorbereitung in Kiel verpasst?
Keine Mannschaft stellt so viele Spieler ab wie wir. Uns bleibt nicht einmal eine Woche gemeinsame Vorbereitung. Zum Glück sind wenigstens Nikola Bilyk und Raul Santos die ganze Zeit bei uns. Man muss zudem hoffen, dass alle anderen gesund aus Rio kommen.

 

Apropos Belastung: Wie deprimierend ist es, dass sowohl der 16. Spieler in der Bundesliga als auch die Änderung von der Tordifferenz zum direkten Vergleich abgeschmettert wurden? 
Es ist sehr deprimierend, dass ausgerechnet in der deutschen Bundesliga, die von den Spaniern als "NBA des Handballs" bezeichnet wird und in der es jetzt schon schwierig ist, die Stars zu halten, solche Entscheidungen getroffen werden.

 

So bleibt die Bundesliga nicht die "NBA des Handballs"…
Nein! Oder ist es gut für den deutschen Handball, wenn irgendwann zwei Jahre in Folge keine deutsche Mannschaft das Champions-League-Final-Four erreicht? Oder ist es gut für den Deutschen Handballbund, wenn wir vier, fünf Nationalspieler bei uns im Team haben, die aber wegen der großen Belastung ständig verletzt sind und sich irgendwann die Frage stellen, ob sie nicht besser nur noch für den Klub und nicht mehr für ihr Land spielen?

 

Die kleinen Vereine haben aber auch noch andere Argumente.
Genau, sie sagen, dass wir ihnen die Talente klauen würden, wenn 16 Spieler in der Bundesliga erlaubt wären. Aber ganz ehrlich: Das würden wir sowieso tun. Auch während meiner Zeit in Magdeburg musste ich mir oft den Vorwurf anhören, wir würden die Talente klauen - bis die Vereine gemerkt haben, dass wir jede Saison vielleicht fünf junge Spieler geholt haben, die sich aber nicht alle durchsetzten. Die anderen kamen nach zwei, drei Jahren viel besser ausgebildet zu ihren Vereinen zurück.

 

Es kursieren einige hartnäckige Gerüchte zu Spielern, die mit dem THW in Verbindung gebracht werden oder wurden: Aron Palmarsson oder Tobias Reichmann, der jetzt für 2017 in Melsungen unterschrieben hat …
Wir haben bei Tobias Reichmann nicht mitgeboten. Und Aron, das sagte ich schon, ist mein absoluter Wunschspieler. Ich würde mir seine Rückkehr wünschen, wir hätten ihn nie verlieren dürfen. Aber superoptimistisch bin ich nicht.

 

Ist der größere Kader auch ein Lerneffekt nach der vergangenen Saison?
Wir wollen vorbauen. Marko Vujin zum Beispiel ist noch immer angeschlagen. Steffen Weinhold ist von seinem Spielstil und seinem Einsatz eine Maschine, aber in der letzten Saison genau dadurch auch viel verletzt. Darum erhoffe ich mir auch viel von der Abwehrstärke von Christian Zeitz. Er kann uns da enorm helfen.

 

Was erwarten Sie persönlich von der kommenden Saison?
Ich hoffe, dass wir in einem Jahr über eine Saison sprechen, die unsere Hoffnungen erfüllt hat. Unser Ziel ist natürlich, deutscher Meister zu werden. Wir wollen auch die Final-Four-Turniere in Champions League und DHB-Pokal erreichen. Ich freue mich richtig auf die Saison, das wird sehr spannend mit vielen jungen Spielern, die enorme Qualität mitbringen. Das Talent von Lukas Nilsson und Nikola Bilyk kann man auf jeden Fall mit dem von Domagoj Duvnjak oder Aron Palmarsson vergleichen.

 

Sprechen wir dann auch über die nächste Hochzeit im Hause Gislason?
Nein, ganz bestimmt nicht, meine beiden anderen Kinder sind noch weit davon weg.

(Das Interview führte Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 13.08.2016, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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