KN: Schock: EM-Aus für Kieler Duo Weinhold und Dissinger

Weitere
Dienstag, 26.01.2016 // 12:41 Uhr

Breslau. Fassungslos wie selten, aschfahl, Bundestrainer Dagur Sigurdsson (42) ist am Montag sichtlich geschockt. Vor Minuten hat ihn die Nachricht erreicht: Für Kapitän Steffen Weinhold (Muskelbündelriss im Adduktorenbereich des linken Oberschenkels) und Christian Dissinger (Muskelfaserriss) - beide vom THW Kiel - ist die Handball-Europameisterschaft in Polen beendet. "Das ist ein Schock", sagt Sigurdsson. Und: "Das wirft uns zurück." 

Bundestrainer Dagur Sigurdsson bleibt in Polen nur ein B-Team

Der zusehends unnahbarere Isländer lässt einen Moment der Verletzlichkeit zu. Er, der nie jammert, nie hadert, der trotz einer fatalen Verletzungsmisere dafür da war, seine Spieler stark zu machen, gesteht ein: "Ja, das kann man sagen: Jetzt haben wir nur noch eine B-Mannschaft."

Es ist tragisch, beispiellos, das kann auch Sigurdsson nicht von sich fernhalten: Mit Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki, Patrick Wiencek, Paul Drux, Christian Dissinger und Steffen Weinhold fehlen den Deutschen nun sechs Spieler aus ihrer Stamm-Sieben. Die Verantwortlichen reagieren blitzschnell. Schon am frühen Mittag treffen Julius Kühn (VfL Gummersbach) und Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) im Mannschaftshotel in der Innenstadt von Breslau ein.

Da sind Dissinger und Weinhold gerade mit Teamarzt Dr. Kurt Steuer aus dem Krankenhaus zurück. Auch sie stehen unter dem Schock der Diagnose. "Wir hätten es nicht so weit kommen lassen müssen", sagt der 29-Jährige. Was er meint, ist der Ballverlust von Fabian Wiede Sekunden vor dem Ende des Spiels gegen Russland. "Jeder andere hätte sich dem Russen auch in den Weg geworfen." Weinhold opferte sich, wie sich ein guter Kapitän opfert. Noch am Abend spendet Freundin Ina von der Heimat aus Trost. Papa Klaus ist ohnehin in Breslau. Dort will auch Steffen Weinhold bleiben - mindestens bis Donnerstag: "Der physische Schmerz geht schon wieder. Aber im Kopf, da tut es noch weh." Für Christian Dissinger, der gegen Russland glänzte, ist die Situation "schwer in Worte zu fassen. Das tut sehr weh."

Die Kieler Achse in der Nationalmannschaft ist zerbrochen - für den THW Kiel eine Katastrophe. Nach Wiencek und René Toft Hansen fallen nun auch noch Dissinger und Weinhold für sechs bis acht Wochen aus. "Das tut mir zuerst einmal leid für die beiden", sagt THW-Geschäftsführer Thorsten Storm. Zebra-Coach Alfred Gislason will seine Stammkräfte "so schnell wie möglich nach Hause holen". Erst am Abend entscheidet sich, dass beide mindestens bis Donnerstag bei der Mannschaft bleiben. Für den Kieler Linksaußen Rune Dahmke, selbst seit einem Zusammenprall mit Weinhold am Oberschenkel verletzt, ist der Bruch des Kieler Dreigestirns ein "herber Rückschlag". "Man muss nur wenige Minuten von unseren Spielen sehen, um zu wissen, wie wichtig Steffen für uns ist. Aber jetzt müssen andere einspringen. Das zeichnet uns auch aus." Hendrik Pekeler betont: "Einen besseren Kapitän als Steffen hätten wir nicht finden können."

