KN: Teamarzt: "Die Spieler sind überspielt, massiv überlastet"

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Dienstag, 26.01.2016 // 12:36 Uhr

Breslau. Seit 1990 ist Prof. Dr. Kurt Steuer Teamarzt der Handball-Nationalmannschaft. Der 59-Jährige ist Chefarzt des Johanniter-Krankenhauses in Bonn und sprach mit den Kieler Nachrichten über die Verletzungen von Steffen Weinhold und Christian Dissinger bei der Handball-EM.

Herr Dr. Steuer, im Vorwege der EM wurde viel über die große Verletztenmisere gesprochen. In welchem Zustand haben sie die Mannschaft vorgefunden?

Man hat die Überlastung der Spieler aus den Spitzenvereinen ganz deutlich gesehen. Die Namen sind sicher nur Variablen - aber der Kreuzbandriss von Wiencek oder auch die Verletzungen von Gensheimer oder Groetzki waren im Prinzip kalkulierbar. Die Spieler, die Bundesliga, Champions League und Nationalmannschaft spielen und in diesem Jahr zusätzlich mit EM, Olympia-Qualifikation, WM-Quali und vielleicht Olympia mehrere große Aufgaben zu bewältigen haben, sind überspielt, massiv überlastet. Dann passieren solche Schäden.

Sind auch die Verletzungen von Dissinger und Weinhold Resultat dieser Überlastung?

Führungsspieler wie Weinhold sind es, die in Schlüsselsituationen Verantwortung übernehmen und sich verletzen. Das heißt: Einerseits ist das Konzept mit vielen jungen Spielern völlig richtig, andererseits ist auch klar, dass junge Spieler nur dann zu Top-Akteuren werden, wenn sie in ihren Vereinen internationale Erfahrung sammeln. Ich sage aber auch ganz deutlich: Es hätte auch weniger überlastete Spieler als Dissinger und Weinhold in jeder anderen Partie treffen können. So etwas kann passieren.

Welche Möglichkeiten haben Sie in dem vergleichsweise kleinen Zeitfenster, gegenanzuwirken?

Das Erfolgsgeheimnis von unserem Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist, dass er aus seiner Erfahrung in der Bundesliga heraus genau weiß, wie wichtig Regeneration ist. Ich habe so etwas in über 20 Jahren Jahren als Teamarzt noch nicht erlebt: Dagur verlangt, dass seine Spieler pro Tag – sei es beim Training oder im Spiel - zwei Stunden lang 100 Prozent Leistung bringen. 22 Stunden lang bekommen sie jedoch Zeit, sich zu erholen. Sie schlafen, lenken sich ab, die Physiotherapeuten und Ärzte können intensiv an den Wehwehchen arbeiten, die Spieler gesund halten. Ein Meilenstein. Es wird vollkommen unterbewertet, dass die Spieler abends nach einem Spiel, wenn sie gegen Mitternacht ins Bett gehen, überhaupt nicht schlafen können. Das Adrenalin tropft ihnen aus den Ohren, sie schlafen erst spät ein. Sollen sie dann um 8 Uhr zum Frühstück? Morgens trainieren? Aus dem Tiefschlaf gerissen werden? Frühstück ist hier bis 10 Uhr. Luxus, der Gold wert und dringend erforderlich ist. Die Jungs holen sich, was sie brauchen, sie schlafen aus.

(Das Interview führte Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 26.01.2016, Foto: Sascha Klahn)

 

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