KN: Verfolgungsjagd im Handball-Tempel

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Montag, 18.07.2016 // 12:57 Uhr

Kiel. Meist sind es ein paar Statisten, die am Set des Kieler "Tatorts" mit von der Partie sind. Kleindarsteller, die während eines Dialogs im Hintergrund durchs Bild laufen oder im Café beiläufig aus ihren Tassen schlürfen. Und immer häufiger ist es digitale Tricktechnik, die zum Zuge kommt, wenn die Kulisse einmal richtig voll von Menschen sein soll. Ganz anders am Sonnabend in der Sparkassen-Arena: Dort waren es 10 000 echte Komparsen, die vor dem Abschiedsspiel von Dominik Klein beim THW für eine der Schlüsselszenen im neuen TV-Krimi "Borowski und das dunkle Netz" alles geben mussten.

Vor dem Abschiedsspiel drehte das Kieler "Tatort"-Team

Tatsächlich hatte es einen Dreh vor so vielen Menschen in der 46-jährigen Geschichte der Krimi-Serie noch nicht gegeben. Entsprechend groß war die Anspannung beim Team um Regisseur David Wnendt. Die leise Furcht der Verantwortlichen, dass möglicherweise zu wenige Zebra-Fans zum Drehtermin kommen würden, hatte sich schnell zerschlagen. Der Andrang war derart groß, dass die Ordner mit der Kontrolle der Tickets kaum nachkamen. Dafür sorgte ein anders Problem für Nervosität in den Katakomben der Arena. "Sibel Kekilli geht es nicht gut, sie ist krank und weiß nicht, ob sie drehen kann", kursiert als Gerücht. Und tatsächlich: Als die Schauspielerin in violetter Zippjacke in der Halle eintrifft, wirkt sie blass und angeschlagen. Eiligst aber war THW-Mannschaftsarzt Detlev Brandecker zur Stelle und nahm sich der TV-Kommissarin an.

10000 Zuschauern als Komparsen

Hein Daddel geht zu Boden - zuvor hatte das THW-Maskottchen versucht, den Flüchtenden aufzuhalten

Im Rund der Arena stieg unterdessen die Spannung. "Bei einer Filmproduktion ist man nicht alle Tage mit dabei", sagte Gesche Kuhn. Zwar sei sie alles andere als ein "Tatort"-Fan, gestand die 56-Jährige, "diesen Kieler Fall werde ich mir aber ganz sicher ansehen. Ansonsten sind mir die Fälle immer viel zu düster." Theresa Borck und ihre Mutter Angela lassen keine Folge der Förde-Krimis aus: "Die Episoden sind nicht nur gut, es ist auch immer wieder spannend zu sehen, wo die einzelnen Szenen gedreht werden", berichtet die 20-Jährige. Dass sie nun selbst bei einer dabei ist, sei etwas Besonderes. Pragmatischer gingen es Sven und Achim Bornert an: "Eigentlich sind wir wegen Dominik Klein hier, aber wenn es einen Krimi-Dreh on top gibt, nehmen wir den gern mit", sagte der 54-Jährige. Für ihn stehen sonst andere "Tatort"-Teams im Fokus: "Zu Hause in Hessen haben wir ja gleich zwei Teams in Frankfurt und Ludwigshafen."

Nur Minuten später trat Regisseur Wnendt auf das Spielfeld. "Sie müssen gleich die Szene mit Leben füllen", forderte er und hatte ganz konkrete Vorstellungen: "Wir befinden uns gleich mitten in der zweiten Halbzeit einer laufenden Partie. Dann springt plötzlich eine Person auf das Spielfeld. Und wie reagieren Sie, wenn ein Flitzer das Spiel unterbricht? Genau, sie pfeifen. Und wenn jemand auf dem Spielfeld eine Waffe zieht, was machen Sie dann?" Von den Rängen ertönten entsetzte Schreie. "Sehr gut."

Das "Tatort"-Team hatte leichtes Spiel. Viermal sollte die Szene gedreht werden. Viermal lieferte sich die aktuelle THW-Mannschaft einen packenden Angriff gegen die All-Stars-Auswahl, viermal floh der Gangster mit gezogener Waffe über das Feld, rangelte mit THW-Maskottchen Hein Daddel, viermal jagte Sibel Kekilli als Kommissarin über den Platz und ließ sich auch von den TV-Ordnern nicht stoppen.

Einen Termin für die Ausstrahlung von "Borowski und das dunkle Netz" gibt es zwar noch nicht. "2017 werden Sie alle aber für ein Millionenpublikum zu sehen sein", sagte Regisseur Wnendt. Einzelheiten aus dem Krimi verriet der Filmemacher natürlich nicht. Allerdings spielt die Sparkassen-Arena und der THW offenbar nicht nur bei der Verfolgungsjagd eine Rolle: Gerüchten zufolge hatte das Team bereits am Vortag in der Halle gedreht, dabei soll es um eine Geiselnahme in den Umkleidekabinen gegangen sein.

Einige der Zuschauer hatten auf ein Autogramm von Sibel Kekilli gehofft, wurden aber enttäuscht. Da für den Dreh nur eine knappe Stunde angesetzt war und das Filmteam noch weitere Drehtermine hatte, eilte die Schauspielerin nebst Gefolge weiter und räumte das Feld für das eigentliche Highlight: das Abschiedsspiel von Dominik Klein.

(Von Bastian Modrow, aus den Kieler Nachrichten vom 18.07.2016, Fotos: Sascha Klahn)

 

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