Torwart-Routinier Carsten Lichtlein wird das Team am Mittwoch als Kapitän auf das Feld führen. Auch der 35-Jährige spricht von einem "Schock", um sogleich den Teamgeist zu beschwören: "Jeder steht gnadenlos für den anderen ein. Wir haben schon so viele Rückschläge verkraftet. Keiner schießt quer, keiner muckt auf. So extrem gut habe ich das noch nie erlebt." Der Mann vom VfL Gummersbach mit den 207 Länderspielen reihte sich ein, als Andreas Wolff auftrumpfte, um gegen Russland fulminant wieder da zu sein. Jetzt gehe es, weiß Lichtlein, nur über Emotionen. "Ich werde die Mannschaft pushen, aber Steffen bleibt hier, bleibt unser Kapitän. Er wird die Ansprache vor dem Match halten." Steffen Weinhold, der stille Anführer, bleibt im Amt. Der humorvolle, zuweilen spröde Franke im Körper eines Norddeutschen mit dem Weltklasse-Timing geht nicht von Bord. Er weiß: "Die Chance, ins Halbfinale einzuziehen, ist noch immer riesengroß."

(Das Interview führte Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 26.01.2016, Foto: Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Mit zwei neuen, interaktiven Elementen rund um die Spiele des THW Kiel steigert der Handball-Rekordmeister in Zusammenarbeit mit "Social Cee" zukünftig die Vorfreude bei seinen Fans und den Spaß während der spannenden Zebra-Partien.

15.11.2018

Ein ganzer Block extra für Studentinnen und Studenten: Für alle Heimspiele der Zebras im Europapokal stellt die Förde Sparkasse jeweils 80 Tickets kostenlos zur Verfügung. Handballbegeisterte Studierende können sich mit ihrem Studentenausweis die Tickets im Vorfeld der Spiele in der "Studiale" abholen - solange der Vorrat reicht. 

12.11.2018

Kiel. Die Saison ist in vollem Gange, den THW Kiel erwartet ein heißer Jahres-Endspurt mit wichtigen Spielen in Handball-Bundesliga, DHB-Pokal und EHF-Cup-Qualifikation und in der Liga beginnt sich allmählich das Wechselkarussell zu drehen. Auch die Zebras feilen an ihrer personellen Zukunft - in einer neuen Konstellation.

08.11.2018

Nikola Bilyk, Rückraumspieler des THW Kiel, hat sich beim 37:29-Auswärtssieg in Minden am Kapsel-Band-Apparat des rechten Sprunggelenks verletzt. Dabei wurde auch das Außenband in Mitleidenschaft gezogen. Dies wurde nach einer MRT-Untersuchung am Montag im „Mare Klinikum“ durch die medizinische Abteilung des Rekordmeisters diagnostiziert.

05.11.2018

Der Aufsichtsrat, die Gesellschafter und die gesamte THW-Familie trauern um Egon Beeck. Der langjährige Kommanditist der THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG verstarb am 28.10.2018 im Alter von 81 Jahren.

03.11.2018

Graz. Alle Zebras kehrten mit der maximalen Ausbeute von vier Punkten von den ersten beiden Spieltagen der Qualifikation zur Handball-Europameisterschaft 2020 zurück.

30.10.2018

Pristina. Die letzte Pflichtaufgabe ist erledigt, jetzt kann die Heim-Weltmeisterschaft kommen: Die deutschen Handballer haben ihr EM-Qualifikationsspiel beim krassen Außenseiter Kosovo am Sonntag klar mit 30:14 (15:5) gewonnen und biegen nun auf die Zielgerade zur WM-Eröffnung am 10. Januar in Berlin ein. Kapitän Uwe Gensheimer und Franz Semper waren vor rund 2300 Zuschauern in Pristina mit...

29.10.2018

Wetzlar. Elf Wochen vor Beginn der Heim-WM nutzen die deutschen Handballer die Pflichtaufgaben in der EM-Qualifikation zum Testen unter Wettkampfbedingungen. Nach dem Schützenfest gegen Israel (siehe siehe Spielbericht) sollen die Abläufe morgen (19.30 Uhr/Sportdeutschland.TV) im Kosovo weiter verfeinert werden.

27.10.2018