KN: WM 2007 als Mahnung

Weitere
Donnerstag, 04.02.2016 // 08:37 Uhr

Handball ist in - derzeit. 13 Millionen Menschen sahen den Gewinn des EM-Titels im TV, 9000 Fans bejubelten die Champions beim Empfang in Berlin. Aber kann die populärste Hallensportart Deutschlands langfristig von dem Erfolg profitieren?

DHB will den Hype nach der EM nutzen

Nachhaltigkeit: 2007 war die Nationalmannschaft Weltmeister. Gab es danach einen Aufschwung? "Wir haben den Hype nicht genutzt. Wir haben uns darauf ausgeruht, die positiven Effekte verschlafen", sagte Uwe Kölling, Geschäftsführer des Bundesligisten TuS N-Lübbecke. "Am Anfang waren die Hallen voll, dann flachte es ab." Das soll jetzt nicht passieren. "Alle müssen an einem Strang ziehen. Wir müssen den Handball mehr in die Schulen bringen. Wir brauchen ausreichend Hallen", sagt Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt.

Fernsehen: Begeisterung wird gefüttert durch mediale Präsenz. Die Bundesliga (HBL) ist bei Sport 1 zu Hause. Meist sind pro Woche zwei Spiele live im Fernsehen zu sehen. Das öffentlich-rechtliche TV zeigt nur gelegentlich Kurzsequenzen in den dritten Programmen, ARD-Sportschau oder ZDF-Sportreportage. Schelte vermeidet HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: "Es ist schon besser geworden. Vor drei Jahren fanden wir praktisch gar nicht mehr statt." Die Champions League läuft bei Pay-TV-Sender Sky. "Schmerzhaft ist, wenn im Fernsehen Livespiele der Dritten und Vierten Fußball-Liga gezeigt werden und wir nicht", klagt Bohmann.

Nachwuchsförderung: Einrichtungen wie Jugend-Leistungszentren und Eliteförderung haben sich gelohnt. Deutsche Top-Spieler sind so zahlreich wie lange nicht. Folge: Die Ausländerquote in der HBL sinkt - auf derzeit rund 35 Prozent.

Mitgliederzuwachs: Der WM-Titel 2007 verschaffte dem DHB ein Plus von 18 526 Mitgliedern. Seither ging es bergab. 2015 wurde ein Minus von 19 422 Mitgliedern verzeichnet. HBL-Präsident Uwe Schwenker erwartet einen erneuten Aufschwung: "Wie nach dem WM-Titel 2007 wird es wieder erheblichen Zulauf an Nachwuchsspielern geben."

Belastungen: "Wir müssen unsere Spieler schützen", fordert Thorsten Storm, Geschäftsführer des THW Kiel. Bundesliga, Champions League, DHB-Pokal, Nationalteam - die Termine jagen sich. Erholungspausen gibt es kaum. "Wir brauchen einen Kader von 16 Spielern, um mehr rotieren zu können." Bisher sind nur 14 erlaubt. 16 sollen möglich, aber nicht Pflicht sein, weil kleinere Vereine höhere Ausgaben scheuen. Storm: "Die Lösung des Problems ist eine Frage der Solidarität."

Sponsoren: Auch nach dem EM-Erfolg rennen Geldgeber den Bundesligisten und dem Nationalteam nicht die Tür ein. "Handball hat sich ins Schaufenster gespielt. Aber uns hilft nur, wenn wir gemeinsame Synergien erschließen", sagt Storm.

(Aus den Kieler Nachrichten vom 04.02.2016, Foto: Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Basel. Die Internationale Handball-Föderation (IHF) hat einen neuen Vermarkter für die weltweiten Medienrechte für die Weltmeisterschaften 2019 bis 2025 gewonnen. Das in Hamburg ansässige Unternehmen Lagardère Sports übernimmt ab sofort den Vertrieb der TV-Verträge unter anderem für die WM im kommenden Jahr in Deutschland und Dänemark. Damit ist das drohende Szenario eines TV-Blackouts vom Tisch.

21.08.2018

Göttingen. Der THW Kiel steht wie erwartet im Achtelfinale des DHB-Pokals. Beim "First Four" in Göttingen - eines von insgesamt 16 Erstrunden-Turnieren setzten sich die Zebras im Halbfinale zunächst am Sonnabend mit 39:23 (19:11) gegen Zweitligist TuSEM Essen durch. Im Finale am Sonntag wartetete Zweitliga-Aufsteiger TSV Bayer Dormagen. Und auch diese Hürde meisterte der Rekord-Pokalsieger mit...

20.08.2018

Handballfans in Gettorf und Umgebung aufgepasst: Am Mittwoch, 22. August, werden gleich drei Zebras zur Autogrammstunde anlässlich der großen Neueröffnung des REWE-Supermarktes in der Süderstraße 4 erwartet. 

20.08.2018

"Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns", hatte THW-Trainer Alfred Gislason am Vortag der "sky-goes-REWE"-Cup-Premiere vor allzu viel Euphorie nach zuletzt zwei Testspiel-Erfolgen gegen Flensburg und den FC Barcelona gewarnt. Der erfahrene Isländer sollte einmal mehr Recht behalten: Der THW Kiel hat die Generalprobe für die am Sonnabend mit dem Pokal-Wochenende in Göttingen beginnende Saison...

15.08.2018

Mit einer guten Atmosphäre und einer großen Portion Optimismus startet der THW Kiel mit dem DHB-Pokal-Erstrundenturnier am Wochenende in die Saison. "Wir wollen uns in der Meisterschaft für die Champions League qualifizieren und in beiden Pokal-Wettbewerben das Final Four erreichen", gab der Sportliche Leiter Viktor Szilagyi die Ziele für die Saison aus. Trainer Alfred Gislason äußerte sich bei...

14.08.2018

Drei Tage nach dem 31:22-Erfolg gegen Flensburg hat der THW Kiel auch das zweite von drei intensiven Testspielen gewonnen: Vor 8056 Zuschauern bei "Helden des Handballs" in der Hamburger Barclaycard-Arena besiegten die "Zebras" im Europa-Duell den spanischen Titelträger FC Barcelona mit 28:24 (15:11). Bester Torschütze der Partie, in der die Kieler über weite Strecken das Geschehen...

12.08.2018

Neumünster. Die neue 6:0-Deckung: läuft wie geschmiert. Die Abläufe im Angriff: sehenswert, jetzt schon. Die Harmonie im Innenblock: frappierend. Der erste Härtetest des THW Kiel am Donnerstagabend in Neumünster gegen die SG Flensburg-Handewitt verlief hervorragend. Die Protagonisten des Handball-Rekordmeisters versuchten nach dem 31:22 (siehe THW-Spielbericht) dennoch, die Euphorie zu bremsen.

11.08.2018

Herzogenaurach. Drei gelbe Reaktionsbälle - also unförmige, beulige Flummis, die widerspenstig in alle Richtungen wollen - prallen vom Boden ab. Vier Hände schießen in die Mitte, fuchteln hektisch ins gelbe Gewusel. Niklas Landin hat in jeder Hand einen, Andreas Wolff greift ins Leere. Mattias Andersson lacht. Der 40-Jährige ist neuer Torwarttrainer beim THW Kiel - und der Schwede holt so manchen...

11.08.2018